AADORF: Erschwerte Bedingungen

An ihre diesjährige Abendunterhaltung hatte die Musikgesellschaft Aadorf den Countrysänger Marco Gottardi eingeladen. Die ungewöhnliche Mischung von Blasmusik und Westernsound kam beim Publikum gut an.

Rudolf Steiner
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Countrymusiker Marco Gottardi auf der Bühne mit der Musikgesellschaft Aadorf. Der Sänger hatte sich bei einem Unfall an beiden Händen verletzt. (Bild: Rudolf Steiner)

Countrymusiker Marco Gottardi auf der Bühne mit der Musikgesellschaft Aadorf. Der Sänger hatte sich bei einem Unfall an beiden Händen verletzt. (Bild: Rudolf Steiner)

AADORF. So etwas gab es noch nie an den Unterhaltungsshows der Musikgesellschaft (MG) Aadorf. Dass dieses spezielle Programm zustande kam, dafür waren einige Musikanten und Dirigent Marco Frischknecht verantwortlich. Frischknecht war bis 2009 neben der MG Aadorf auch Dirigent beim Musikverein Harmonie Wetzikon, dem Wohnort des Countrymusikers Marco Gottardi. Und vor zwei Jahren traten sie am Frühlingskonzert erstmals zusammen mit Marco Gottardi auf. Und weil das sowohl beim Publikum als auch bei den Musikanten und bei Gottardi ausserordentlich gut ankam, entschloss man sich für eine Wiederholung am Unterhaltungsabend in Aadorf in diesem Jahr. So wurden die Besucher bereits beim Betreten des Saals vom «Countryfeeling» gepackt: Überall wehten US-Flaggen, und die Bühne glich mit den Strohballen eher einem Pferdestall, zur authentischen Ambiance fehlten nur noch die wiehernden Pferde.

Nachwuchs gibt Zugabe

Den Anpfiff gaben die zwölf Jungmusikanten mit den beiden Stücken «Let me entertain you» und «Kickoff». Für ihren beeindruckenden Auftritt wurden sie vom Publikum bereits zur ersten Zugabe geklatscht, was sie mit dem Ohrwurm «Let's Twist again» bravourös einlösten. Dann holten die 38 Musikanten der MG Aadorf tief Luft, um für das beinahe zweistündige Konzert mit insgesamt elf Stücken und zwei Zugaben genügend Puste zu haben. Dirigent Marco Frischknecht brachte sich in Position, und los ging es mit dem kraftvollen Marsch «Fast forward». Überzeugend präsentierten Musikkorps und Dirigent in bunter Folge mit «Queen in Concert» eine Hommage an die britische Rockband Queen, zu der das Publikum bereits ein erstesmal begeistert mit Händen und Füssen den Takt mitging. «The Blues Brothers Revue» leitete über zum Höhepunkt des ersten Programmteils: dem monumentalen Stück «Festa paesana». Die festliche Komposition des Holländers Jacob de Haan ist zugleich das anforderungsreiche Selbstwahlstück der MG Aadorf am Eidgenössischen Musikfest im Juni in Montreux. Die Musikanten spielten begeisternd.

Lädierter Special Guest

Zwar waren die angebotenen Countrymenus in der Festwirtschaft bereits ausverkauft, dafür gab's in der zweiten Hälfte umso mehr Countrymusik mit Special Guest Marco Gottardi. Von einem Arbeitsunfalls sichtlich mitgenommen – nein, er sei nicht vom Pferd gefallen, sondern habe sich beim Holzspalten an beiden Händen verletzt –, trat er auf die Bühne und konnte das Mikrophon nur mit Mühe halten. Glücklicherweise blieben die Stimmbänder beim Unfall unversehrt, so dass Gottardi bei Countryklassikern wie «Take me home» oder «Achy Breaky Heart», stimmlich sein Volumen voll ausschöpfen konnte. «Trotz des Handicaps kam mein Auftritt beim Publikum bestens an», sagte Gottardi nach dem Konzert.

«Etwas ungewohnt sind einzelne Stücke schon gewesen», sagte der im Laufe des Abend als langjähriger Präsident geehrte 79jährige Arthur Frischknecht. «Aber wenn man sie 50mal gespielt hat, gewöhnt man sich auch an sie.» Das war sein letzter Unterhaltungsabend als Präsident, denn nach 27 Jahren als Präsident wird am Mittwoch mit Anita Matter voraussichtlich seine Nachfolgerin gewählt