«Frau und Kind können sich bei uns sicher fühlen» – die leitende Ärztin der Frauenklinik des Spitals Herisau über Geburten in Corona-Zeiten

Die Corona-Krise stellt Spitäler vor grosse Herausforderungen. Cécile Leimgruber, leitende Ärztin der Frauenklinik des Spitals Herisau, erklärt, was das für Geburtsabteilungen bedeutet.

Linda Müntener
Hören
Drucken
Teilen

Cécile Leimgruber, mit welchen Sorgen kommen die Schwangeren in diesen Tagen am häufigsten auf Sie zu?

Cécile Leimgruber, leitende Ärztin, Frauenklinik Spital Herisau.

Cécile Leimgruber, leitende Ärztin, Frauenklinik Spital Herisau.

Bild: PD

Die persönlichen Einschränkungen durch die Corona-Krise verunsichern und verursachen bei Schwangeren Stress. Da das Virus aber schwangere Frauen nicht mehr bedroht als andere Personen und eine Übertragung auf das Ungeborene bisher nicht nachgewiesen werden konnte, können wir beruhigen. Wir betonen die Bedeutung der vom BAG propagierten Massnahmen, führen die Schwangerschaftsbetreuung nur leicht eingeschränkt weiter, und betonen die Wichtigkeit, gesund zu bleiben.

Was raten Sie Schwangeren, die das Gefühl haben, sie könnten sich infiziert haben?

Hier unterscheidet sich das Vorgehen nicht vom Rest der Bevölkerung. Schwangere sind keine spezifische Risikogruppe. Wichtig ist uns das ausführliche Gespräche mit einer Schwangeren, um ihre Fragen und möglichen Bedenken zu beantworten. Dies führen wir oft auch telefonisch durch, um die Schwangere nicht unnötig ins Spital zu bitten, aber um auch Hospitalisierte und das Personal zu schützen.

Worum geht es in diesen Gesprächen?

Wir erklären beispielsweise, wie sie betreut würde, wenn sie tatsächlich infiziert wäre und wollen ihr Vertrauen geben, dass sie und ihr Kind in jedem Fall sicher aufgehoben sind bei uns in Herisau und in Heiden. Zeigt sich an einem Untersuchungstermin, dass eine Schwangere die Testkriterien erfüllt, führen wir vor Ort einen Test durch. Dies auch zum Schutz unseres Personals.

Inwiefern ändert die Corona-Situation die Zeit vor der Geburt? Gibt es Einschränkungen bei den Voruntersuchungen ?

Alle medizinisch wichtigen Vorsorgeuntersuchungen werden weiterhin durchgeführt. Wir achten darauf, dass die Wartezeiten kurz sind und dass sich im Wartzimmer möglichst nur eine Person aufhält. Fühlt sich eine Frau erkältet und spürt das Kind gut, wird die Kontrolle eher um einige Tage verschoben, bis der Infekt abgeheilt ist. Bei der Untersuchung selber, tragen Personal und Ärzte einen Mundschutz und Begleitpersonen von schwangeren Frauen dürfen momentan bei der Untersuchung nicht dabei sein. Damit halten wir uns an die so wichtigen Empfehlungen des Bundesrates, was von den betroffenen Familien akzeptiert wird.

Steigt wegen Corona die Nachfrage nach Hausgeburten?

Es gibt bei den freiberuflichen Hebammen vereinzelt Anfragen. Von einem Trend oder dergleichen kann jedoch nicht die Rede sein. Die Frauen wissen, dass sie sich bei uns gut und sicher aufgehoben fühlen dürfen. Der Partner oder eine andere Begleitperson darf bei der Geburt mit dabei sein und anschliessend im Wochenbett können wir den jungen Müttern viel Wissenswertes auf den Weg geben, damit sie zu Hause zusammen mit Kind und Partner als Familie gut starten können. Das Besuchsverbot im Wochenbett kann auch eine Chance sein. So viel Zeit und Ruhe mit dem Neugeborenen hat die Frau sonst nicht. Das Bonding steht in dieser Corona-Zeit vermehrt im Zentrum.

Mehr zum Thema