1741 Jahre in der Erde

Bei Sondierungen auf einem Privatgrundstück legten Archäologen des Kantons Fundstücke aus der Römerzeit frei. Diese weisen auf einen grösseren Gutshof hin.

Amy Douglas
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Archäologen untersuchen das Privatgrundstück in Weingarten nach Zeugnissen römischer Präsenz im Hinterthurgau. Die Grabungsstelle ist inzwischen wieder aufgefüllt.

Archäologen untersuchen das Privatgrundstück in Weingarten nach Zeugnissen römischer Präsenz im Hinterthurgau. Die Grabungsstelle ist inzwischen wieder aufgefüllt.

Er kam, grub und siegte: Grabungstechniker Thomas Keiser stiess bei Sondierungen auf einem Privatgrund in Weingarten bei Lommis auf archäologische Fundstücke aus der Römerzeit. Neben Gefässscherben, Dachziegeln und Eisenobjekten kamen mehrere römische Münzen aus dem dritten und vierten Jahrhundert nach Christus zum Vorschein.

Grund für die Sondierungen, die durch das Thurgauer Amt für Archäologie vorgenommen wurden, sind frühere Funde: Der untere Tobelhof in Weingarten befindet sich seither in einer Zone archäologischer Funde (ZAF). Weil Familie Stadler, die Besitzerin des Grundstücks, einen Pouletmaststall bauen will, wurde nun die zu überbauende Fläche untersucht.

«Viel römischer geht's nicht»

Unter den aktuellen Funden befinden sich Scherben von sogenannten Terra-Sigillata-Gefässen. Das Tafelgeschirr der Römer weist den typischen rötlichen Glanztonüberzug auf. «Viel römischer geht es nicht», sagt Thomas Keiser über dessen Optik. Besonders aussergewöhnlich sei der Fund aber nicht. Die Scherben finde man laut Keiser sogar am häufigsten: «Keramik überdauert am längsten und bleibt im Vergleich zu anderen Materialien über die Jahrhunderte gut erhalten.»

Das Tafelgeschirr wurde in grossen Produktionsstätten in Gallien hergestellt und war stets der jeweiligen Mode unterworfen. Dies ermöglicht heute eine relativ genaue Zeiteinordnung. Bei den Münzen liefert die Prägung Datierungshilfe.

Neben Gefässkeramik fanden die Archäologen auch Baukeramik: Dachziegel und Hohlziegel – sogenannte Tubuli. Letztere waren Bestandteile römischer Warmluftheizungen. Die Ausgrabung brachte des Weiteren eine grosse Anzahl an Eisenschlacken und Eisennägeln hervor. «Eisenschlacke entsteht bei der Verarbeitung von Eisen», sagt Thomas Keiser. Schon frühere Einblicke in den Boden lieferten ähnliche Funde. Beim Bau einer Gasleitung im Jahr 1994 und beim Bau eines Viehstalls im Jahr 2009 fand man Eisenobjekte und Rückstände der Eisenverarbeitung. Es sind Hinweise auf handwerkliche Tätigkeiten. «Wir vermuten, dass das untersuchte Gebiet im Bereich eines römischen Gutshofes, einer Villa Rustica liegt», sagt Thomas Kaiser. Die Vermutung wurde schon früher geäussert. Sie stützt sich auf die Gesamtheit der Funde in Kombination mit einer idealen Lage. Die sanfte, gegen Süden ausgerichtete Hanglage und das weit überblickbare Gelände seien optimale topographische Eigenschaften für einen römischen Gutshof. In ihrer Grösse ist eine Villa Rustica mit einer kleinen Ansiedelung vergleichbar.

«Es sind jedoch lediglich Vermutungen», sagt Keiser. Es sei nichts bewiesen. Eindeutige Baustrukturen, die die Vermutung bestätigt hätten und wesentliche Auskunft über den Gutshof hätten geben können, sind nicht vorhanden.

Fundstücke sind der Öffentlichkeit zugänglich

Die freigelegte Fläche wurde denn auch wieder zugeschüttet, damit Familie Stadler das Land ungehindert benützen kann. «Wir haben erfahren, was es zu erfahren gab», sagt Thomas Keiser. Die Fundstücke seien nun im Amt für Archäologie archiviert und werden später genauer analysiert. Solche Funde bleiben meist auf dem Amt, nur ein Bruchteil von ihnen wird in Museen ausgestellt. Interessierte können die Fundstücke trotzdem anschauen. «Sie sind auch bei uns der Öffentlichkeit zugänglich», sagt Keiser.

Zwei der gefundenen Münzen: Die Linke datieren die Kantonsarchäologen nach 275 nach Christus, die Rechte im 4. Jahrhundert. (Bilder: PD/Amt für Archäologie Thurgau)

Zwei der gefundenen Münzen: Die Linke datieren die Kantonsarchäologen nach 275 nach Christus, die Rechte im 4. Jahrhundert. (Bilder: PD/Amt für Archäologie Thurgau)