254 Zutaten für ein Menu

«Clowns und Kalorien» verlassen dieser Tage das Winterlager in Wagenhausen. Am 19. Juli ist Premiere des neuen Programms in Neuhausen. Marion Gasser setzt mit ihrer Familie auf das bewährte Konzept.

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Sohn Domino freut sich über den Aufbruch. Vater Frithjof zieht mit dem Traktor einen Wagen auf die Strasse. (Bild: Nana do Carmo)

Sohn Domino freut sich über den Aufbruch. Vater Frithjof zieht mit dem Traktor einen Wagen auf die Strasse. (Bild: Nana do Carmo)

Frau Gasser, Sie brechen in diesen Tagen das Winterlager in Wagenhausen ab und fahren nach Neuhausen, wo am 19. Juli die erste Vorstellung beginnt. Warum so früh schon?

Marion Gasser: Das ist gar nicht früh. Ab Dienstag beginnen die Proben.

Können die Artisten ihr Programm noch nicht?

Gasser: Doch, aber wir müssen koordinieren, wir haben ein eigenes Orchester, auf das wir uns abstimmen, einige Artisten werden gemeinsame Nummern einstudieren, die hatten vorher noch nichts miteinander zu tun, und dann gibt es noch mehrere Darbietungen, in denen alle zusammen auftreten. Das muss ebenfalls einstudiert werden.

Für das Publikum ist es wunderbar, sich von den Künstlern bedienen zu lassen. Sind Stars nicht manchmal schwierig, dass sie sich zu gut sind für solche Arbeiten?

Gasser: Das passierte uns nur einmal mit einer Artistin. Sie ist nicht lange geblieben. Für die Künstler ist es auch eine wunderbare Chance, schon beim Apéro das Publikum kennenzulernen. Wenn sie dann auf der Bühne stehen, hat man die Zuschauer schon gewonnen.

Was ist im neuen Programm an Highlights zu erwarten?

Gasser: Wir arbeiten nicht mit grossen Namen oder Stars. Das Gesamtkonzept, das wir vor 14 Jahren entworfen haben, ist seither immer gleich geblieben: ein Mix aus Artistik und Komik. Aber es ist alles wieder neu: das Bühnenprogramm, das Menu, die Präsentation, die Dekoration. Begonnen hatten wir zu fünft, dieses Jahr sind wir 32 Personen. Das Konzept bleibt gleich, aber der Aufwand wurde immer grösser.

Von den Künstlern kennt man immer auch einige vom vorherigen Jahr. Freut sich das Publikum darüber oder wünscht es mehr Abwechslung?

Gasser: Auch hier muss der Mix stimmen. Wenn ein Publikumsliebling plötzlich nicht mehr da ist, wächst ein neuer heran. Und den einen Zuschauern gefällt dieser mehr, den andern jener.

Das merkt ja nur jemand, der zum treuen Publikum gehört. Haben Sie mehr Stammgäste, oder wechselt das Publikum immer wieder von Jahr zu Jahr?

Gasser: Wir haben ein enormes Stammpublikum, etwa 70 Prozent. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda kommen auch immer neue dazu.

Sie haben vorher vom Beginn mit fünf Personen gesprochen. Wachsen Sie noch immer weiter?

Gasser: Nein, seit etwa zwei Jahren sind wir auf einem Niveau angelangt, wo wir zufrieden sind. Wir könnten ein grösseres Zelt aufstellen, aber damit würden wir unseren speziellen Charme verlieren. Wir könnten auch mehr Artisten einstellen, aber wir haben festgestellt, dass ein Artist pro zehn Gäste ein gutes Verhältnis ist, um das Publikum optimal bedienen zu können.

Das Programm ist in Neuhausen, Chur, Schaan und Winterthur das gleiche. Das ist aber bei saisonaler Küche nicht möglich.

Gasser: Das ist so. Auf meiner Einkaufsliste stehen für den Anfang 254 Zutaten. Diese filtrierten sich aus 100 000 Ideen. Eine Paprikasuppe kann im Lauf des Jahres zu einer Tomatensuppe werden, eine Gemüseterrine erhält im Lauf der Zeit andere Zutaten. Und vor allem in Winterthur wird das Menu ändern. Im Winter gibt es kein Sommergemüse, sondern etwas Schwereres.

Sie wollen nicht mehr weiterwachsen. Geht es Jahr für Jahr einfach so weiter?

Gasser: Wir denken schon gelegentlich ans Aufhören respektive ans Zurücktreten ins zweite Glied. Mein Mann Frithjof wird in fünf Jahren 60. Dann könnten die Kinder übernehmen. Mein ältester Sohn Domino ist jetzt 26. Der jüngere Sohn Merlin lernt Koch in der Fischerzunft Schaffhausen, der wird mal besser sein als ich, und Tochter Ginger-Vanilla macht nun das KV.

Interview: Caspar Hesse

Marion Gasser (Bild: Caspar Hesse)

Marion Gasser (Bild: Caspar Hesse)