750 Franken sind genug

FRAUENFELD. Die Sozialhilfe für junge Erwachsene wird um 20 Prozent auf 789 Franken pro Monat gekürzt. So sehen es die neuen Skos-Richtlinien vor. Im Thurgau erhalten junge Erwachsene bereits heute in der Regel nur 750 Franken Sozialhilfe.

Michèle Vaterlaus
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Junge Erwachsene müssen ab kommendem Jahr mit 20 Prozent weniger Sozialhilfe leben. Diese Kürzung haben die kantonalen Sozialhilfedirektoren (SODK) am Montag beschlossen. Die Ansätze für junge Erwachsene unter 25 Jahren mit eigenem Haushalt sinken von heute 986 auf 789 Franken. Im Thurgau beziehen junge Erwachsene bereits heute weniger Sozialhilfe. Sie kommen auf einen Beitrag von 750 Franken.

Konsequenzen unklar

«Das kommt daher, dass die meisten nicht unterstützten jungen Erwachsenen nicht alleine, sondern noch bei ihren Eltern oder in Wohngemeinschaften wohnen», sagt Florentina Wohnlich, Leiterin des Thurgauer Sozialamtes. Viele seien wirtschaftlich noch nie selbständig gewesen und würden zu Hause leben. Es sei darum wichtig, dass junge Sozialhilfebezüger nicht bessergestellt sind als Junge ohne Sozialhilfe. Der Ansatz von 750 Franken beziehe sich auf die Hälfte eines Zweipersonenhaushaltes.

«Es kann aber auch im Thurgau sein, dass ein junger Erwachsener, der Sozialhilfe bezieht, mehr als diese 750 Franken bekommt», erklärt Wohnlich weiter. Dies sei denkbar, wenn jemand schon wirtschaftlich selbständig war, alleine gelebt hat und ohne eigenes Verschulden den Job verloren hat. «Dann kann es sein, dass die Person 986 Franken Sozialhilfe pro Monat bekommt.» Diese Praxis werde von der Schweizerischen Sozialhilfekonferenz (Skos) empfohlen und sei auch in anderen Kantonen üblich. Wie hoch die Gesamtleistungen im kommenden Jahr sein werden, sei noch offen. «Wir wissen noch nicht, welche Auswirkungen die neue Regelung haben wird», sagt Wohnlich. «Wir werden die Sozialhilfeverordnung anpassen müssen, ob dies bis Ende 2015 möglich ist, das ist noch offen.» Im Jahr 2014 bezogen im Thurgau 558 junge Erwachsene Sozialhilfe, das sind 12,5 Prozent aller Sozialhilfebezüger und 2 Prozent bezogen auf die ganze Thurgauer Bevölkerung. Ursprünglich hatte die Skos vorgesehen, die Leistungen um 15 Prozent zu kürzen. Die 20 Prozent gehen auf einen Antrag der Ostschweizer Kantone. «Wir haben den Antrag auf Erhöhung der Kürzung von 15 auf 20 Prozent gestellt, um ein Zeichen zu setzen», sagt Marianne Lienhard, Präsidentin der SODK Ostschweiz. Man wolle einen Anreiz schaffen, dass sich junge Sozialhilfebezüger um Arbeit bemühen, bei ihren Eltern oder in einer WG leben.

Thema im Grossen Rat

Das dürfte den SVP-Kantonsräten Erwin Imhof (Bottighofen) und Stephan Tobler (Egnach) entgegenkommen. In einer Interpellation, die im letzten August im Grossen Rat diskutiert wurde, monierten sie, dass die Skos-Ansätze zu hoch seien und der Anreiz, eine Arbeit aufzunehmen, oft gar nicht mehr bestehe.