Französisch-Lehrer gesucht

Obwohl an der Pädagogischen Hochschule mehr als genug angehende Französisch-Lehrer studieren, fehlen Ostschweizer Schulen Lehrkräfte für das Fach. Die Situation könnte sich bald noch verschärfen.

Sina Bühler
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Erwin Beck Rektor PH St.Gallen. (Bild: Coralie Wenger)

Erwin Beck Rektor PH St.Gallen. (Bild: Coralie Wenger)

«In nächster Zeit könnte ein Mangel an Französisch-Lehrern auftreten», sagt Rolf Rimensberger, Leiter des Volksschulamtes des Kantons St.Gallen. «Ich habe von verschiedenen Oberstufen im Kanton gehört, dass sie zunehmend Mühe haben, die Französisch-Lehrstellen mit qualifizierten Lehrkräften zu besetzen.» Auch Erwin Beck, Rektor der Pädagogischen Hochschule St.Gallen (PHSG), ist bereits darauf angesprochen worden. «Einzelne Schulen haben tatsächlich Probleme, die Französisch-Pensen zu besetzen.» Allerdings meint Beck auch: «Wir bilden mehr als genügend Lehrer im Fach Französisch aus, auf der Primar- genauso wie auf der Oberstufe.»

Mehr als genug Lehrer

In Zahlen heisst das: An der PHSG haben im Juni 13 Diplomanden mit der Lehrbefähigung für Französisch abgeschlossen. Auf der Primarstufe sind es 45 neue Französisch-Lehrer. Mehr als genug: «Die Ostschweiz braucht jährlich etwa 40 neue Lehrer für Französisch in der Primarschule und acht bis zehn neue an der Oberstufe», sagt Erwin Beck. Was die PHSG als Ausbildungsstätte aber nicht kontrollieren könne, sei, wo diese Lehrkräfte später unterrichteten. Offenbar ziehe es einen Teil dieser Absolventen weg aus dem Kanton, an attraktivere Stellen vielleicht.

Politischer Druck

Ein Lehrermangel ist aber nicht das einzige, was den Französisch-Unterricht an der Primarschule bedroht. Im Juni dieses Jahres hat der St.Galler Kantonsrat das Postulat «Fremdsprachenunterricht auf der Primarschule – Überforderung für die Schülerinnen und Schüler» überwiesen. Es verlangt, unter anderem Französisch-Unterricht erst ab der Oberstufe zu erteilen – das heisst also, in Sachen Frühfranzösisch dem Kanton Thurgau zu folgen, der das Fach aus dem Primarschul-Lehrplan gestrichen hat.

SVP-Kantonsrat Erwin Böhi (Wil) hat das Postulat mitunterzeichnet, als Liebhaber der französischen Sprache übrigens, der selber in Lausanne studiert hat: «Ich will die Französischlektionen nicht abschaffen. Aber ich habe meine Zweifel, ob dieses spielende Lernen in der fünften Klasse viel bringt», sagt Böhi. Er plädiert für einen intensiveren Sprachunterricht, der dafür später stattfinde. Also die Stundenzahl erhöhen? «Wenn man den bereits überfrachteten Stundenplan in der Oberstufe anschaut, wird das schwierig», so Böhi. Er selber fände einen Schüleraustausch mit der Romandie eine gute Sache, damit die Sprache auch angewendet, statt nur trocken gelernt werde.

Klassenaustausch fördern

Für Volksschulamt-Leiter Rolf Rimensberger kommt die Forderung der Kantonsräte vorschnell. «Die ersten Schüler, die in der Primarschule zwei Fremdsprachen gelernt haben, werden erst in einem Jahr aus der Schule kommen. Das ist zu früh für eine Bilanz.» Und auch die Regierung des Kantons St.Gallen hält im Bericht «Perspektiven der Volksschulen» weiterhin am Frühfranzösisch fest. Der Bericht anerkennt allerdings auch, dass seit der – unbestrittenen – Einführung des Englischunterrichts in der dritten Klasse, Französisch einen schwereren Stand habe. Um die Sprachenstrategie der Kantone voranzutreiben, sollen deswegen die Weiterbildung der Lehrkräfte verstärkt, neue Lehrmittel eingeführt und der Klassenaustausch mit der Romandie gefördert werden.

«Ein sensationelles Projekt»

Letzteres ist ganz im Sinn von SVP-Kantonsrat Böhi, aber auch von PHSG-Rektor Erwin Beck: «Ein Austausch würde die Attraktivität des Französisch-Unterrichts enorm verstärken. Ich habe an der Kantonsschule mehrere Schülerinnen und Schüler kennengelernt, die ein ganzes Jahr in Sion zur Schule sind. Und ihre Kollegen aus dem Wallis, die in St.Gallen waren. Das ist ein sensationelles Projekt, für das man allerdings Geld in die Hand nehmen müsste, wenn man es auf die Volksschule ausweiten möchte.» Wird weiter über die Abschaffung des Frühfranzösisch diskutiert, hat Beck allerdings Bedenken, ob die PHSG weiterhin genügend Französisch-Lehrer ausbilden kann: «Dann wird sich manche angehende Primarlehrerin überlegen, ob sie das Fach überhaupt noch studieren soll. Es könnte sein, dass sie es nie wird unterrichten können.»

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