168 Jobs in Gefahr

FRAUENFELD. Das international tätige Medizinaltechnikunternehmen Medtronic beabsichtigt, die Medtronic-Invatec in Frauenfeld per Sommer 2014 zu schliessen.

Mathias Frei
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Der Markt war, so scheint es, zu schnelllebig für die Medtronic-Invatec in Frauenfeld, trotz «innovative technologies». (Bild: Nana do Carmo)

Der Markt war, so scheint es, zu schnelllebig für die Medtronic-Invatec in Frauenfeld, trotz «innovative technologies». (Bild: Nana do Carmo)

Auf die vorgestern kommunizierte Betriebsschliessung von Müller Martini in Felben folgt die nächste Hiobsbotschaft. Denn wie gestern bekannt wurde, will das Medizinaltechnikunternehmen Medtronic die Tochterfirma Medtronic-Invatec im Hungerbühl im Westen Frauenfelds per Ende Juli 2014 aufgeben. 168 Arbeitsplätze sind gefährdet. Sie sollen gestaffelt abgebaut werden.

Gemäss Eric Gasser, Mediensprecher von Medtronic, wurden vorgestern die 168 Angestellten in Frauenfeld über die Absichten der Konzernleitung informiert. «Noch ist nichts definitiv», sagt Gasser. Die Konsultationsfrist dauert bis 26. Juli. Bis dann können die Angestellten Lösungen zur Rettung des Standorts Frauenfeld einbringen. Realistisch betrachtet ist der Entscheid zuungunsten Frauenfelds schon gefallen. Denn Gasser sagt: «Medtronic hat in den vergangenen Monaten verschiedene Szenarien durchgespielt und auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft.» Dabei sei man zum Schluss gekommen, dass die Standortaufgabe der einzige Ausweg sei.

Allzu schnelllebiger Markt

Eric Gasser begründet den Entscheid mit dem äusserst schnelllebigen Medizinaltechnik-Markt. Eine Innovation jage die andere. Und in den letzten zwei Jahren seien einerseits neue Produkte auf den Markt gekommen, andererseits neue Konkurrenten aufgetaucht. «Der Plan, den wir für Frauenfeld hatten, liess sich nicht realisieren.» Noch vor zwei Jahren habe die Medtronic-Kalkulation Sinn gemacht.

Im Jahr 2010 wurde die in Frauenfeld beheimatete Firma Invatec von Medtronic akquiriert. Invatec war spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von Produkten zur Behandlung von Gefässerkrankungen, nämlich Gefässstützen (Stents) und Ballonkatheter für die Beingefässe. Für die Medtronic bedeutete die Übernahme eine willkommene Erweiterung ihres Portfolios. Die Auslagerung von zwei Produktelinien 2011 machte aber eine Restrukturierung auf 168 Stellen notwendig. Medtronics Ziele für Frauenfeld waren aber weiterhin hochgesteckt. Stents aus einer Nickel-Titan-Legierung sollten in Frauenfeld entwickelt werden.

Erstaunen und Schockzustand

Allerorten zeigt man sich überrascht über den Schliessungsentscheid. Erich Kramer, Sekretär der Unia Thurgau, hatte gestern noch keine Kenntnis von diesem massiven Stellenabbau. Nun gelte es, die betroffenen Arbeitnehmer zu kontaktieren, um sie schon während der Konsultationsfrist bestmöglich zu unterstützen. Aber leider sei es heutzutage so, dass bei weltweit 45 000 Angestellten 168 Einzelschicksale kaum mehr der Rede wert seien.

«Ich bin schockiert, dass die Unternehmung nun überraschend schliessen soll und so viele Angestellte betroffen sind», erklärte Frauenfelds Stadtammann Carlo Parolari gestern auf Anfrage. Denn die Firma Invatec sei seit 2004 in Frauenfeld ansässig und als innovatives Unternehmen im Medizinalbereich erfolgreich unterwegs gewesen.