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AADORF: Auf der Suche nach dem Lebensweg

Sarah Oliveira ist seit Geburt stark sehbehindert. Fürs neue Jahr wünscht sich die 17-Jährige mehr Selbstständigkeit, einen Ausbildungsplatz, mehr Sport und vorurteilsfreie Begegnungen.
Kurt Lichtensteiger
Die sehbehinderte Sarah Oliveira zeigt ihre Sporttrophäen. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Die sehbehinderte Sarah Oliveira zeigt ihre Sporttrophäen. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Kurt Lichtensteiger

hinterthurgau

@thurgauerzeitung.ch

«Manchmal wünschte ich mir, dass mich insbesondere Gleichaltrige nicht vorschnell nach ihrem ersten Eindruck beurteilen», sagt Sarah Oliveira – und zwinkert mit halb geschlossenen Augen durch ihre Brille. Mit etwas mehr Empathie würden Fremde feststellen, dass sie einer jungen Frau mit Selbstbewusstsein und erstaunlichem Optimismus gegenüberstehen. Und dies trotz einer Einschränkung, mit der sie seit Geburt fertig werden muss.

Sie hat keine Iris, die als Blende die unterschiedliche Lichteinstrahlung reguliert. Daher resultiert das Zittern der Augenlider. Dazu kommt noch der Graue Star, der sich in einem weissen Punkt äussert. «Es ist eine äusserst seltene, angeborene Sehbehinderung, die erst nach etwa vier Monaten vom Augenarzt diagnostiziert worden war und die Sehkraft auf etwa 8 Prozent reduziert», sagt Mutter Karin Oliveira. Sie habe bald einmal geahnt, dass bei ihrer Tochter etwas mit den Augen nicht stimmen konnte, ehe dann im Spital die Bestätigung gekommen sei. Nach einer anfänglich schwierigen Zeit hat die Familie mit zur Hälfte portugiesischen Wurzeln das Schicksal angenommen und wahrlich das Beste daraus gemacht.

Schwierige Berufsfindung

Im vierten Monat ihres jungen Lebens setzte bereits zu Hause in der Aadorfer Friedau die Früherziehung durch eine Fachperson für Blinde und Sehbehinderte ein. Dank dieser konnte Sarah die Spielgruppe und während zwei Jahren den Waldkindergarten besuchen. Weil nach dem Vorschulalter ein Besuch der öffentlichen Schule nicht angezeigt war, brachte ein Taxi das Kind – zusammen mit wenigen Klassenkameraden aus der Region – in eine Tagesschule für Blinde und Sehbehinderte nach Zürich-Altstetten. Dort wurde Sarah neben dem Unterricht in den üblichen schulischen Fächern einer Normalschule auf die besonderen Alltagsherausforderungen für Behinderte vorbereitet. So im Bereich der Mobilität, dem Einsatz von Hilfsmitteln wie Monokular und Computer.

Mit elf Jahren war Sarah so selbstständig, dass sie den Schulweg nach Zürich mit der Bahn allein bewältigen konnte. Die Invalidenversicherung gewährte dabei Unterstützung und leistet diese weiterhin. So auch für eine berufliche Ausbildung, die Sarah nach neun Schuljahren im Stift Höfli in Stammheim begann. Die Lehre als Betriebsköchin musste sie allerdings abbrechen, weil das Tempo im Vergleich zu Nichtsehbehinderten ein Hindernis darstellte.

Untätig sein will die junge Frau aber nicht. Als Zwischenlösung arbeitet sie nun drei Tage in der Woche hinter dem Buffet im Café Zentrum in Winterthur. Dort ist ihre Mutter schon seit 24 Jahren tätig. Mit 18 Jahren wird Sarah eine halbe IV-Rente zugesprochen und Aussicht auf eine Weiterbildung erhalten, womit die Zwischenlösung beendet sein dürfte. «Die Zukunftsperspektiven sind nicht schlecht, obwohl ich noch nicht genau weiss, welchen Weg ich einschlagen werde», sagt die Aadorferin.

Sportliche Erfolge

Schon als Kind wollte Sarah alles selber machen. Bewegungsmässig liess sie sich nicht einschränken. Ob Skifahren, Schlittschuh oder Rollschuh, kaum etwas hinderte sie. Während ihr Bruder Miguel Fussball spielte und heute als 20-Jähriger im Fanionteam des SC Aadorf zum hoffnungsvollen Nachwuchs zählt, konzentrierte sich Sarah auf den Torball-Sport. Dabei müssen drei Spieler den Ball akustisch wahrnehmen und abwehren, danach unter einem Seil hindurch auf die Gegenseite werfen. In diesem Teamsport lernte sie an den Turnieren nicht nur viele Schicksalsgenossen kennen, sondern reifte auch menschlich. Dank ihrem guten Positionsgefühl brachte sie es nahe an die Junioren-Nationalmannschaft U14 und U20. Vor einigen Jahren wechselte sie von Zürich nach Amriswil. Weil ihr der Aufwand mit den langen Reisen zu Trainings und Turnieren etwas zu umständlich schien, reduzierte sie allerdings die Anstrengungen. Das Erlebnis an einem internationalen Turnier in Nizza ist aber so nachhaltig, dass für die junge Sportlerin das Ende der Karriere noch nicht endgültig besiegelt zu sein scheint.

Beruflich und sportlich befindet sie sich derzeit in einer Reflexionsphase. Zweifellos wird die 17-Jährige ihren Weg machen, auf der einen oder anderen oder sogar auf beiden Ebenen. Zu wünschen ist es der sympathischen Aadorferin.

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