Frauen wie Ware an Bordelle verkauft

Eine Thailänderin wurde gestern in Bern wegen Menschenhandels in mindestens 50 Fällen verurteilt. Sie führte einen Salon in Müllheim und wohnte im Oberthurgau.

Ida Sandl
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Dem Geschäft mit nackter Haut ist mit Gesetzesparagraphen schwer beizukommen. Vieles im Rotlichtmilieu bleibt nebulös. (Archivbild: Susann Basler)

Dem Geschäft mit nackter Haut ist mit Gesetzesparagraphen schwer beizukommen. Vieles im Rotlichtmilieu bleibt nebulös. (Archivbild: Susann Basler)

Sie hat gut verdient bei dem Geschäft: 1,8 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftete die Angeklagte in drei Jahren. Sie handelte vor allem mit Frauen und einigen Transvestiten. Das Regionalgericht Bern verurteilte die 43jährige Thailänderin gestern zu sechseinhalb Jahren Gefängnis. Ihr wird Menschenhandel in mindestens fünfzig Fällen vorgeworfen. Die Staatsanwältin hatte neun Jahre gefordert.

Die Opfer stammten meist aus armen Verhältnissen. Die Angeklagte hat die Frauen in Thailand angeworben. Von einem Menschenhändlerring wurden sie in die Schweiz geschleust. Die Thailänderin versorgte Bordelle in der ganzen Deutschschweiz mit ihrer «Ware». Etliche Prostituierte beschäftigte sie im eigenen Salon, dem Fantastic in Müllheim.

Moderne Sklaverei

«Menschenhandel ist die moderne Form der Sklaverei», sagte Gerichtspräsidentin Christine Schaer bei der Urteilsverkündung. Die Angeklagte habe die Frauen zwar nicht körperlich misshandelt. Die Opfer seien aber in «Schuldknechtschaft» gehalten worden. Sie mussten 30 000 Franken für ihre Einreise in die Schweiz zahlen und die Hälfte ihres Verdienstes an die Salon-Besitzer abgeben. In den ersten Jahren sahen sie so gut wie nichts von ihrem Geld.

Als sich eine Prostituierte in Bern bei der Polizei meldete, flog der Handel auf. Das Gericht sieht die Angeklagte als Teil eines mafiaähnlichen Geflechts, das von Thailand aus operiert. «Sie war sicher nicht der Kopf der Organisation», sagt Gerichtspräsidentin Schaer. Über dieses Netzwerk war die Frau vor sieben Jahren selber in die Schweiz gekommen, wo sie illegal anschaffen musste. Relativ schnell war sie zur Salonbesitzerin aufgestiegen, die ihren früheren Ausbeutern nun fleissig in die Hände arbeitete. Das Gericht hielt der Beschuldigten zugute, dass sie nichts vertuschen wollte. Sie habe aber wenig Einsicht darin gezeigt, was sie ihren Opfern angetan hat.

Ehemann war der Gehilfe

Den Schweizer Ehemann der Thailänderin, der wie sie im Oberthurgau lebte, verurteilte das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von dreissig Monaten, davon muss er ein halbes Jahr absitzen. Der 50-Jährige sei der Gehilfenschaft schuldig. Er habe gewusst, womit seine Frau ihr Geld verdiene. Im Salon sei er aber vor allem für die handwerklichen Arbeiten zuständig gewesen.

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