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FRAUENFELD: Kind mehrfach intim gestreichelt

Über zwei Jahre verübt ein heute 51-jähriger IV-Rentner sexuelle Praktiken mit einem Mädchen. Das Bezirksgericht hält ihn für schuldig, das Urteil lautet bedingte Freiheitsstrafe.
Samuel Koch

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Während zweier Jahre fasste der Angeklagte einem Mädchen in der Wohngemeinschaft mit ihrer Grossmutter monatlich zwei- bis dreimal zwischen die Beine. Beim ersten Mal war sie sechs Jahre alt. Deshalb musste sich der heute 51-Jährige vor dem Bezirksgericht Frauenfeld dem Vorwurf wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind verantworten. Zudem bezichtigte ihn die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen der Pornografie sowie ­Delikten gegen das Betäubungsmittelgesetz.

«Ich habe schon alles gesagt, ich habe das nicht getan», sagte der Mann während der Befragung zur Hauptanklage. Der ­Angeklagte, der mittlerweile von einer IV-Rente lebt, habe mit dem Mädchen eine richtige Enkelbeziehung geführt und war über Jahre mit seiner leiblichen Grossmutter verheiratet. Als gerechte Strafe für seine Handlungen befand der Angeklagte eine Geldstrafe.

Die Straftaten seien gemäss Aussagen des Opfers in mehreren Befragungen und der Anklageschrift immer nach demselben Muster verlaufen. Währenddem das Mädchen mit ihrem jüngeren Bruder fernsah, fasste der Angeklagte dem Opfer zwischen die Beine und glitt mit den Fingern bis zur Scheide. «Dem Opfer sagte der Beschuldigte, dass dies ihr Geheimnis sei und sie es niemandem erzählen dürfe», steht in der Anklageschrift.

Den Vorwurf des Besitzes der Pornografie, auch mit pädophilem Inhalt, gab der Angeklagte zu. Das Herunterladen der Bilder sei jedoch nicht absichtlich gewesen, meinte er. Zur Anklage, mit einer Indoor-Hanfanlage gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen zu haben, ergänzte er: «Ich habe das nur für mich angebaut, als Schmerzlinderung.»

Detailgetreue Schilderungen des Opfers

«Seine Beschreibung, das Kind sei im Schneidersitz und manchmal mit gespreizten Beinen am Boden gesessen, klingt schon fast als Rechtfertigung», sagte die Anwältin der Privatklägerschaft. Zudem seien die Schilderungen des Opfers detailgetreu, das Mädchen könne sogar sagen, was es zum ersten Tatzeitpunkt im Fernseher geschaut habe. Weil er als Mann der Grossmutter eine Vertrauensposition ausgenutzt habe, wegen des grossen Altersunterschieds und der «tief greifenden» Folgen für das Opfer, seien dem Angeklagten eine Genugtuungs- sowie eine Schadensersatzzahlung für die Therapiekosten aufzuerlegen.

Der Verteidiger zweifelte die Beweislast an. «Bei den Einvernahmen des Mädchens waren keine Spezialisten dabei.» Ausserdem sei bis zur zweiten Einvernahme viel Zeit vergangen, was die Aussagen des Mädchens aufgrund von Gesprächen mit ihren Eltern beeinflusst hätten. Zudem dürfe nicht pauschal ein Zusammenhang zwischen sexuellen Praktiken mit Kindern sowie dem Konsum von Pornografie konstruiert werden. Im Zweifelsfall gelte die Unschuld des Angeklagten. «Den Konsum und Besitz von Marihuana gibt mein Mandant zu», schloss der Verteidiger sein Plädoyer.

Das Gericht sprach den Beschuldigten in zwei der drei ­Anklagepunkte schuldig. Die Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz habe er zugegeben, den Vorwurf der Pornografie liessen die Richter fallen. Dafür verurteilten sie ihn der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind. Der Richter führte aus, dass für das Gericht die Kernaussagen des Mädchens deutlich und «deshalb sehr glaubwürdig» sind. Aufgrund seiner Verharmlosung des angemessenen Strafmasses hatte das Gericht zudem den Eindruck, der Beschuldigte sei sich nicht bewusst gewesen, was zulässig sei und was nicht. «Eine Busse ist deutlich zu wenig», so der Richter.

Das Strafmass beträgt zehn Monate bedingte Freiheitsstrafe auf Bewährung von zwei Jahren. Zudem muss der Verurteilte dem Opfer eine Genugtuung von 4000 Franken, sämtliche Verfahrens- und Gerichtskosten sowie eine Busse für den Marihuanakonsum bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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