«1000 Parkplätze sind genug»

In der Innenstadt gibt es zu viele öffentliche oder Kunden-Parkplätze, monieren die Grünen. Der so erzeugte Verkehr mache das Stadtzentrum unattraktiv. Die Partei fordert eine Halbierung des Parkierraums.

Mathias Frei
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Beim Fototermin sind im Altstadt-Parkhaus 60 der 63 öffentlichen Parkplätze frei. Unter der Tafel stehen Michael Pöll, Präsident Grüne Frauenfeld, und Roman Fischer, neuer GP-Gemeinderat. (Bild: Mathias Frei)

Beim Fototermin sind im Altstadt-Parkhaus 60 der 63 öffentlichen Parkplätze frei. Unter der Tafel stehen Michael Pöll, Präsident Grüne Frauenfeld, und Roman Fischer, neuer GP-Gemeinderat. (Bild: Mathias Frei)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Bürgerliche Politiker schreien nach mehr Parkplätzen. Und nun kommen die Grünen, um dagegen zu halten. Ihre Forderung für das Stadtzentrum: «1000 Parkplätze sind genug.» Das wären 800 öffentliche und Kunden-Parkplätze weniger als heute, also eine knappe Halbierung.

«Frauenfeld ertrinkt nicht nur zeitweise im Verkehr, sondern schwimmt auch in Parkplätzen.» Michael Pöll und Roman Fischer sagen das – und können es auch beweisen. Der Präsident der Frauenfelder Grünen und der neue grüne Gemeinderat haben nachgezählt.

Platz für drei bis vier Fussballfelder

Seit 2013 führen die Grünen jedes zweite Jahr Parkplatzzählungen durch. «Die Zahlen lassen aufhorchen», sagt Pöll. Bei der 2017er-Zählung sind 3200 Parkplätze zusammengekommen. 1400 Parkplätze sind privat oder sind der kantonalen Verwaltung vorbehalten. Die verbleibenden 1800 Abstellplätze sind öffentlich oder für Kunden. Die Gesamtzahl entspreche einer Fläche von drei bis vier Fussballfeldern, «und das mitten in der Innenstadt». Hochgerechnet sind das 4500 Parkplätze pro Quadratmeter. Verglichen mit verfügbaren Zahlen zur Parkplatzdichte in der Zürcher Altstadt (2300 Parkplätze/Quadratmeter) und Konstanzer Altstadt (2000 Parkplätze/Quadratmeter) ist das für Pöll und Fischer eine «wahnsinnig grosse Zahl». Mit der neutralen Analyse wollten sie «einen Betrag leisten, um die Diskussion zu versachlichen». Sie hätten selber über die Frauenfelder Werte gestaunt. Im mehrjährigen Vergleich seien die Parkplatzzahlen in diesem Rayon insgesamt leicht steigend, zugleich sei eine Verlagerung von öffentlichen zu privaten Abstellplätzen festzustellen.

«Der Stadtrat braucht einen Plan»

Dem Stadtzentrum mangle es also nicht an Parkplätzen. Im Gegenteil: Das Problem sei der durch die zu vielen Parkplätze induzierte Verkehr. «Dieser macht die Innenstadt unattraktiv und riegelt die Altstadt von potenziellen Kundinnen und Kunden ab», sagen Pöll und Fischer. Die Grünen fordern darum im Bereich der Altstadt mittelfristig eine Reduktion auf 1000 öffentliche oder Kunden-Parkplätze. «Der Stadtrat braucht einen Plan», meint Fischer. Mit Vorstössen im Gemeinderat wolle die Partei dem Stadtrat dabei helfen. Natürlich sei ihnen bewusst, dass die Stadt nur über die eigenen Parkplätze verfüge. «Aber der Stadtrat hat eine Handhabe, wenn er neue Parkieranlagen bewilligt», sagt Pöll.

Ein Problem für Pöll und Fischer ist, dass nebst den über 300 Wohnungen, die in jüngerer Vergangenheit in der Innenstadt gebaut wurden, eine zu grosse Zahl von Privatparkplätzen entstanden ist. Fischer wünschte sich, dass beim städtischen Abstellplatzreglement, das eine Erstellungspflicht beinhaltet, das Augenmerk auf eine Deckelung nach oben gelegt werde und nicht auf eine Mindestzahl pro Wohneinheit. Zudem brauche es Massnahmen, dass die öffentliche Etage im Altstadt-Parkhaus endlich besser genutzt werde. Dann könnte diese Anzahl oberirdische Parkplätze freigespielt werden.