AADORF: Mehr als nur ein Symbol

Auf dem Turm der evangelischen Kirche steht bereits ein Kreuz. Ob das reicht oder ob es im Inneren auch eines braucht, wollte die Vorsteherschaft wissen. Die Kirchgemeindeversammlung diskutierte diese Fragen rege.

Gabi Doggweiler
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Hahn und Kreuz prangen auf dem Aadorfer Kirchturm. Das Innere der Kirche kommt noch ohne diese Insignien aus. (Bild: Gabi Doggweiler)

Hahn und Kreuz prangen auf dem Aadorfer Kirchturm. Das Innere der Kirche kommt noch ohne diese Insignien aus. (Bild: Gabi Doggweiler)

Gabi Doggweiler

hinterthurgau

@thurgauerzeitung.ch

Soll ein Kreuz in einer evangelischen Kirche hängen? Oder ist sogar das bestehende auf dem Turm bereits zu viel? In der Einladung zur ordentlichen evangelischen Kirchgemeindeversammlung war im Traktandum sechs das Symbol folgendermassen beschrieben: «Es ist kein schönes Zeichen, aber ein sehr bedeutsames.»

Präsident Stefan Kormann eröffnete die Versammlung und begrüsste die 70 Stimmberechtigten. Auch Pfarrerin Caren Algner hiess die Anwesenden herzlich willkommen; mit besinnlichen Worten leitete sie gleich zum Thema Kreuz über.

Eines bezweifelte niemand: Das Kreuz ist weltweit das Symbol aller christlichen Kirchen, nicht nur der Katholiken. Es steht zwar für den gewaltsamen Tod, aber auch für die damit verbundene Auferstehung – die Hoffnung im Tod, dass Gott nahe ist und trägt.

Leere Wand für Projektionen reserviert

Als man den alten Wandteppich entfernte, kam die Frage nach einem Kreuz auf. Die leere Wand wirkte kahl. Diese steht aber nicht zur Verfügung, da sie für Liedtexte und Bilder als Projektionsfläche genutzt wird. Am Dienstagabend nun waren die Ansichten der Kirchgänger gefragt. Wollen sie überhaupt ein Kreuz oder ein anderes Symbol in der Kirche? Schliesslich sollen sich die Kirchgänger wohl fühlen und auf keinen Fall vertrieben werden.

Wie anzunehmen, wurde ausgiebig diskutiert. Es fielen bedächtigere Wörter als im Vorfeld, als das Kreuz noch mit einem Galgen und Mordinstrument verglichen wurde. Bald war klar, dass nicht nur ein Kreuz zur Diskussion stand, auch ein Hahn wäre vorstellbar. Genauso fiel mehrmals der Wunsch nach dem Chi-Rho, dem Konstantinischen Kreuz oder auch Christogramm genannt. Dieses quer gestellte Kreuz mit einem «P» oben in der Mitte schmückte bereits vor Jahren die Kirche. Aber genauso die beiden Zeichen Alpha und Omega wurden gewünscht, die häufig als Begleitmotiv zum Christogramm auftauchen. Sie stehen für den Anfang und das Ende, für Christus als den Ersten und Letzten.

Weitere Ideen waren, dass man mit einem Beamer verschiedene Symbole an die Wand projektieren könnte. Die Kirchenvorsteherschaft wird nun alle Vorschläge zusammentragen und beraten.

Rückstellungen für Orgelrevision

Finanzvorsteherin Seraina Lansel erläuterte ausführlich das eigentliche Haupttraktandum der Versammlung, Budget 2018. Dieses wurde mit einem Defizit von 87000 Franken veranschlagt. Da seit dem 1. Januar dieses Jahres nach neuen Richtlinien verbucht wird, sind nicht alle Posten mit den Vorjahreszahlen eins zu eins vergleichbar. Die Löhne der Diakonie werden beispielsweise nicht mehr mit den Löhnen des Pfarrteams verbucht, sondern separat.

Einige Anschaffungen stehen bevor. Unter anderem neue Bestuhlung, Sitzbänke, Abendmahldecke, Lautsprecher und auch ein Beamer. Genauso muss die Orgel revidiert werden, was eine Rückstellung verlangte, da im 2018 mit einer beachtlichen Vorauszahlung gerechnet werden muss. Weniger Aufwand verzeichnet das Budget beim Friedhof. Nach 2014 stiegen die Kosten sprunghaft an und die Arbeiten konnten von einer einzigen Person nicht mehr erledigt werden. Daher fand die Kirchgemeinde mit der Politischen Gemeinde eine Lösung. Letztere übernahm alle Verträge und stellte für die Grabpflege eine Person ein, die, wenn nötig, auch vom Werkhof Unterstützung bekommt.

Im Dezember wird die Politische Gemeinde über die Friedhöfe und die Grabpflege informieren. Diskussionslos und ohne Gegenstimme wurden die bisherigen 19 Steuerprozente bestätigt, genauso wie das Budget 2018.

«Eine Wand bleibt eine Wand»

Im auslaufenden Jahr konnte die Kirchgemeinde einige Jubiläen feiern. Pfarrerin Esther Walch Schindler wirkt seit 25 Jahren, Pfarrerin Caren Algner seit 15 Jahren und der Hilfsorganist seit 20 Jahren. Und Leni Lechner hat vor einem Jahrzehnt den Seniorensingkreis ins Leben gerufen. Ab Februar 2018 wird Caren Algner einen sechsmonatigen Weiterbildungsurlaub in Hamburg antreten und von Pfarrerin Irène Baumgartner vertreten werden. Aber auch Diakon Ma­thias Dietz und Pfarrerin Esther Walch Schindler werden einspringen. Nicht alles lässt sich delegieren.

Der Abend klang bei einem Apéro aus, an dem noch eifrig weiterdiskutiert wurde. Noch so manche Idee wurde geboren, wie man die nüchterne Kirche umgestalten könnte. Aber wie Pfarrerin Caren Algner sagte, die Kirche wird nie gemütlich werden. «Egal, was wir aufhängen oder aufstellen – eine Wand bleibt eine Wand.»