70 Notschlafplätze geschaffen

KREUZLINGEN. Die Zahl der Asylgesuche ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Die Durchgangsheime im Thurgau sind übervoll. Nun hat der Bund in Kreuzlingen 70 Notschlafstellen eingerichtet.

Kurt Peter
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Zivilschutzanlage Fohrenhölzli: Bis zu 70 Asylbewerber können hier schlafen. (Bild: Kurt Peter)

Zivilschutzanlage Fohrenhölzli: Bis zu 70 Asylbewerber können hier schlafen. (Bild: Kurt Peter)

Das Empfangszentrum in Kreuzlingen sei «gut gefüllt», sagt Jonas Montani, Pressesprecher beim Bundesamt für Migration (BFM). Aber das Zentrum sei nicht überfüllt, hält er gleichzeitig fest.

Im August wurden landesweit 1600 Asylgesuche gestellt, im Jahr zuvor waren es im gleichen Monat 773. Um die Kantone zu entlasten, wurden in der Zivilschutzanlage Fohrenhölzli in Kreuzlingen 70 Notschlafstellen eingerichtet. Die Massnahme sei eine möglichst kurzfristige Übergangslösung, betont Montani. Das Bundesamt schätzt, dass bis Jahresende zwischen 12 000 und 13 500 Asylgesuche gestellt werden. Laut Montani eine «weiterhin sehr tiefe Zahl verglichen mit früheren Jahren mit bis zu 20 000 Gesuchen».

Zulassungsstop verlangt

Auswirkungen hat die gestiegene Zahl der Asylbewerber auf die Durchgangsheime im Thurgau, die von der Peregrina-Stiftung betrieben werden. 144 Betten stehen zur Verfügung, über 200 Asylsuchende sind derzeit untergebracht. Florentina Wohnlich, die Chefin des kantonalen Fürsorgeamtes, hat angesichts der Überbelegung beim Bund einen vorläufigen Zuweisungsstop für den Kanton Thurgau verlangt. Die Reaktion aus Bern: «Kurzfristig zurückhaltend bei der Zuweisung.»

Viel mehr Zuweisungen

Der Kanton Thurgau sei unverhältnismässig hoch belastet, so Florentina Wohnlich. Während der Bund in den Vorjahren 30 bis 50 Asylbewerber dem Kanton zugeteilt habe, seien es im ersten Halbjahr 2008 117 Personen gewesen. Damit hätten die Zuweisungen um 300 bis 400 Prozent zugenommen.

Bis Anfang Jahr habe der Thurgau als Standortkanton des Empfangszentrums profitiert, so Wohnlich. Asylsuchende, die zurückgeschickt wurden, seien im Verteilschlüssel berücksichtigt worden, obwohl sie physisch gar nie erschienen seien.

Kapazitäten heruntergefahren

Die deutlich niedrigere Zahl an Asylbewerbern in den vergangenen Jahren habe im Kanton zu einem massiven Abbau der Strukturen geführt. Vier Aussenstellen der Durchgangsheime wurden geschlossen, die Hälfte des Personals abgebaut.

Es sei unmöglich, die Infrastruktur und das nötige Personal innerhalb kurzer Zeit wieder hochzufahren, so Florentina Wohnlich. Die Situation sei angespannt, umschreibt die Chefin des kantonalen Fürsorgeamtes die Lage. Sie hoffe, dass der Bund auf die besondere Lage des Kantons Thurgau Rücksicht nehme, so Wohnlich.

Florentina Wohnlich (Bild: pd)

Florentina Wohnlich (Bild: pd)

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