16 Monate bedingt für Ex-EKT-Finanzchef

ARBON. Der Ex-Finanzchef des Thurgauer Elektrizitätswerks (EKT) ist vom Bezirksgericht Arbon wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung in Bereicherungsabsicht, Geldwäscherei und Bestechlichkeit verurteilt worden. Das Gericht sprach eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten aus.

Merken
Drucken
Teilen
Der Skandal um den Ex-Finanzchef brachte das EKT in die Schlagzeilen. (Bild: Archiv/Reto Martin)

Der Skandal um den Ex-Finanzchef brachte das EKT in die Schlagzeilen. (Bild: Archiv/Reto Martin)

Damit blieb das Bezirksgericht Arbon deutlich unter den Strafanträgen der Thurgauer Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren beantragt; davon zwei Jahre bedingt, ein Jahr unbedingt. Die Verhandlung gegen den 49- jährigen Ex-CFO fand letzte Woche statt, das Urteil wurde am Montag mündlich eröffnet und vom Gerichtspräsidenten begründet.

Kickbacks dem EKT abgeliefert
Dem Mann, der heute in Thailand lebt und im Immobiliengeschäft tätig ist, wurde vorgeworfen, bei Anlagegeschäften unrechtmässig 1,2 Millionen Franken an Provisionen eingesackt und in Aussicht gestellt bekommen zu haben. Das Gericht kam zum Schluss, dass der Ex-Finanzchef dies in acht Fällen getan hatte. Das Geld hat der Mann der EKT-Holding zwischenzeitlich retourbezahlt.

Bei Lehman Brothers angelegt
Der Ex-Finanzchef hatte für die EKT-Holding, die dem Kanton Thurgau gehört, gegen 35 Millionen Franken bei der US-Bank Lehman Brothers angelegt. Mit dem Konkurs der Bank ging das Geld 2008 den Bach hinunter. Gemäss dem Gerichtspräsidenten trifft den angeklagten Ex-Finanzchef in diesem Punkt aber keine Schuld; von diesem Anklagepunkt wurde der Mann freigesprochen.

Fahrlässig, aber nicht vorsätzlich
Ein gewisses Klumpenrisiko sei der Ex-Finanzchef der EKT-Holding zwar eingegangen, sagte der Gerichtspräsident. Der Angeklagte habe vielleicht fahrlässig, aber sicher nicht vorsätzlich gehandelt, indem er keine Umschichtung der Anlagen vornahm, und habe sich deswegen in diesem Anklagepunkt nicht der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gemacht. Strafmildernd berücksichtigte das Gericht das Geständnis des Angeklagten, die Rückzahlung der unrechtmässigen Provisionen und die Tatsache, dass der 49-Jährige aus Thailand zum Prozess nach Arbon kam.

Bedingte Geldstrafen für «Gehilfen»
Die drei mitangeklagten Finanzberater wurden der Gehilfenschaft schuldig gesprochen und zu bedingten Geldstrafen und Bussen verurteilt. Ein Finanzberater bekam 60 Tagessätze à 220 Franken und 2000 Franken Busse, der zweite 30 Tagessätze à 210 Franken und 1000 Franken Busse und der dritte 30 Tagessätze à 30 Franken und 500 Franken Busse aufgebrummt. Auch bei ihnen blieb das Bezirksgericht Arbon deutlich unter den Strafanträgen des Staatsanwalts. Die drei Männer hatten ebenfalls Kickbacks eingesackt. Diese Provisionen im Umfang von rund einer halben Million Franken forderte die EKT-Holding von den Finanzberatern zurück. Auf diese Forderung trat das Gericht aber nicht ein.

Politische Folgen
Das EKT-Debakel hatte im Kanton Thurgau ein politisches Nachspiel. Der Präsident des Verwaltungsrats trat relativ rasch zurück. Regierungsrat Kaspar Schläpfer trat letztes Jahr aus dem EKT- Verwaltungsrat zurück. Der Direktor des Elektrizitätswerks ging ebenfalls 2010. Politiker hatten seinen Abgang schon viel früher gefordert. (sda)