330 Unterschriften für die Zukunft

Gestern gründeten die 13 Hinterthurgauer Gemeinden einen Verein als Trägerschaft für die Berufsbeistandschaft. Diese übernimmt mit der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde ab Januar die Aufgaben der Amtsvormundschaft.

Philipp Haag
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Mit blauem Kugelschreiber: Die Gemeindeammänner und Gemeindeschreiber unterzeichnen den Vertrag. (Bild: Mario Testa)

Mit blauem Kugelschreiber: Die Gemeindeammänner und Gemeindeschreiber unterzeichnen den Vertrag. (Bild: Mario Testa)

SIRNACH. Zu 26igt sassen sie gestern morgen an einem langen Tisch im Dreitannensaal in Sirnach: Die 13 Gemeindeammänner aus dem Hinterthurgau, flankiert von ihren Gemeindeschreibern. In der Hand hielten sie einen Kugelschreiber, vor sich hatten sie ein Dokument liegen, den Vertrag zur gemeinsamen Führung einer Regionalen Berufsbeistandschaft. In jede der 13 Vereinbarungs-Dossiers setzten sie ihre Unterschrift. Damit besiegelten sie die Gründung des Vereins als Trägerschaft für die Regionale Berufsbeistandschaft oder «schrieben ein Stück Geschichte», wie Gastgeber Kurt Baumann, Gemeindeammann von Sirnach, bemerkte.

Bleibt Aufgabe der Gemeinden

Ab dem neuen Jahr liegt das Vormundschaftswesen nur noch teilweise in der Verantwortung der Gemeinden. Die Regionale Berufsbeistandschaft, welche Aufgabe der Gemeinden ist, übernimmt die Aufgaben der heutigen Amtsvormundschaft. Sie ist der im Auftrag des Kantons bezirksweise organisierten Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) unterstellt, welche in die Jugendstilvilla an der Wilerstrasse 19 in Sirnach einzieht. Die Kesb, geführt von Katrin Schwarz, heute Leiterin des regionalen Vormundschaftssekretariats in Sirnach, prüft Gefährdungsmeldungen von Personen, die beispielsweise von Schulen oder Sozialdiensten eingehen, nimmt Abklärungen vor und beschliesst über die Errichtung einer Beistandschaft. Um die Klienten kümmern sich dann die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berufsbeistandschaft mit Büros im Gemeindezentrum von Aadorf und demjenigen von Sirnach.

Das Budget 2013 der Berufsbeistandschaft beträgt gemäss Baumann um die 900 000 Franken. Die Kosten tragen die 13 Gemeinden, aufgeteilt nach einem speziell erstellten Schlüssel. So werden 50 Prozent gemäss der Einwohnerzahl der Gemeinden verteilt, die andere Hälfte nach der Anzahl Fälle an die Gemeinden weiterverrechnet. Baumann rechnet mit rund 500 Mandaten. Dies entspricht in etwa der heutigen Anzahl in den Gemeinden. Die Berufsbeistandschaft ist mit einem Etat von 10 bis 11 Vollzeitstellen ausgestattet, verteilt auf 15 bis 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Derzeit werden die Verträge mit dem Personal ausgearbeitet. Noch nicht entschieden ist, wer die Berufsbeistandschaft führt (siehe Kasten).

Baumann ist erster Präsident

Präsidiert wird der Verein «Regionale Berufsbeistandschaft der Gemeinden des Bezirks Münchwilen» von Baumann. Den Vorstand komplettieren Guido Grütter, Gemeindeammann Münchwilen, Bruno Lüscher, Gemeindeammann Aadorf, David Zimmermann, Gemeindeammann Braunau, und Isabelle Denzler, Gemeinderätin Eschlikon, welche ebenso einstimmig gewählt wurden wie die Statuten angenommen.