AADORF: Die Blütezeit ist vorbei

Einsprachen, Widerstände und ungeklärte Finanzierung – die Gründe für die Gastrobrachen im Dorf sind vielfältig.

Kurt Lichtensteiger
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Das «Barone» im alten Aadorfer Dorfkern ist seit dem Brand im Januar 2016 eine Ruine. (Bilder: Kurt Lichtensteiger)

Das «Barone» im alten Aadorfer Dorfkern ist seit dem Brand im Januar 2016 eine Ruine. (Bilder: Kurt Lichtensteiger)

Kurt Lichtensteiger

hinterthurgau

@thurgauerzeitung.ch

Eine Visitenkarte für das Dorf sind die drei Gebäude allesamt nicht mehr. Sei es der ehemalige «Neuhof», später als Kontaktbar Venus bekannt geworden, das Gasthaus Linde oder der einstige «Falken», als Pizzeria Barone seit dem Brand im Januar 2016 nur noch in seinen Grundmauern stehend.

Um die Mitte des letzten Jahrhunderts, als der Bahnbau für einen Aufschwung im Dorf sorgte, gelangten diese Gastrobetriebe zur raschen Blüte.

Heute ist davon nicht mehr viel zu sehen oder zu spüren. Im Volksmund reichen die Bezeichnungen von Anstössigkeit bis zu Schandmal, was dann doch etwas übertrieben scheint. Etwas nüchterner betrachtet: Die drei Gebäude haben eine Gemeinsamkeit, nämlich die ungewisse Zukunft. Kämen endlich Steine ins Rollen, würde dies dem Dorfbild sicher nicht zum Schaden gereichen.

Fall liegt beim Verwaltungsgericht

Die «Venus», als Gebäude zwischen der Abzweigung nach Ettenhausen und Guntershausen stehend, wäre schon längst zurückgebaut worden, hätte der im Wallis wohnhafte Anstösser nicht immer wieder Einsprachen gemacht. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs sind nämlich vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 44 Zweieinhalb- und Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen projektiert. Als Bauherr tritt die Kantonale Gebäudeversicherung auf. Eine erste Einsprache gegen den Gestaltungsplan wurde von der Gemeinde abgelehnt. Nach einem Rekurs gegen diesen Entscheid liegt der Ball nun beim Verwaltungsgericht des Kantons. Eine gültige Baubewilligung liegt indessen erst vor, wenn auch diese Einsprache rechtsgültig aus dem Weg geräumt worden ist.

Und was passiert mit der «Linde» an der Bahnhofstrasse? Eine Frage, die sich in Aadorf gar manche stellen. Bekannt ist lediglich, dass Pächterin Ursula Lüthi die Verlängerung des bis August 2018 laufenden Pachtvertrages nach fünfjähriger Dauer unter den gegebenen Umständen offen lassen möchte. Nach erfolgreichem Wirken käme eine Vertragsauflösung doch etwas überraschend. Das Gasthaus, dessen Fassade zumindest ein Face-Lifting nötig hätte, ist im Besitze der Cadina AG. Der als Rumpelkammer genutzte Saal gehört hingegen der Gemeinde.

Kolportiert wird, dass sich die Bürgergemeinde mit dem Gedanken beschäftige, das angebaute Saalgebäude in Alterswohnungen umzuwandeln. Knackpunkt hierfür ist dabei eine längst anstehende Grenzbereinigung mit dem Eigentümer der westlich gelegenen Wohn- und Gewerbeliegenschaft. Aber auch Ideen im Hinblick auf ein Gesamtkonzept mit Einbezug der SBB sind nicht vom Tisch.

Zwei Projekte für das «Barone»

Kein schöner Anblick ist schliesslich auch der ehemalige «Falken», später als Pizzeria Barone weit herum bekannt. Dem Betrachter präsentiert sich eine Brandruine, die schlecht ins Bild des eben neugestalteten historischen Kirchplatzes passt.

Gemäss Auskunft von Besitzer Enver Iashari liegen zwei Projekte bei der Gemeinde, nur als Wohnhaus oder als Wohnhaus mit Restaurant konzipiert. Weitere Abklärungen beträfen auch deren Finanzierung und die Parkplatzsituation, liess Eigentümer Iashari durchblicken.

Es ist davon auszugehen, dass bis auf weiteres mit einem Status quo zu rechnen ist. Es tut sich also vorderhand in den drei angesprochenen Liegenschaften nicht allzu viel, zumal die Mühlen bekanntlich langsam mahlen.