AADORF: Grosses Interesse an Tabuthema

Die neu gegründete Kommission Gesellschaft und Gesundheit hat am Montagabend einen Vortrag zum Thema Vorsorgeauftrag organisiert. Der Anlass war weitaus besser besucht als im Vorfeld erwartet.

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Wenn ein Vortrag rund 350 Leute anlockt, muss es sich um eine brisante Thematik handeln. Dies zeigte sich am vergangenen ­Montagabend, als die 200 Stühle bei weitem nicht ausreichten. Ein ­gutes Drittel musste auf der ­Estrade Platz nehmen. Veran­stalter war die neu gegründete Kommission Gesellschaft und Gesundheit mit Gemeinderätin ­Sabina Peter Köstli als Ressort­verant­wortliche und Amtsleiterin ­Manuela Fritschi. Letztere orientierte über das Bestattungs­wesen, der Notar und Grund­buch­ver­walter Andreas Brüh­wiler referierte zu Themen wie Patienten­verfügung, Vorsorgeauftrag und Testament.

Kürzlich war aus den Medien zu erfahren, dass nur jeder Fünfte eine Patientenverfügung und gar nur jeder Zehnte einen Vorsorgeauftrag erteilt. Diese beiden Instrumente sind im Erwachsenenschutzgesetz verankert, das 2013 in Kraft trat. Sie sollen sicherstellen, das eigene Schicksal zu bestimmen, auch wenn man sich selbst nicht mehr äussern kann. Sonst entscheiden die Behörden und nicht die Angehörigen. Wohl mit ein Grund, sich eingehender mit der Thematik auseinander zu setzen.

Eine Vollmacht ist sofort gültig und wird an bevollmächtigte Person zur Aufbewahrung übergeben, jedoch ist sie untauglich für Rege­lungen. Nachdem Andreas Brühwiler über dieses Thema referiert hatte, wandte er sich dem Vorsorge­auftrag zu. Dazu muss man urteilsfähig sein und diese handschriftlich von A bis Z erstellen, mit Ort, Datum und Unterschrift versehen. Aufbewahren kann man diesen Auftrag zu Hause, bei der Kesb oder dem Zivilstandsregister. Ähnliches gelte für die Patientenverfügung, die regelt, was für Massnahmen im Notfall getroffen werden sollen. Dieses Instrument soll zudem leicht auffindbar sein, eventuell als Kopie auch beim Hausarzt liegen. Schliesslich galt die Aufmerksamkeit noch dem Tes­tament, wofür eine indivi­duelle Ausgestaltung empfohlen wird, aber keine Bestattungs­wünsche enthalten sollen. Eine Vermischung der aufgezeigten Instrumente sei zu vermeiden. Hätte sich der Referent eines konkreten Fallbeispiels bedient, so hätte die spannende – aber eher trockene Materie – wohl an Anschaulichkeit gewonnen.

Bestattung in Aadorf

Zum Bestattungswesen orientierte Gemeindeschreiberin Manuela Fritschi. Erdbestattung, Urnenbestattung, Urnenwand und anonymes Gemeinschaftsgrab sind ungefähr die Möglichkeiten. Bestattungswünsche sind am besten bei der Gemeinde zu deponieren und bei einem Wegzug mitzunehmen. Derzeit wird im katholischen wie auch im evangelischen Friedhof ein Gemeinschaftsgrab geprüft. Die Drehscheibe «Alter» stehe für Beratungen, Hilfestellungen und Auskünfte zur Verfügung.

Auch wenn der Abend manche Zuhörerinnen und Zuhörer zum Nachdenken brachte und einmal mehr vor Augen führte, dass Leben und Ableben nahe beieinander sind, hielt man sich mit persön­lichen Fragestellungen zurück. Bei einem Apéro riche, offeriert von der Gemeinde, kehrte nach dem ernsten Thema der Alltag wieder ein. Möglicherweise blieb aber doch der tiefsinnige Vorsatz ­haften: «Verschiebe nicht auf morgen, was du heute kannst besorgen.»

Kurt Lichtensteiger

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

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