AADORF: Der alte Hänkiturm beginnt zu klingen

Ein Wochenende lang Musik: Das bot der Verein Hänkiturm-Classics. Die vier Konzerte waren so erfolgreich, dass im historischen Bau bestimmt weitere folgen werden.

Kurt Lichtensteiger
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Am Freitag im Hänkiturm: das Glauser-Quintett mit «Gourrama». (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Am Freitag im Hänkiturm: das Glauser-Quintett mit «Gourrama». (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Von der Frauenfelderstrasse führt ein mit Schlaglöchern durchsetzter Fahrweg zum gesuchten Aufführungsort. Der nördlich des Sulzerhofes im Jahre 1847 erbaute Hänkiturm, der einst als Warm- und Lufthänge der Rotfärberei gedient hatte, ist vor sechs Jahren restauriert worden. Auf dem Erdgeschoss und zwei Stockwerken befinden sich diverse Ateliers. Glanzstück ist zweifellos der Dachstuhl mit eleganter Dachkonstruktion und ausgefeilter Tag- und Nachtbeleuchtung. Die einzigartige Atmosphäre macht den Raum, abgenommen für 99 Personen, vielfältig nutzbar.

Doch so richtig wahrgenommen wurde der geschichtsträchtige Ort von der Bevölkerung nicht, auch wenn dort in letzter Zeit einige Konzerte für Bewegung gesorgt haben.

Von Freitagabend bis Sonntagmittag

Musik soll es in nächster Zeit vermehrt geben, auf Initiative einer Gruppe musikaffiner Aadorferinnen und Aadorfer. Mit der Gründung des Vereins Hänkiturm-Classics wird angetönt, dass ihr Akzent im Bereich der klassischen Musik liegt. Dabei wird der Begriff so weit wie möglich ausgelegt: Bewährtes und Beliebtes soll ebenso Platz finden wie Freude am Entdecken von neuen Wegen, hiess es. Mit vier Konzerten über das vergangene Wochenende hinterliess die Premiere einen leicht zwiespältigen Eindruck. Den Anfang machte am Freitagabend das Glauser Quintett mit seiner Produktion «Gourrama». Bei der atmosphärisch dichten Schilderung des Legionsalltags ging es Friedrich Glauser, der in der marokkanischen Wüste als Fremdenlegionär stationiert war, um die Frage, was der Mensch ist und was ihn umtreibt. Nach dem 75-minütigen Auftritt waren unter den rund 60 Zuhörern mehrheitlich positive Stimmen zu vernehmen, doch es gab auch enttäuschte Gesichter. Während Batak Nemati aus Winterthur die von Musik begleitete Rezitation als mitreissend und einmalig bezeichnete und gerne noch weiter zuhören wollte, drückten Vereinzelte ihr Missfallen aus. Vielleicht, weil besonders in den hinteren Reihen der Sprecher nicht leicht zu fassen war, zumal sich Ton und Sprache bisweilen überschnitten. Kam dazu, dass vereinzelte Stuhllehnen quietschten, was nicht zur Dramaturgie gehörte, die der Musik beileibe nicht abzusprechen war. Jedenfalls haben die Organisatoren eine Portion Mut bewiesen, mit moderner klassischer Musik das Publikum fürs Erste gehörig herauszufordern.

Was am Samstag folgte, schien dem allgemeinen Publikumsgeschmack eher zu entsprechen. Am Nachmittag wurde bei einem Gratiskonzert Talenten der Musikschule Aadorf eine Plattform geboten. Dicht gedrängt die Reihen auch am Abend bei Olivia Geiser & Friends. Die Ettenhauserin schien ihr Heimspiel zu geniessen und gab mit Cornelia Weiss ein Klavierkonzert vom Feinsten. Ergänzt mit der Violinistin Noelle Grüebler bot das Trio einen kammermusikalischen Bilderbogen durch die Jahrhunderte, etwa mit Mozart, Schubert und Milhaud. Den Schlusspunkt war dem Duo ArPan reserviert, das bei seiner Sonntagsmatinée sanfte Töne mit Panflöte und Harfe erklingen liess.