63 Millionen für «Zug-Autobahn»

Die SBB wollen zwischen 2017 und 2019 Gleise und Bahnhöfe zwischen Winterthur und Weinfelden auf Vordermann bringen. Zwischen Islikon und Hüttlingen gibt es für 62,6 Millionen Franken neue Gleise, Perrons und Lärmschutz.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Wie am Bahnhof Wila, aber mit Billettautomat: So werden die neuen Unterstände an den Bahnhöfen Islikon und Felben-Wellhausen aussehen. (Bild: pd)

Wie am Bahnhof Wila, aber mit Billettautomat: So werden die neuen Unterstände an den Bahnhöfen Islikon und Felben-Wellhausen aussehen. (Bild: pd)

Von einer Hauptstrasse zu einer Autobahn: So vergleicht SBB-Mediensprecherin Lea Meyer die Ausbaupläne der Bahninfrastruktur im unteren Thurtal. «Die Fernverkehrszüge im Thurgau werden künftig schneller verkehren, weshalb wir diverse Komponenten der Infrastruktur aufwerten müssen», sagt Meyer. Derzeit liegen die SBB-Pläne in den Gemeinden Gachnang, Felben-Wellhausen und in der Stadt Frauenfeld öffentlich auf. Auf den Modulabschnitten A und B, also von der Kantonsgrenze über Gachnang, Frauenfeld, Felben-Wellhausen bis Hüttlingen, sind Investitionen in der Höhe von 62,6 Millionen Franken geplant.

Die Ausbauten sollen voraussichtlich Anfang 2017 beginnen. Das sagt der zuständige SBB-Projektleiter Stefan Windmüller. Bis Ende 2018 können die neuen Gleise, Perrons und Kundencenter in Betrieb genommen werden. Bis Ende 2019 werden noch einige «nichtangebotsrelevante» Anlagen erstellt.

Züge fahren trotzdem pünktlich

Laut Windmüller sollen die Arbeiten möglichst am Tag durchgeführt werden. Dies bedingt einen Einspurbetrieb auf den Umbauabschnitten. Einzelne Arbeiten können aus betrieblichen Gründen jedoch nur nachts durchgeführt werden. Die Nachtverbindungen von Freitag- und Samstagnacht werden nicht beeinträchtigt. «Die Züge verkehren und sie fahren auch pünktlich.» Im schlimmsten Fall würde in einzelnen Nächten unter der Woche der letzte Schnellzug ab Winterthur bis Weinfelden durch einen Busbetrieb ersetzt. Anschlüsse sollen aber gewährleistet bleiben. Über Ersatzbusbetriebe informieren die SBB frühzeitig.

Sieben Kilometer neue Gleise

Die besagten Modulabschnitte A und B messen gesamthaft knapp 18 Kilometer. Sieben Kilometer Gleise und Gleisunterbau werden saniert. «Durch die höheren Geschwindigkeiten wirken grössere Kräfte auf die Gleise, was eine Erneuerung notwendig macht», erklärt Windmüller. Weiter gibt es an zwei Bahnhöfen Perronarbeiten. In Islikon wird der bestehende nördliche Perron durch einen neuen ersetzt. Der Perron Süd wird auf 90 Meter Länge angepasst und durch eine Wenderampe ergänzt, die einen stufenfreien Zugang zum Perron ermöglicht. In Felben-Wellhausen wird der bestehende Mittelperron abgebrochen. Neu entstehen zwei Aussenperrons, natürlich mit barrierefreiem Zugang.

Wie es seitens SBB-Medienstelle heisst, stehen die Perronarbeiten im Zusammenhang mit dem Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes, das diese baulichen Massnahmen bis spätestens 2023 verlangt. Gebaut werden P55-Perrons, bei denen die Perronoberkante 55 Zentimeter über der Schienenoberkante liegt, was den barrierefreien Zugang ermöglicht.

Schneller und lauter

In Islikon und Felben-Wellhausen gibt es je einen neuen Unterstand (siehe Bild). Der standardisierte Glas-Metall-Bau bietet Sitzmöglichkeiten, verfügt über Fahrplantafeln und einen Billettautomaten. Der Bau ist auf drei Seiten windgeschützt.

Weiter müssen die SBB von Gesetzes wegen an zwei Orten Lärmschutzwände erstellen. Dies ergaben Berechnungen im Rahmen des Auflageprojekts. Einerseits ist in Frauenfeld an der Wannenfeldstrasse bis knapp vor die Häberlinstrasse-Brücke 810 Meter Lärmschutz geplant. Auch auf Höhe des Bahnhofs Felben-Wellhausen sind Lärmschutzwände nötig, 200 Meter auf der Nordseite der Gleise und 150 Meter im Süden. Und schliesslich machen es der Aufbau des neues Gleiskörpers und die technischen Reglemente nötig, dass die Fussgänger- und Velounterführung am Haselweg in Frauenfeld abgesenkt wird. Die Durchfahrtshöhe der Unterführung bleibt gleich.