5000 Unterschriften gegen den Lehrplan

FRAUENFELD. Das Stimmvolk soll entscheiden. Das Komitee gegen den Lehrplan 21 reicht die nötigen Unterschriften für eine Initiative ein. Mit einer Gesetzesänderung will es den neuen Lehrplan verhindern und dem Regierungsrat künftig die Kompetenz dafür entziehen.

Silvan Meile
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Silvana Tschudi, Leiterin der Regierungskanzlei, übernahm gestern von Komitee-Co-Präsident Felix Huwiler sechs Ordner mit Unterschriften. (Bild: Reto Martin)

Silvana Tschudi, Leiterin der Regierungskanzlei, übernahm gestern von Komitee-Co-Präsident Felix Huwiler sechs Ordner mit Unterschriften. (Bild: Reto Martin)

Felix Huwiler will den Thurgauer Regierungsrat am Alleingang hindern, wie er sagt. Der Sprecher und Co-Präsident des Komitees «Ja zu einer guten Thurgauer Volksschule» nimmt vor dem Regierungsgebäude in Frauenfeld sechs Ordner aus den mitgebrachten Schülertheks. 5000 beglaubigte Unterschriften, 1000 mehr als nötig, habe sein Komitee gesammelt, damit der Grosse Rat – und später wohl das Thurgauer Stimmvolk – über den Inhalt des kantonalen Lehrplans entscheiden kann. Kein gutes Haar lässt Huwiler am Lehrplan 21, während er einen Ordner aus dem mit einem Fell überzogenen Schülerthek herauszieht: «Die Lehrer müssen Kompetenzen haben, nicht die Kinder.»

Kompetenz an Grossen Rat

In Form von Kompetenzen – es sind über 4000 – beschreibt der Lehrplan 21, was die Kinder in den 21 deutschsprachigen Kantonen bis zum Ende der Schulzeit wissen und können müssen. Die für den Thurgau angepasste Version soll per 1. August 2017 für den Kindergarten bis auf die 1. Sekundarstufe umgesetzt werden. Diesen Auftrag erteilte Erziehungsdirektorin Monika Knill im August an die Schulgemeinden.

Die gestern eingereichte Volksinitiative will aber, dass gemäss Volksschulgesetz künftig nicht mehr der Regierungsrat, sondern der Grosse Rat die Lehrpläne verabschiedet. So soll auch eine Abstimmung über den Lehrplan 21 erreicht und dieser dadurch noch abgelehnt werden. Rund zwanzig Kommissionsmitglieder, darunter auch SVP-Nationalrätin Verena Herzog, übergaben gestern die Unterschriften an Silvana Tschudi, Leiterin der Regierungskanzlei.

An Jahrmärkten gesammelt

Vor lauter Kompetenzen würden die Schüler die allernötigsten Grundlagen nicht mehr beherrschen, so die Kritik der Lehrplangegner. Zu oft höre er schon heute von Oberstufenlehrern und Lehrmeistern, dass Jugendliche etwa weder richtiges Deutsch noch Kopfrechnen können, sagt Huwiler: «Richtig lesen, schreiben und rechnen sollen die Kinder können, und es soll Wert auf Handarbeit und Hauswirtschaft gelegt werden», statt dass die Kinder auf sich selbst gestellt lernen müssten.

«Das gemeinsame Lernen fällt weg, weil der Lehrer lediglich das Material bereitstellt und jeder Schüler sich im wesentlichen den Stoff selber erarbeiten muss», schreibt das Komitee in einer Medienmitteilung als Fundamentalkritik am Lehrplan 21. «Wir sind aber der Meinung, dass der Lehrer zum Unterrichten da ist und die Eltern in der Erziehung unterstützt», sagt Huwiler, so wie es im Volksschulgesetz unter Paragraph zwei stehe.

Ein Leichtes sei es gewesen, an die nötigen Unterschriften zu kommen, sagt Huwiler. Alleine an den Jahrmärkten in Amriswil und Fischingen oder an der Wega seien jeweils mehrere hundert Unterschriften zusammengekommen. Auch viele Lehrer würden hinter dem Komitee stehen, sich aber aus Angst vor ihrer Stelle nicht öffentlich äussern. Einige seien gar von Vorgesetzten unter Druck gesetzt worden, falls sie ein kritisches Wort gegen den Lehrplan 21 aussprechen sollten. «Viele Lehrer sind froh um unser Engagement, sie haben genug von den ewigen Revisionen.»

Nun erwarten er und seine Mitstreiter, dass der Regierungsrat sich der demokratischen Diskussion stelle. Der Boden dafür sei mit dieser Initiative gelegt. «Ich hoffe nur, dass die Initiative nicht mit der Begründung von übergeordnetem Recht als ungültig erklärt wird», sagt Huwiler. Er weiss, dass dies kürzlich der Kulturland-Initiative widerfuhr.