3300 Demente, 16 Tagesplätze

WEINFELDEN. Auch der Thurgau ist herausgefordert, vermehrt Angebote für die Tagesbetreuung von Dementen anzubieten.

Christof Lampart
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Laut Heidi Schänzle-Geiger muss im Thurgau noch viel für Demente und ihre Angehörigen getan werden. (Bild: Christof Lampart)

Laut Heidi Schänzle-Geiger muss im Thurgau noch viel für Demente und ihre Angehörigen getan werden. (Bild: Christof Lampart)

Am Mittwochabend lud die Regionalfachkommission Thurgau des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachpersonen (SBK) zur Informationsveranstaltung «Demenz ist so individuell wie der Mensch selbst» ein, die von über 50 Personen in Weinfelden besucht wurde.

«Bedauernswerte Haltung»

Im November 2013 verabschiedete der Bund die Nationale Demenzstrategie 2014– 2017, die seitdem von den Kantonen mal mehr, mal weniger umgesetzt wird. Der Thurgau gehört ganz klar zur zweiten Kategorie, entschied doch dessen Regierung, dass er sich nicht an dieser nationalen Demenzstrategie beteiligen wolle.

Aus der Sicht der Alzheimerstiftung Thurgau sei dies eine «sehr bedauernswerte Haltung», erklärte die Psychologin und therapeutische Leiterin der Memory Klinik U1, Heidi Schänzle-Geiger. Denn nicht nur die Zahl der dementen Menschen, sondern auch die Komplexität der Fälle nehme fortlaufend zu – was eine nationale Demenzstrategie und eine interkantonale Vernetzung unumgänglich mache. Sind es schweizweit gegenwärtig an die 140 000 Betroffene, so werden es, gemäss heutiger Berechnung, 2050 bereits mehr als 310 000 sein.

Zu wenige Plätze im Thurgau

Laut Pflegefachmann Mathias Trempa, Bischofszell, sollte eine landesweite umgesetzte Demenzstrategie eine nachhaltige Sensibilisierung der Öffentlichkeit zu diesem Thema bewirken; ähnlich, wie das in den letzten Jahren im Falle der Palliativ Care vonstatten ging. Und schliesslich erhoffe man sich durch die interkantonale Zusammenarbeit, dass die Leistungen in der Betreuung von Menschen mit Demenz besser koordiniert werden können.

Generell, so Schänzle-Geiger, sei das qualitative Angebot im Thurgau in Sachen Dementenpflege sehr gut, das quantitative Angebot jedoch zugleich total ungenügend. Ein Beispiel dazu: Im Thurgau gibt es gegenwärtig rund 3300 Menschen mit Demenz – und jährlich kommen 700 neue Fälle hinzu. 1650 dieser Dementen – also mehr als die Hälfte – wohnen gegenwärtig noch zu Hause. Umso frappierender sei es, dass es im ganzen Thurgau nur gerade 16 Tagesplätze gäbe, mit denen die Angehörigen des Demenzkranken ab und an ein wenig entlastet werden könnten: acht in Frauenfeld und je vier in Romanshorn und Amriswil. Dabei seien gerade jene kurzen Auszeiten von der sehr anstrengenden Pflege sehr wichtig. Denn ohne diese erkrankten pflegende Angehörige von Dementen viel häufiger und schwerer als andere Menschen. Als besonders mühsam werteten die Pflegenden – in dieser abnehmenden Reihenfolge – die Organisation des Alltags, das Verhalten der kranken Person und die finanzielle Belastung.

Gute Diagnosemöglichkeiten

Hingegen sei die Situation im Thurgau gut, wenn es darum geht, das Vorhandensein einer Demenz abzuklären. Auch laufen gegenwärtig im Thurgau Bemühungen, dass Demente adäquat in Akutspitälern behandelt werden können. Und schliesslich gibt es von verschiedenen Seiten Bestrebungen, dass der Thurgau doch noch eine kleine Demenzstrategie umsetze.

Zumindest sind, laut Schänzle-Geiger, drei Teilprojekte im Geriatriebereich am Laufen, die auf die Aspekte Angehörige, Grundversorgung und spezialisierte Angebote fokussierten. Doch auch dies könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass «ich mir wünschte, dass wir im Thurgau in dieser Frage schon weiter wären», so Schänzle-Geiger.

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