AADORF: Innen hui, aussen weniger

750 Geräteturner trafen am Wochenende an der Frühjahrsmeisterschaft aufeinander. Während sie in der Turnhalle um Medaillen kämpften, mussten davor gar die Rabatten als Parkfelder herhalten.

Kurt Lichtensteiger
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Die zahlreichen Zuschauer hatten einen guten Überblick über das Kampfgeschehen. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Die zahlreichen Zuschauer hatten einen guten Überblick über das Kampfgeschehen. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Kurt Lichtensteiger

hinterthurgau

@thurgauerzeitung.ch

Er hatte so ziemlich alles im Griff: der Turnverein Affeltrangen als umsichtiger Organisator der Thurgauer Frühjahrsmeisterschaft im Einzelgeräteturnen. Die notwendigen Geräte für den Grossanlass wurden aus Affeltrangen, Eschlikon und Balterswil herbeigeschafft. Die neue Dreifachturnhalle bot den zahlreichen Schaulustigen beste Übersicht auf das Kampfgeschehen. Und dieses bestritten rund 750 Turner, 600 Frauen und 150 Männer im Alter zwischen 6 und 40 Jahren. Sie stammten überwiegend aus dem Thurgau, aber auch aus Vereinen der Kantone Zürich, Appenzell, Schaffhausen und St. Gallen.

Als problematisch erwies sich einzig die Parkplatz-Situation, noch verstärkt durch eine Belegung beim Sportplatz infolge zweier Fussballspiele. Als Not­behelf dienten den Autofahrern in nicht wenigen Fällen die Wiesen und Rabatten. Und gar zu grotesken Strassenüberquerungen kam es beim Kreisel Heidelberg, wo Jung und Alt ratlos nach einem Fussgängerübergang Ausschau hielt. Weil es in unmittelbarer Nähe schlicht keinen gibt, überquerten die Leute keck den Kreisel, um nicht ungefährlich zu den abgestellten Autos an der Industriestrasse zu gelangen. Abhilfe schaffen täte hier not.

Boris d’Angelo holt Höchstnote am Reck

Während vor der Turnhalle ein mittelschweres Chaos herrschte, war im Innern höchste Konzentration gefragt. Geturnt wurde in den Kategorien 1 bis 7. In den vier Disziplinen der Königskategorie K7 schwang die Turnerin Dominique Tschirky aus Rehetobel mit 38,15 Punkten obenaus. In den fünf Disziplinen bei den Herren K7 siegte Boris d’Angelo von der Turnfabrik.

Am Samstag konnten vor allem die jüngsten Teilnehmenden bestaunt werden. Sie brachten wohl die treuesten Fans mit, die sich ein Bild über den Leistungsstand ihrer Sprösslinge machen wollten. Dass die Kleinen eine Rolle vorwärts spielend ausführen können, wozu bekanntlich ein Grossteil der Altersgenossen kaum in der Lage sein soll, war indessen nicht überraschend. Ob am Boden, an den Schaukel­ringen oder mit Sprüngen über das Trampolin, die Leichtigkeit der Ausführungen schien die Betrachter zu verblüffen. Strahlende Kinderaugen und ein Lächeln ­waren weit häufiger zu sehen als enttäuschte Gesichter.

Die Älteren massen sich auch an den Königsgeräten Reck und Barren, streng beobachtet und bewertet von zwei Wettkampfrichtern. Die Notenskala reichte wie gewohnt von 1 bis 10. Weil es sich um den ersten Qualifikationswettkampf zur Teilnahme an der Schweizer Meisterschaft handelte, erhielt die Benotung ­einen entscheidenden Einfluss. So waren die 100 Augen der rund 50 im Einsatz gestandenen Wettkampfrichter stark gefordert. Die Maximalnote 10 konnte allerdings nicht vergeben werden. Ihr am Reck mit 9,85 am nächsten kam Boris d’Angelo. Die Teil­nehmer fokussierten sich auf die bestmögliche Ausführung ihrer Übungen gemäss ihrem Leistungsvermögen und zeigten dabei viel Freude und Einsatz. Das allseitige Lob von Betreuern und mitgehendem Anhang war ihnen gewiss. Ob jemand in die steinigen Fussstapfen von EM-Sieger Pablo Brägger treten wird, bleibt abzuwarten.

Drei Heimsiege für den STV Affeltrangen

Am Schluss der zweitägigen Grossveranstaltung zog Thomas Meier, OK-Präsident des fünf­köpfigen Teams aus dem Turnverein Affeltrangen, ein positives Fazit: «Wir profitierten hier in Aadorf von der hervorragenden Infrastruktur, der schönen Halle und Umgebung. Die grösste logistische Herausforderung war es, genügend Verpflegung bis zum Schluss bereitzuhalten. Schliesslich wussten wir nicht, was für Wetter uns erwarten ­würde», sagte der in Aadorf wohnhafte Thomas Meier. Dass der organisierende Turnverein STV Affeltrangen gleich drei Heimsiege sozusagen «auswärts» landete, war für ihn eine besondere Freude: Nils Bertschinger (K2) und Robin Lüthi (K6) zierten die Ranglisten zuoberst. Das veranlasste den 40-jährigen OK-Präsidenten, es ihnen in der Kategorie KH gleichzutun.

Dass nach einem Winter­einbruch die Sonne an den beiden Tagen vom Himmel lachte, war für den Veranstalter in der Tat ein Glücksfall. So konnten sich die vielen Wettkämpfer und das Publikum im Freien aufhalten und draussen die Verpflegung geniessen, was im Inneren der Turnhalle bei dieser hohen Besucherzahl doch problematisch geworden wäre.