150 Steuersünder melden sich

Steuersünder haben letztes Jahr Schwarzgeld in Höhe von 127 Millionen Franken den Thurgauer Behörden offengelegt. Nach wie vor machen reuige Steuerhinterzieher von der Möglichkeit der straflosen Selbstanzeige Gebrauch.

Christof Widmer
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Jakob Rütsche Leiter der Steuerverwaltung des Kantons Thurgau (Bild: Christof Lampart)

Jakob Rütsche Leiter der Steuerverwaltung des Kantons Thurgau (Bild: Christof Lampart)

FRAUENFELD. Jeder Steuerhinterzieher kann einmal im Leben reinen Tisch machen. Auch fünf Jahre nach Einführung der kleinen Steueramnestie wird diese Möglichkeit rege genutzt. Letztes Jahr haben im Thurgau 150 Steuerpflichtige ihr Schwarzgeld straflos deklariert. «Das liegt im ähnlichen Rahmen wie im Vorjahr», sagt Jakob Rütsche, Leiter der kantonalen Steuerverwaltung. Damals gab es 158 reuige Steuersünder.

10,5 Millionen Nachsteuern

Letztes Jahr wurden auf diesem Weg 3,2 Millionen Franken nicht deklariertes Einkommen und 127 Millionen Franken nicht deklariertes Vermögen gemeldet. Dadurch konnte der Thurgau 10,5 Millionen Franken zusätzliche Steuern einnehmen, die sich auf Bund, Kanton und Gemeinden aufteilen. «Das ist ein absoluter Spitzenwert», sagt Rütsche. Im Vorjahr waren es 7,7 Millionen Franken – was damals ebenfalls ein Rekord war. Die Steuerhinterzieher müssen bei einer Selbstdeklaration die Steuern für die letzten zehn Jahre nachzahlen.

Die deklarierten Werte unterscheiden sich in der Höhe stark und reichen bis in die Millionen. Ein einzelner Fall aus dem letzten Jahr sei für einen Drittel der zusätzlichen Steuereinnahmen verantwortlich, sagt Rütsche.

Es seien vor allem ältere Leute, die ihr Schwarzgeld im Rahmen der kleinen Steueramnestie deklarieren. «Einerseits verfügen Ältere eher über Vermögen», sagt Rütsche. Anderseits seien sie eher bereit, das einmalige Recht in Anspruch zu nehmen. Das muss nicht nur zur Beruhigung des schlechten Gewissens geschehen. Im Alter drängen sich Erbschaftsfragen in den Vordergrund. Eltern wollten ihre Kinder nicht mit Schwarzgeld belasten; sie hätten ein Interesse, ihnen Weissgeld zu vererben.

Auch der sich abzeichnende grenzüberschreitende automatische Informationsaustausch gegen Steuerhinterziehung macht Besitzer von Schwarzgeld nervös. «Man merkt, dass Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt ist», sagt Rütsche. Die Schweiz und die EU haben letztes Jahr ein Abkommen zur Einführung des automatischen Informationsaustauschs in Steuersachen unterschrieben. Die beteiligten Länder beabsichtigen, ab 2017 Kontodaten zu erheben und ab 2018 auszutauschen.

Besitz im Ausland gemeldet

Das hat zur Folge, dass nicht nur Steuerdaten aus der Schweiz ins Ausland geleitet werden, sondern auch umgekehrt. Prompt melden nun Thurgauer Steuerpflichtige Vermögen und Einkommen im Ausland an. Nicht nur Geld auf Konten im Ausland, sondern auch Grundbesitz und ausländische Renten werden nun gemeldet, sagt Rütsche. Er geht davon aus, dass die Zahl der Selbstanzeigen noch zwei bis drei Jahre auf dem heutigen Niveau bleibt.

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