AADORF: Einmal Opel, immer Opel

Das Opel-Team Bockmandli besteht aus acht eingefleischten Fans. Eine andere Automarke kommt für sie nicht in Frage. Neue Mitglieder hingegen sind erwünscht.

Evi Biedermann
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Astra, Rekord, Manta und GT – fünf Jahrzehnte Rüsselsheimer Automobilgeschichte stehen aufgereiht. (Bild: PD)

Astra, Rekord, Manta und GT – fünf Jahrzehnte Rüsselsheimer Automobilgeschichte stehen aufgereiht. (Bild: PD)

Einmal im Monat trifft sich das Opel-Team Bockmandli in Guntershausen am Stammtisch. Wider Erwarten ist an diesem Winterabend der Parkplatz des Restaurants Lupos Bahnhöfli nicht mit Opel-Modellen übersät. Nur gerade drei finden sich unter den zwölf parkierten Autos: Insigna, Astra und Meriva. Wo sind die Oldies? Ein Manta, ein Kadett oder ein GT, die Kultautos früherer Jahre? «Die lassen wir zu Hause», tönt es postwendend aus der Runde. Für den Alltag müsse ein «Gewöhnlicher» genügen, ergänzt Marco Zellweger. «Selbstverständlich auch ein Opel.»

Er gibt sich als Manta-Fahrer zu erkennen, sein Modell hat Jahrgang 1987. Warum ein Manta? «Es ist ein Opel», sagt Zellweger lapidar und bringt damit alle zum Lachen. Fünf Männer und zwei Frauen sind heute am Stammtisch. Und das ist schon fast der ganze Verein. Alles eingefleischte Opel-Fans, zwischen 27 und 44 Jahre alt, die nie ein anderes Auto besessen haben. Ausser einem, der kehrte aber nach einem Intermezzo mit einem Japaner wieder zurück. Aus Überzeugung, wie er bekräftigt.

«Wir waren jung und vernarrt in unsere Autos»

Den kleinen Verein Opel-Team Bockmandli gibt es seit 1995. «In guten Zeiten hatten wir 18 Mitglieder», erzählt Gründungsmitglied Dodo Graf. Gerne würde man ein paar mehr haben. «Junge Opel-Fans, die frischen Wind in die Gemeinschaft bringen.» Der Vereinsname führt auf den Rüetschbergpass zurück, ein kurviges Strassenstück, das die Thurgauer Gemeinden Ettenhausen und Bichelsee-Balterswil miteinander verbindet. Früher habe man den Pass auch Bockmandli genannt, erklärt Marco Zellweger. Eine ideale Strecke für junge Männer, die ihr Auto ausfahren wollten. Erleben, wie es sich anfühlt, im nachgerüsteten und aufgemotzten Vehikel durch die Gegend zu steuern. Und dabei zeigen, was man hat. Bei diesen Spritzfahrten kam dann die Idee, einen Verein zu gründen. «Wir waren eine Clique von jun-gen Opel-Fahrern, vernarrt in unsere Autos», erinnert sich Graf. Dieses Gefühl wollte man in einem Verein festigen und fortan nach aussen tragen. Die Leidenschaft für ihre Autos sei nach wie vor vorhanden, versichert Präsident Rudolf Brunner. «Heute jedoch nehmen wir es ruhiger.»

Ein wichtiger Teil im Vereinsleben sind die Treffen mit anderen Opel-Clubs im In- und Ausland. Zum Fachsimpeln und um auswärtige Kollegen zu treffen. Und natürlich, um das eigene Fahrzeug zu präsentieren. Die schönsten drei je Kategorie werden jeweils prämiert. Nicht jedes Gespräch aber dreht sich ums Auto. «Über die Jahre hinweg sind Freundschaften entstanden», sagt der Präsident. Wie im Verein selber auch. Das gemeinsame Hobby verbinde. «Wir haben es auch privat gut zusammen.» So besuchen die Opela-ner reglmässig Anlässe wie den Genfer Autosalon, die Tuning World Bodensee, das Truckertreffen Interlaken und die Historische Verkehrsschau Altenrhein. Jeder Ausflug wird in einem grossen Fotobuch dokumentiert. Der Club beteiligt sich auch am Dorfleben. «Wenn es passt, führen wir bei öffentlichen Anlässen eine Festbeiz», sagt Kadett-Fahrer Dodo Graf.

Zurück zum Manta-Besitzer, der Manta fährt, weil es ein Opel ist. Was ist denn so speziell an einem Opel? Die Runde verstummt, Blicke treffen sich. Eine schwierige Frage. Schon der Vater habe einen Opel gehabt, sagen die einen. Bei den anderen war es das erste eigene Auto. Zu einem erschwinglichen Preis, wie Rudolf Brunner sagt. Und ganz wichtig: «Zusatzteile zum Aufmöbeln gab es damals fast nur bei Opel und VW.»

In den Autos steckt zum Teil viel Geld. Bis zu 60000 Franken, je nach Ansprüchen des Besitzers. Auch Zeit und Leidenschaft, bis es so war, wie man es haben wollte. Das gibt man nicht einfach so auf. Auch wenn das Auto nur selten gefahren wird. Lieber schafft man sich ein alltagstüchtiges Zweitauto an, selbstverständlich wieder ein Opel.

Evi Biedermann

hinterthurgau

@thurgauerzeitung.ch