Fragen und Antworten
Die St.Galler Stadtautobahn ist in die Jahre gekommen: Jetzt beginnen die Hauptarbeiten an der «Aorta» – der verkehrlichen Hauptader der Gallusstadt

Es ist eine Grossbaustelle ohnegleichen: Vier Autobahnanschlüsse, vier Tunnel inklusive Zentralen, vier Galerien sowie zwölf Brücken und 17 Über- und Unterführungen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Millionenprojekt.

Christoph Zweili
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Vor dem Rosenbergtunnel sind die Arbeiten bereits im Gang.

Vor dem Rosenbergtunnel sind die Arbeiten bereits im Gang.

Bild: PD

In der zweiten Jahreshälfte 2021 beginnen die Hauptarbeiten zur Instandsetzung der Stadtautobahn St.Gallen zwischen Winkeln und Neudorf. Sie dauern voraussichtlich bis 2027 und sollen die Sicherheit der Anlagen für weitere 15 bis 20 Jahre gewährleisten. Die Gesamtkosten betragen rund 550 Millionen Franken. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum dieses ständige Brimborium um die St.Galler Stadtautobahn?

Ohne sie wäre die Gallusstadt längst im Verkehr erstickt. Im Sommer 1987 wurde die Stadtautobahn von Winkeln bis Neudorf eingeweiht: 34 Jahre später ist der A1-Abschnitt belüftungs- und sicherheitstechnisch in die Jahre gekommen. Die alte Dame braucht dringend ein Facelifting und mehr.

Was ist das Besondere an diesem Abschnitt?

Er ist 10,4 Kilometer lang. Die Rede ist von vier Autobahnanschlüssen, vier Tunneln inklusive Zentralen, vier Galerien sowie zwölf Brücken und 17 Über- und Unterführungen. Der Tunnel Stephanshorn wird in der zweiten Jahreshälfte 2021 in Stand gesetzt, die Tunnel Rosenberg, Schoren und St.Fiden in der Etappe II ab 2024 - und das mehrheitlich nachts.

Die Medien werden über die Instandsetzung der Stadtautobahn St.Gallen informiert.

Die Medien werden über die Instandsetzung der Stadtautobahn St.Gallen informiert.

Bild: Tobias Garcia

Was genau wird saniert?

Es wird ein lärmarmer Deckbelag eingebaut, die in die Jahre gekommenen Kunstbauten werden repariert, saniert oder ersetzt. Die Sicherheit in den Tunnels wird erhöht. Die Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen werden komplett erneuert. Vier Strassenabwasser-Behandlungsanlagen werden neu gebaut.

Die Stadtautobahn gilt als Nadelöhr. Ist das richtig?

Das kommt auf die Sichtweise an: Die A1 ist zwar eine der wichtigsten Verkehrsachsen im Raum St.Gallen. Über 80 Prozent des Verkehrsaufkommens auf der Stadtautobahn sind aber Ziel-, Quell- und Binnenverkehr: Das heisst nichts anders, als dass vier Fünftel des Verkehrs quasi hausgemacht sind – die Autofahrer wollen also in die Stadt oder kommen aus der Stadt. Nur 20 Prozent ist Transitverkehr.

Und was heisst das in Zahlen?

Der Autobahnabschnitt ist heute schon stark belastet, während der Abendspitze (17 bis 18 Uhr) verkehren hier bis zu 4200 Fahrzeuge. Damit ist das Limit erreicht oder gar leicht überschritten. Eine Stunde früher (16 bis 17 Uhr) oder später (18 bis 19 Uhr) sieht es besser aus – da ist der Abschnitt jeweils nur zu 85 beziehungsweise 75 Prozent ausgelastet.

Wenn die Stadtautobahn jetzt schon am Limit ist: Wie sieht es dann bei den Bauarbeiten aus?

Fahrbahnsimulationen, die von der OST, Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil, entwickelt wurden, zeigen auf, dass es beim Anschluss Winkeln nicht ohne eine Verkehrsreduktion von zehn Prozent gehen wird. Wie erklärt sich das? Damit die Leistungsfähigkeit der Stadtautobahn auch während der Bauarbeiten erhalten bleibt, muss der Verkehr während der Stosszeiten in den Jahren 2022 und 2023 um zehn Prozent reduziert werden.

Wie soll das umgesetzt werden?

Geplant ist, beim Anschluss Winkeln den Zulauf aus Richtung Appenzell mit einem Tropfsystem zu dosieren. Die Idee: Alle drei Sekunden erhält ein Auto grünes Licht – genügend Zeit, um auf die Autobahn zu gelangen.

Laut Bundesamt für Verkehr beginnen die Hauptarbeiten erst – gebaut wird aber doch schon länger?

Das stimmt. Gebaut wird bereits seit 2018 – das waren aber Vorbereitungsarbeiten, Signalisationen, Installationsplätze sowie Sofortmassnahmen an Belag, Kunstbauten und Tunneln sowie Notzufahrten für die Blaulichtorganisationen.

Und wann geht es nun spürbar richtig los?

Vom Sommer bis Herbst 2021 beginnen die Arbeiten beim Abschnitt vom Anschluss Winkeln bis zum Sitterviadukt; in einem ersten Schritt wird die offene Fahrbahn in Stand gesetzt. Die Arbeiten finden meist nachts statt, tagsüber gibt es wenig Verkehrseinschränkungen.

Was geschieht in den nächsten zehn Monaten?

Für die Erneuerung der Trasse von Winkeln bis zum Sitterviadukt und der Unter- und Überführungen werden die Spurbreiten zwar enger gesetzt, die Spuren bleiben aber erhalten, die Temporeduktion beträgt grundsätzlich 80 Kilometer pro Stunde, temporär auch mal 60. Auch beim zweiten Abschnitt Kreuzbleiche-Neudorf bleiben alle Spuren erhalten, die Spurbreiten werden aber enger.

Am ärgerlichsten für die Autofahrer sind die Sperrungen.

Das Astra versucht, sie so knapp als möglich zu halten und sie meist nachts anzusetzen: Die Stadtautobahn war im Jahr 2020 bereits 190-mal gesperrt, davon 178-mal in der Nacht – 131 Sperrungen betrafen bereits das aktuelle Projekt. Davon haben die wenigsten Autofahrer etwas gemerkt.

Das ändert sich ab 2022/2023.

Markus Weber, Astra-Projektleiter für die Stadtautobahn.

Markus Weber, Astra-Projektleiter für die Stadtautobahn.

Bild: Tobias Garcia

Laut Astra-Projektleiter Markus Weber sind das die «beiden intensivsten Jahre». Da würden sich auch tagsüber vermehrte Sperrungen nicht vermeiden lassen.

Wann wird der Olma-Deckel gesetzt?

Die für 2022 geplante Verlängerung des östlichen Teils des Rosenbergtunnels auf einer Länge von 180 Metern mit dem sogenannten Olma-Deckel ist für das Astra ein Drittprojekt der Olma-Messen St.Gallen. Das Bundesamt für Strassen ist nur für die Koordination zuständig.

Wie steht es mit der Sicherheit der Bauarbeiten?

Die Koordination der Sperrungen liegt in den Händen des kantonalen Tiefbauamtes – «ein gehöriger Lupf für die acht Mitarbeiter des Stützpunktes Neudorf des Nationalstrassengebiets VI», wie dessen Leiter, Philipp Rüttimann, sagt. Sie sind normalerweise nur für den betrieblichen Unterhalt, aber nicht für den Baustellenbetrieb zuständig,

Und wie stellt sich die Kantonspolizei auf?

Philipp Sennhauser, Leiter der Verkehrspolizei bei der Kantonspolizei St.Gallen, kündigt verstärkte Patrouillen an, um im Falle einer Störung oder eines Unfalls schnell reagieren zu können. Und er spricht auch von Repression – man werde die Einhaltung der Geschwindigkeit mit semistationären und mobilen Anlagen kontrollieren – «zu jeder Tages- und Nachtzeit».

Wo informiere ich mich über das Grossprojekt beziehungsweise die aktuellen Staulagen?

Es gibt verschiedene Websites, wo man sich informieren kann:

- Informationen zur Baustelle – www.truckinfo.ch

Astra-Kampagne «Fredi Vogl» - www.stadtautobahn.ch (online seit Dienstag). Die Site wird ab 2022 mit einem SMS-Dienst ausgebaut.

Olma-Deckel - olma-halle1.ch

Das Astra-Maskottchen Fredi Vogl begleitet den Ausbau der Stadtautobahn.

Das Astra-Maskottchen Fredi Vogl begleitet den Ausbau der Stadtautobahn.

Bild: Tobias Garcia

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