Das Ausserrhoder Parlament wird eines der weiblichsten im ganzen Land

Der Frauenanteil im Ausserrhoder Kantonsrat steigt sprunghaft auf einen
Drittel an. Damit schliesst der Kanton zu den Schweizer Spitzenreitern auf.

Katharina Brenner
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Der Frauenanteil in der Politik ist derzeit in aller Munde – bei den Wahlen in Appenzell Ausserrhoden mit einem spürbaren Effekt. (Bild: Ralph Ribi)

Der Frauenanteil in der Politik ist derzeit in aller Munde – bei den Wahlen in Appenzell Ausserrhoden mit einem spürbaren Effekt. (Bild: Ralph Ribi)

22 Frauen ziehen nach den Gesamterneuerungswahlen vom Sonntag ins Ausserrhoder Kantonsparlament ein. Das sind so viele nie war. Zuletzt waren vor 20 Jahren ähnlich viele Frauen ins Parlament eingezogen: 21. Mit einem Frauenanteil von 33,8 Prozent befindet sich das Ausserrhoder Parlament nun schweizweit im obersten Viertel. Zum Vergleich: Der St.Galler Kantonsrat ist zurzeit mit einem Frauenanteil von 18,3 Prozent beinahe Schweizer Schlusslicht.

Patrick Emmenegger, Politikwissenschafter an der Universität St.Gallen, meint: 

«Das Frauenthema hat momentan enorme Zugkraft. Bei kommunalen Wahlen wird der Schwung aus den Bundesratswahlen und der Debatte zur Frauenvertretung im Ständerat mitgenommen.»

Die Frauenzentrale Ausserrhoden hat mit verschiedenen Aktionen zum weiblichen Wahlerfolg beigetragen. Die Medienverantwortliche Jennifer Abderhalden sagt: 

«Wir dürfen nicht jammern. Wie müssen politisch aktiv werden.»

Dass im Regierungsrat derzeit lediglich Männer sitzen, habe viele Ausserrhoderinnen angespornt, sich auf Gemeindeebene zu engagieren. Bei der Regierungsratswahl vom 10. Februar war keine einzige Frau angetreten.

Ein Kurs macht Frauen «fit für Politik»

«Wir fördern überparteilich Frauen im Beruf, in der Familie, in der Gesellschaft und der Politik», so Abderhalden. Zu den Aktionen der Frauenzentrale gehörte beispielsweise eine Wahlzeitung, die in den Briefkästen der Bevölkerung lag, und in der die Frauenzentrale sämtliche Kandidatinnen vorstellte. Sie organisierte ein Podium zum Thema Frauen in der Politik sowie einen mehrtägigen Kurs, «um Frauen für die Politik fit zu machen».

Abderhalden zieht eine positive Bilanz: «Von den acht Teilnehmerinnen wurden vier in den Kantonsrat gewählt, eine in einen Gemeinderat und eine in eine GPK.» Eine Quote habe die Frauenzentrale nicht angestrebt.  Dass Frauenförderung derzeit «ein Riesenthema in unserer Gesellschaft» sei, nennt Abderhalden als einen Grund für den Wahlerfolg – von den 23 erstmals Gewählten sind 13 Frauen.

Frauenanteil kontinuierlich gesunken

Politikwissenschafter Emmenegger stellt aber auch fest: Sobald dem Thema nicht mehr «derart mit Nachdruck» Aufmerksamkeit verliehen werde, flache der Frauenanteil in den Parlamenten oftmals wieder ab.

In Ausserrhoden hatte sich der Frauenanteil 1999 auf 32 Prozent verdoppelt im Vergleich zur Wahl sechs Jahre zuvor. Bei den darauffolgenden Wahlen sank der Frauenanteil in der Legislative allerdings kontinuierlich. Jetzt beträgt er sogar fast 34 Prozent. Es wird sich zeigen, in welche Richtung sich der Frauenanteil dieses Mal entwickelt.

Quelle: Bundesamt für Statistik/Grafik: sbu

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