30 Jahre Bildung für kognitiv Beeinträchtigte

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Thurgau Ursprungsidee des Bildungsklubs war es, Erwachsenen mit geistiger Behinderung den Zugang zur Erwachsenenbildung zu ermöglichen und sie damit zu befähigen, an gesamtgesellschaftlichen Prozessen teilzunehmen. Im Thurgau besteht der Bildungsklub seit 30 Jahren. Er ist heute eine Erwachsenenbildungsinstitution für Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung oder besonderem Unterstützungsbedarf. Der Trägerverein, die Thurgauische Arbeitsgruppe für Behinderte (TAB) hat seinen Sitz in Weinfelden.

An verschiedenen Orten im Kanton bietet der Bildungsklub Thurgau vielfältige Kurse zu erwachsenenbildnerisch relevanten Themen an. Im Jahresprogramm 2017 sind dies 23 Kurse. Gemäss Leitbild lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Leben bewusster zu gestalten, leichter mit Veränderungen umgehen zu können und teilzuhaben an gesellschaftlichen Prozessen. Fach- und Lehrkräfte aus den Bereichen Heil- oder Sonderpädagogik und/oder Erwachsenenbildung leiten die Kurse. Sie berücksichtigen in kleinen Kursgruppen die Voraussetzungen und Bedürfnisse der Einzelnen. Die Teilnehmenden bestimmen Inhalte und Arbeitsweisen mit.

Ein seit fünf Jahren begehrtes Angebot ist der Kurs «Unterwegs», der an acht Abenden und zwei Samstagnachmittagen stattfindet. Die Kursgruppe findet Reiseziele mit Bus, Bahn, Postauto oder Schiff in der Umgebung heraus und bereitet gemeinsam die Reisen vor. Die Teilnehmenden kaufen am Automaten oder am Schalter Billette. Sie lesen Fahrpläne und orientieren sich an Haltestellen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Jubiläumsjahr fand ein Kursabend als offenes Angebot für Interessierte statt. Zwei Mitarbeiter der Thurbo AG ermöglichten den Teilnehmenden und ihren Begleitpersonen im Bahnhof Romanshorn eine spannende Zugbesichtigung. Im und am Zug gibt es allerlei, das hilft, gut unterwegs zu sein. Was kann ich tun, damit die Thurbo-Türe etwas länger offen bleibt, weil ich mehr Zeit brauche zum Einsteigen? Wie erkennen blinde Menschen, dass die Toilette besetzt ist? Was passiert, wenn ich den SOS-Knopf drücke? Für einmal durfte dies getestet werden. Zur grossen Freude kam die Antwort aus dem Führerstand dann oft von den eigenen Kolleginnen und Kollegen. Als Höhepunkt der Zugbesichtigung durften die Teilnehmenden nämlich im Führerstand Platz nehmen und in die Rolle des Lokführers schlüpfen. (red)

www.tab-thurgau.ch