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Die Frauenzentrale St.Gallen organisiert eine Wahlauftakt-Tour – nur die SVP-Frauen machen nicht mit

Drei Frauen vertreten aktuell den Kanton St.Gallen im Nationalrat. Zu wenige, findet die Frauenzentrale und organisiert mit 31 Kandidatinnen eine überparteiliche Roadshow durch den Kanton. Nur die SVP-Frauen bleiben fern.
Regula Weik
Die St.Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi (rechts) tauscht sich mit Parteikollegin Mattea Meyer (ZH) aus. (Bild: Peter Schneider/KEY, Bern, 19. März 2019)

Die St.Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi (rechts) tauscht sich mit Parteikollegin Mattea Meyer (ZH) aus. (Bild: Peter Schneider/KEY, Bern, 19. März 2019)

Der Nationalrat ist noch immer weitgehend ein Männerclub. Und dies, obwohl der Frauenanteil in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Aktuell beträgt er 31,5 Prozent; 63 Nationalrätinnen stehen 137 Nationalräten gegenüber. Noch vor wenigen Monaten war das Gremium weiblicher gewesen: Ende 2018 hatte der Frauenanteil im Nationalrat 33 Prozent betragen (66 Frauen, 134 Männer). Seither traten einige Mitglieder zurück – und bei den Nachrückenden überwiegen die Männer.

So kommt es nicht von ungefähr, dass Frauenorganisationen im Vorfeld von Wahlen regelmässig aktiv werden und darauf aufmerksam machen: Es gibt sie – die Kandidatinnen. Ein Blick auf die nominierten Kandidatinnen und Kandidaten der St.Galler Parteien für die nationalen Wahlen im Herbst zeigt: SP und Grüne haben sich für eine paritätische Geschlechterverteilung entschieden; auf ihren Hauptlisten finden sich je sechs Frauen und sechs Männer. Bei den bürgerlichen Parteien beträgt der Frauenanteil auf den Hauptlisten im besten Fall einen Drittel und sinkt im schlechtesten auf einen Viertel ab.

So ernst ist es den Parteien mit den Frauen

Drei Frauen vertreten aktuell den Kanton St.Gallen im Nationalrat: Claudia Friedl und Barbara Gysi (beide SP) sowie Barbara Keller-Inhelder (SVP). Ein Drittel beträgt der Frauenanteil im Nationalrat schweizweit. St.Gallen kann mit einem Viertel nicht mithalten. Wird sich der St. Galler Frauenanteil in den nationalen Wahlen im Herbst ändern? Ein Blick auf die Liste der Kandidatinnen und Kandidaten zeigt, wie ernst es den Parteien mit den Frauen ist:

- Als einzige Partei verzeichnet die FDP den Rücktritt eines Nationalrats und muss damit den Sitz eines Bisherigen verteidigen. Die FDP-Frauen wittern eine Chance: Erstmals greifen sie mit einer eigenen Liste in den Nationalratswahlkampf ein. Allerdings: Aussichtreicher ist der Sprung von der Hauptliste nach Bern. Darauf finden sich vier Frauen und acht Männer – Frauenanteil: 33 Prozent.

- Keine freien Sitze gibt es bei der CVP. Die drei bisherigen Nationalräte steigen wieder ins Rennen. Als einzige grössere Partei tritt die CVP mit zwei geografisch gesplitteten Hauptlisten an. Unter den 24 Kandidierenden finden sich 7 Frauen – Frauenanteil: 29 Prozent.

- Die SP hat heute zwei Sitze im Nationalrat; beide nehmen Frauen ein und beide Nationalrätinnen treten im Herbst wieder an. Die Liste der Kandidierenden hat die Partei paritätisch gestaltet: sechs Frauen, sechs Männer – Frauenanteil: 50 Prozent.

- Stärkste St.Galler Partei im Nationalrat ist die SVP mit fünf Sitzen. Alle fünf – vier Männer und eine Frau – kandidieren im Herbst erneut. Auf der Nationalratsliste der Partei finden sich neun Männer und drei Frauen – Frauenanteil: 25 Prozent.

In den Wahlen 2015 haben Grüne und Grünliberale ihre Nationalratssitze verloren; beide waren mit einer Frau in Bern vertreten. Die Grünen steigen mit sechs Frauen und sechs Männer in die aktuellen Wahlen – Frauenanteil: 50 Prozent. Die Grünliberalen haben ihre Kandidierenden noch nicht nominiert. (rw)

Politische Ämter reizen Männer stärker

Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen: Die Frauenförderung steckt gerade im bürgerlichen Lager noch in den Kinderschuhen. Die St.Galler FDP-Frauen sorgen nun freilich für eine Premiere im Kanton: Sie greifen erstmals mit einer eigenen Liste in den Nationalratswahlkampf ein. Neu ist die Idee allerdings nicht: SP und Grüne taten dies bereits vor Jahrzehnten. Jacqueline Schneider, Geschäftsführerin der Frauenzentrale St.Gallen, stellt generell fest: Die Parteien – auch die bürgerlichen – seien heute viel stärker bemüht, Kandidatinnen zu suchen und zu motivieren, in die Politik einzusteigen. Doch nach wie vor stellten sich weniger Frauen für politische Ämter zur Verfügung als Männer.

Ziel der Frauenzentrale ist, im Herbst den Frauenanteil «markant» zu erhöhen. Der Nationalrat sollte «ein Abbild der Gesellschaft» sein, sagt Jacqueline Schneider, «und wir Frauen sind nun mal die Hälfte der Gesellschaft». Strebt sie demnach einen Frauenanteil von 50 Prozent an? «Als oberstes Ziel, ja.» Schneider nimmt sogleich die Frauen in die Pflicht – und zwar doppelt: «Frauen müssen auch an die Urne gehen.» Sie tun dies noch immer weniger häufig als die Männer. «Und Frauen müssen auch Frauen wählen.»

Die Frauenzentrale organisiert kommenden Samstag eine Wahlauftakt-Tour durch den Kanton. 31 Kandidatinnen von CVP, EDU, FDP, Grünliberalen, Grünen, Parteifrei SG und SP nehmen teil. Einzig die SVP-Frauen fehlen. «Frau sein» allein sei kein politisches Programm, erklärt Parteisekretärin Esther Friedli auf Anfrage. Die SVP setze sich dafür ein, dass «sich Frauen und Männer in der Politik und der Gesellschaft engagieren». Auf nationaler Ebene wurde schon länger die überparteiliche Bewegung «Helvetia ruft» aktiv. Sie will Frauen motivieren, im Herbst zu kandidieren. Über 450 Frauen haben Helvetias Ruf bereits gehört und ihr Interesse angekündigt – mehr als die Hälfte sind politische Newcomerinnen.

«Wir Frauen gehen hoch hinaus!», Auftakt zu den nationalen Wahlen, überparteilicher Anlass der Frauenzentrale, Samstag, 11. Mai, ab 8 Uhr, Hauptbahnhof St. Gallen.

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