«Frauen müssen mehr in Erregung investieren»

Nachgefragt

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Ostschweizer Paare haben gemäss einer Parship-Studie das beste Sexleben (siehe Text oben). Sexualtherapeutin Dania Schiftan über die Wichtigkeit von Sex, wie Paare zufriedener werden und wieso sie bei ihren Wünschen lügen.

Dania Schiftan, können Sie erklären, wieso die Ostschweizer zufriedener sind als die Berner oder Zürcher?

Dafür gibt es nicht wirklich eine statistische Erklärung.

Warum sind denn Schweizer Paare unzufrieden mit ihrer Sexualität?

Das ist kein schweizspezifisches Phänomen. Über die Dauer der Beziehung wird jeder Mensch unzufriedener. Es ist bewiesen, dass in den ersten sechs Jahren einer Beziehung das Paar in Sachen Sexualität verdrossener wird. Danach bleibt es für die nächsten 20 konstant auf dem Niveau.

Jeder Mensch definiert Zufriedenheit aber anders. Welche Faktoren sind ausschlaggebend?

Zum einen etwa die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs. Für Frauen spielen des Weiteren eher emotionale Werte wie Nähe oder sich begehrt fühlen eine Rolle, für Männer sind dann eher harte Fakten wie Sexpraktiken oder Einfallsreichtum entscheidend. Es zeigt sich eine klare Rollenverteilung, bei der Frauen wie Männer die typischen, geschlechtsspezifischen Klischees bedienen.

Beim Umfragenkatalog gaben die meisten an, mit dem Familienleben am glücklichsten zu sein. Wie relevant ist aber Sexualität für eine zufriedene Partnerschaft?

Sehr entscheidend. Fragt man Paare nach dem Trennungsgrund, so ist es häufig ein Streit, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Läuft es mal nicht gut in einer Beziehung, machen viele einfach nur die Faust im Sack und ändern nichts. Ein wichtiger Zermürbungsgrund ist aber meist die fehlende Sexualität.

Was kann ein Paar tun, um die Zufriedenheit in der Sexualität zu steigern?

Frauen wie Männer haben die gleiche Verantwortung in dieser Hinsicht. Da Frauen Sex mit emotionalen Werten gleichsetzen, haben sie nicht gelernt, viel in körperliche Erregung zu investieren. Doch genau darum geht es. Wenn einem etwas gut tut, will man das Glücksgefühl immer wieder erleben. Frauen haben die Möglichkeit, das in Orgasmus- oder Lustkursen zu erlernen. Männer hingegen müssen mehr lernen, dass der Weg das Ziel und nicht nur der Orgasmus relevant ist.

Wie aber lässt sich erklären, dass gemäss der Studie 72 Prozent angeben, ihrem Partner oder ihrer Partnerin zu zeigen, was sie sich im Bett wünschen?

Dieser Zahl traue ich nicht. Vielmehr glaube ich, dass hier nach sozialer Erwünschtheit geantwortet wurde. Die Befragten trauen sich also nicht, ihre richtigen Wünsche zu äussern, um nicht als Egoisten abgestempelt zu werden. Vielmehr wollen sie der Norm entsprechen.

Wieso empfinden denn Frauen in Partnerschaften weniger sexuelle Lust und haben weniger Freude am Sex im Gegensatz zu den Männern?

Frauen erlernen die Sexualität mit emotionalen Werten, die sich mit der Zeit abnützen, wenn die Beziehung länger dauert. Sobald Frauen für sich mehr Erregung und somit mehr Genuss aus der Sexualität holen können, wünschen sie sich diese auch mehr.

36 Prozent aller Schweizer Frauen geben an, mit der Sexualität in der Beziehung sehr zufrieden zu sein. Ist das befriedigend?

Im Gegenteil: Die Zahl ist frustrierend, denn sie zeigt, dass Frauen das Gefühl haben, dass sie Sexualität nicht so sehr brauchen wie die Männer. Was nicht stimmt. Welche Frau wünscht sich nicht eine einfache und befriedigende Sexualität?

Beim Thema Sex wird also viel gelogen.

Das ist völlig normal und auch nichts Ungewöhnliches. Schliesslich will sich jeder besser verkaufen, als er ist. Dabei ist das gar nicht nötig, denn jeder ist unterschiedlich. Nichtsdestotrotz spiegelt die Studie die Realität wider. Und das ist ein doch sehr erfreuliches Ergebnis.

Was empfehlen Sie als Sexualtherapeutin einem Paar, damit die Zufriedenheit in der Beziehung anhält?

Man darf nie vergessen, dass Sexualität ein Leben lang dauert. Daher muss man stets daran arbeiten und sich nicht auf Gewohnheiten ausruhen. Man soll ruhig mutig sein und einfach mal ausprobieren. Die eigenen Wünsche gilt es offen anzusprechen und man sollte nie vergessen: Es muss nicht immer alles super sein, es reicht auch einmal, einfach nur gut zu sein. (lex)