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1799 die Österreicher, nun die Asiaten geschlagen

Ostasiatische Falter auf dem botanischen Schlachtfeld, deren Raupen äusserst gefrässig daherkommen, sind das eine, Österreich ist das andere. Man will es sich nicht ausmalen müssen.
Mathias Frei
Das General-Weber-Denkmal: links die Gedenkplatte, rechts der Eisenkranz. (Bild: Mathias Frei)

Das General-Weber-Denkmal: links die Gedenkplatte, rechts der Eisenkranz. (Bild: Mathias Frei)

Ostasiatische Falter auf dem botanischen Schlachtfeld, deren Raupen äusserst gefrässig daherkommen, sind das eine, Österreich ist das andere. Man will es sich nicht ausmalen müssen. Würde es bei den Kantonsratswahlen stets einen zweiten Wahlgang geben? Würde man nebst dem Wiener Schmäh auch vom Pfyner Schmäh sprechen? Würden unsere Regierungsrätinnen einfach nur noch Sissi heissen? Wäre Vorarlberg nicht mehr das westlichste Bundesland, sondern Vor-Vorarlberg-Thurgau? Wäre Anders Stokholm Bürgermeister der Landeshauptstadt? Würde man in den Frauenfelder Beisln und Kaffeehäusern weisse Spritzer und kleine Braune trinken? Würde und wäre, nein, das will man sich wirklich nicht ausmalen. Zum Glück haben die französischen Reserven von General Nicolas Soult am 25. Mai 1799 abends um 19 Uhr die österreichische Linie durchbrochen. Die österreichischen Truppen unter General Franz Petrasch konnten sich nicht behaupten. Sie zogen sich nach Matzingen zurück.

So endete im Zweiten Koalitionskrieg das Gefecht von Frauenfeld an jenem Maiabend 1799. Die Franzosen zogen am Tag darauf auch ab. Die Kämpfe waren verlustreich gewesen. Auf französischer Seite fiel auch Generaladjutant Johann Weber – durch Schüsse eines Tiroler Schützens. General Augustin Keller, Befehlshaber der helvetischen Truppen, war am Vortag des Gefechts abgesetzt worden. Weber sollte dessen Nachfolge antreten, die Beförderung war aber noch nicht nach Frauenfeld durchgedrungen. Weber wurde beim Vorausreiten angeschossen. Seine Leute brachten ihn in die Stadt. Es war aber keine ärztliche Hilfe aufzutreiben. So verblutete Weber, starb den Heldentod, im Nichtwissen um seine Beförderung.

Deshalb spricht man heute auch von General Weber. Die General-Weber-Strasse, das General-Weber-Gedenkschiessen. Weber, so hiess es, sei eine ungewöhnlich stattliche, männlich schöne Erscheinung mit allen Anlagen zum Feldherrn gewesen. Das schreit förmlich nach einem Denkmal, dem General-Weber-Denkmal – dort, wo die Rosenbergstrasse in die Thundorferstrasse mündet, eine Querstrasse unter der General-Weber-Strasse. Das Denkmal wurde 1834 gestiftet. Eine Gedenkplatte aus Granit für Weber, «ausgezeichnet in seinem ganzen Leben durch Rechtschaffenheit, Vaterlandsliebe, Tapferkeit und kriegerische Einsicht», wie es dort heisst. Daneben ein eiserner Kranz, den die Bürgergemeinde 1999 dort anbringen liess, «im Gedenken an die Opfer des Gefechts». Und da harrten nun Kranz und Gedenkplatte der Dinge, die da kommen mochten. Bis der invasive Buchsbaumzünsler kam – wie anno dazumal die Österreicher – und perfide Angriffe auf die Buchsbaumsträucher startete, die das Denkmal umgeben.

2007 wurde der ostasiatische Eindringling erstmals in der Schweiz registriert. Die Larven der Zünsler fressen Blätter und Rinde der Buchsbaumsträucher. Schnell ward die Generalmobilmachung ausgerufen. Erstmals grosse Frassschäden in der Schweiz gab es vor fünf Jahren. Seit 2012 gibt es zur biologischen Bekämpfung den Bacillus thuringiensis, der als Spritzmittel Delfin angewendet wird. Auch die Frauenfelder Stadtgärtnerei benutzt Delfin.

Das Frassgift, das nur gegen die Raupen wirkt, kam heuer oft zur Anwendung. «2016 ist ein gutes Jahr für den Buchsbaumzünsler», sagt Andreas Weber, Bereichsleiter Stadtgärtnerei. Der Befall in Frauenfeld sei relativ ausgeprägt gewesen. Auch bei den Buchsbäumen am General-Weber-Denkmal. Auf ein befalls-armes Jahr könne im kommenden Jahr viel Befall folgen, sagt Weber. Die feindlichen Truppen ruhen sich vor dem nächsten Angriff aus. Heuer wurde schon mehrmals um das Denkmal gespritzt, zuletzt im August. Delfin wird relativ schnell abgebaut. «Hat man am einen Tag gespritzt, sitzen vielleicht schon am nächsten Tag wieder Falter an den Blättern.» Das heisst: Man müsste die Buchsbäume regelmässig absuchen und Delfin spritzen. Schwierig ist das, weil man sehr genau hinsehen muss. Sind die Schäden offensichtlich, ist es meist schon zu spät.

«Das Problem ist, dass die Buchsbaumzünsler in Mitteleuropa keinen natürlichen Feind haben», erklärt Stadtgärtner Weber. Weil die Raupen die giftigen Buchsblätter fressen, haben sie von Vögeln nichts zu befürchten. Nur General Johann Weber stellt sich den ostasiatischen Angriffen. Er hätte auf seinem Pferd gewiss heroisch die gegnerischen Reihen durchbrochen. General Weber kann nicht verlieren. Aber bei der Stadtgärtnerei hat man beschlossen, dass die Buchsbäume um das Denkmal bei Gelegenheit entfernt werden. Dem General wird die posthume Heldenruhe gewährt. Hinfort mit dem ew'gen Kriegen.

Bild: MARIO TESTA

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