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AADORF: Jetzt stehen sie im Geschichtsbuch

Der Gemeinnützige Frauenverein hat sich nach 121 Jahren aufgelöst. An Mitgliedern mangelte es zwar nicht. Für die Arbeit im Vorstand mochte sich jedoch niemand begeistern.
Kurt Lichtensteiger
Der letzte Vorstand des Gemeinnützigen Frauenvereins Aadorf: Maja Frank, Jenni Baur, Ines Scheibler, Uschi Brülisauer, Jeannette Matuh, Simone Haller und Patricia Bächle. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Der letzte Vorstand des Gemeinnützigen Frauenvereins Aadorf: Maja Frank, Jenni Baur, Ines Scheibler, Uschi Brülisauer, Jeannette Matuh, Simone Haller und Patricia Bächle. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Kurt Lichtensteiger

hinterthurgau

@thurgauerzeitung.ch

Mit gemischten Gefühlen machten sich die Frauen des Gemeinnützigen Frauenvereins Aadorf (GFA) auf zur 121. Jahresversammlung. Ob sie etwa zum letzten Mal so gut aufgelegt bei einem gemeinsamen Nachtessen zusammensitzen würden, fragten sich wohl einige der 68 Anwesenden im Saal des «Aaheim».

Die offensichtliche Heiterkeit an den liebevoll gedeckten Tischen schien wohl nur eine aufgesetzte Fassade zu sein. Denn die Vorzeichen für einen vergnügten Abend waren insofern nicht sehr günstig, als der siebenköpfige Vorstand – erst seit einem Jahr im Amt – in der Einladung seinen Rücktritt angekündigt hatte. Mit der Konsequenz, dass der Verein aufgelöst würde, sollten sich im Zuge einer Statutenanpassung nicht mindestens drei Freiwillige in den Vorstand wählen lassen.

So erwarteten alle mit Spannung das siebte Traktandum «Neuwahlen in den Vorstand». Simone Haller als Vorsitzende richtete einen letzten Appell an die Anwesenden. Stillschweigen. Selbst eine danach anberaumte fünfminütige Denkpause brachte niemanden zum Umstimmen. So kam es, wie es kommen musste, nämlich zur Auflösung des über traditionsreichen Vereins. Das Schicksal besiegelte die erforderliche Dreiviertelmehrheit ohne Wenn und Aber. Der Verein findet nur noch Erwähnung in den Geschichtsbüchern.

Wie kam es dazu?

Dass schon der frühere Vorstand Mühe hatte, Frauen für die strategische Leitung zu finden, war kein Geheimnis. Nicht zuletzt dank Inseraten in den Lokalzeitungen war man vor einem Jahr fündig geworden. Sieben Frauen mit einem Durchschnittsalter von rund 40 Jahren stellten sich schliesslich zur Verfügung. Die angestrebte Verjüngung der Vereinsführung war damit eingeleitet. Diese ging nach einem Findungsprozess mit viel Elan ans Werk, war offen für Neues und bestrebt, eine neue Schiene zu fahren.

Mittels Umfragen wurden die Bedürfnisse der Mitglieder abgeklärt und entsprechende Anlässe organisiert, so ein Abendspaziergang, ein Bingoplausch, gemeinsames Stricken, eine Stilberatung und die Beteiligung am Weihnachtsmarkt. Ein grösserer Erfolg war nur der Ausflug zum Kürbisfest in Rudolfingen. Die meisten anderen Anlässe und Themenabende mussten mangels Beteiligung ausfallen. Verständlich, dass auf Führungsebene Ernüchterung einkehrte. Vorwürfe von Seite der Anwesenden waren jedoch kaum zu vernehmen. Dass den berufstätigen Frauen nicht zugemutet werden kann, weiterhin jeweils eine Woche lang Adventskränze und Gestecke für den Weihnachtsverkauf zu basteln, ist verständlich. Dadurch fiel allerdings eine wichtige Einnahmequelle und zugleich sinnstiftende Arbeit weg.

Dass der Vorstand nach einem Jahr die Reissleine zog, wollte man ihm nicht zum Vorwurf machen. Alle Vereine stünden vor dem gleichen Problem, war aus den Reihen der Anwesenden zu hören. Es fehle an Engagement und an freiwilliger Mithilfe, was verschiedene Gründe habe: So etwa der gesellschaftliche Wandel, das veränderte Freizeitverhalten, die Geringschätzung von Ehrenamtlichkeit und die vermehrt berufliche Tätigkeit der Frauen.

Kathrin Schlaginhaufen, Präsidentin des Kantonalverbandes mit nun 35 Sektionen, bedauerte das Aus, konnte aber den Entscheid nachvollziehen. Rita Ammann, Präsidentin der Katholischen Frauengemeinschaft Aadorf (KFG) sagte: «Ich bedaure die Auflösung. Viele Frauen verlieren nun ihre Verwurzelung im Gemeinnützigen Frauenverein.»

Vermögen für Jahresaufgaben

Das Vermögen wird für die Jahresaufgaben verwendet werden. Die gut 10000 Franken gehen zu je einem Drittel an die Sozialen Dienste Aadorf, an «Ranunkel» und in den Fond «Mutter und Kind» des Thurgauischen Gemeinnützigen Frauenvereins (TGF). Ein Rest soll auch noch für die Vorstandsfrauen übrig bleiben, nämlich für sieben prächtige Blumensträusse, schlug eine Versammlungsteilnehmerin vor. Ein spürbar von Herzen kommender Applaus unterstützte diesen Antrag, was die Scheidenden – völlig richtig – als verdienten Dank für ihre geleistete Arbeit verstanden.

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