16 Völker müssen dran glauben

Christian Grob hat im August sein grösstes Hobby aufgegeben. Denn der Bieneninspektor stellte bei einem von Grobs Bienenvölker in Matzingen Faulbrut fest. Dass Grob gleich alle Völker vernichten musste, hat sein Herz gebrochen.

Ralf Rüthemann
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Der Frust sitzt tief: Christian Grob steht vor seinen leeren Bienenhäusern in Matzingen. (Bild: Ralf Rüthemann)

Der Frust sitzt tief: Christian Grob steht vor seinen leeren Bienenhäusern in Matzingen. (Bild: Ralf Rüthemann)

MATZINGEN. Der 78jährige Wattwiler Christian Grob schlendert um seine Bienenhäuser direkt hinter der alten Weberei Matzingen. Er kann es kaum fassen, dass die einst so belebten Rillen in den Holzhäuschen jetzt einfach leergeräumt sind. Das war nämlich das Revier seiner 16 Bienenvölker, die er 45 Jahre lang bewirtschaftet hatte. Bis er anfangs August die Krankheit Sauerbrut bei einem Bienenvolk entdeckte und dies dem Veterinäramt Thurgau meldete. Eine Untersuchung im Zentrum für Labormedizin St. Gallen hat dann ergeben, dass die Waben auch von der bösartigen Faulbrut befallen sind. Deswegen forderte das Veterinäramt Thurgau Christian Grob in einer Verfügung auf, alle 16 Bienenvölker und Waben, ob krank oder gesund, zu vernichten.

Kritik richtet sich an den Bund

«Mir war bis vor kurzem noch nie ein Fall bekannt, bei dem die Waben von der Sauerbrut und gleichzeitig auch von der Faulbrut befallen waren», sagt Christian Grob. Er selber war über 20 Jahre Bieneninspektor im Toggenburg und 16 Jahre leitender Bieneninspektor in St. Gallen. «Bei Fällen von Sauer- oder Faulbrut verlangten wir in St. Gallen lediglich die Vernichtung des befallenen Volkes und nicht gleich die Ausrottung aller umliegenden Bienenvölker», sagt Grob. Das kann der aktuelle Leiter der St. Galler Bieneninspektoren, Hans Sonderegger, bestätigen: «Erst wenn die Hälfte der Völker an Faulbrut erkrankt ist, müssen in St. Gallen auch die anderen Bienenvölker in der unmittelbaren Umgebung vernichtet werden.»

Bei Grob sitzt der Frust über den Verlust seiner gelbschwarzen Lebensgefährten tief. Seine Kritik richtet sich vor allem an das Bundesamt für Veterinärwesen. Denn die Eidgenössische Tierseuchenverordnung lässt es dem jeweiligen Kantonstierarzt offen, bei Faulbrut entweder alle umliegenden oder nur die akut befallenen Bienenvölker zu vernichten. «Es sollte eine einheitliche Regelung für alle Kantone geben. Sonst entscheidet jeder Kantonstierarzt etwas anderes.»

Zu alt für einen Neuanfang

Christian Grob musste am 19. August, etwa zehn Tage nach der Vernichtung des kranken Bienenvolkes, unter Aufsicht des Bieneninspektors auch die anderen 15 Völker beseitigen. «Das hat mir schon sehr weh getan, denn ich bin zu alt, um nochmals von vorne zu beginnen.»

Laut dem Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig ist es nicht das erste Mal, dass im Thurgau Faul- und Sauerbrut gleichzeitig festgestellt wird. «Und bei vorliegender Faulbrut gibt es für uns keinen Zweifel, da müssen auch die anderen Völker weg.» Das sei im Kanton Thurgau schon immer so gewesen. «Es ist zudem auch die Meinung von Fachleuten, dass bei Faulbrut besser alle Völker vernichtet werden statt nur das kranke Volk. Denn Faulbrut ist leicht übertragbar.»