Forschung und Entwicklung
Der Innovationspark Ost ist gegründet: Welche Ziele Präsident Roland Ledergerber jetzt anstrebt – und wer im Verwaltungsrat sitzt

Den bundesrätlichen Segen hatte er schon, jetzt ist er als Aktiengesellschaft offiziell gegründet: der Innovationspark Ost. Verwaltungsratspräsident Roland Ledergerber rechnet mit eineinhalb Jahren Aufbauzeit, bis der Park funktionsfähig ist.

Adrian Vögele
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Roland Ledergerber, Verwaltungsratspräsident des Innovationsparks Ost.

Roland Ledergerber, Verwaltungsratspräsident des Innovationsparks Ost.

Bild: Ralph Ribi

Der Kontrast könnte kaum grösser sein: Bis Mai führte Roland Ledergerber als CEO die St.Galler Kantonalbank, war sich die Strukturen eines grossen Unternehmens gewohnt. Jetzt beginnt er gewissermassen nochmals ganz von vorne – bei einem «momentan winzigen Start-up», wie er sagt: Ledergerber ist als Verwaltungsratspräsident für den Aufbau des Innovationsparks Ost verantwortlich, den der Kanton St.Gallen mit Beteiligung der anderen Ostschweizer Kantone, des Fürstentums Liechtenstein, der Stadt St.Gallen und der regionalen Wirtschaft ins Leben gerufen hat. Die Vorzeichen sind gut: Der Bundesrat hat das Ostschweizer Vorhaben ins prestigeträchtige nationale Netzwerk «Switzerland Innovation» aufgenommen.

In der Realität fängt der Park allerdings erst jetzt an zu existieren: Am Standort Lerchenfeld in St.Gallen wurde am Donnerstag die Switzerland Innovation Park Ost AG offiziell gegründet. Hier und am zweiten Standort Buchs sollen sich künftig Fachleute aus Forschung und Wirtschaft vernetzen und innovative Produkte hervorbringen. Das Fernziel: Zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen und «die Wettbewerbsposition der Ostschweiz im Kampf um Fachkräfte verbessern», wie der St.Galler Volkswirtschaftschef Beat Tinner sagt.

Ab Ende 2022 soll der Park funktionsfähig sein

Noch steht das Projekt ganz am Anfang. Ledergerber skizziert die nächsten Schritte: Die Geschäftsstelle aufbauen, Räume mieten, Mitarbeitende einstellen, tragfähige Beziehungen zu den Forschungs- und Wirtschaftspartnern (Kantonsspital, HSG, Empa und so weiter) knüpfen – und bald auch erste erfolgversprechende Innovationsprojekte ausfindig machen. Der VR-Präsident nennt klare zeitliche Ziele: Ab Ende 2022 soll der Innovationspark funktionsfähig sein, 2025 soll er seine volle Leistungsfähigkeit und 2031 die Gewinnschwelle erreichen.

VR-Präsident Roland Ledergerber und Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner bei der Unterzeichnung der Gründungsakte für die Switzerland Innovation Park Ost AG, mit Notar Christian Beutter (Mitte).

VR-Präsident Roland Ledergerber und Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner bei der Unterzeichnung der Gründungsakte für die Switzerland Innovation Park Ost AG, mit Notar Christian Beutter (Mitte).

Bild: PD

Über 90 Bewerbungen für Geschäftsführung

Ein nächster zentraler Entscheid wird im Oktober fallen, wenn die Geschäftsführerin oder der Geschäftsführer des Innovationsparks gewählt wird. Die Stelle ist derzeit ausgeschrieben. Das Interesse sei gross, sagt Ledergerber, über 90 Bewerbungen seien eingegangen. Die Geschäftsführerin oder der Geschäftsführer wird die zentrale Figur sein, die den Park operativ führen und gestalten muss. Das sei ein «Riesen-Challenge», eine gewaltige Herausforderung, sagt Ledergerber. Dass die Person aus der Ostschweiz komme, sei denkbar, aber nicht zwingend. Am Schluss sei die fachliche Qualifikation entscheidend. Gesucht wird eine erfahrene Führungsperson mit einem Hintergrund in Wirtschafts-, Ingenieur- oder Naturwissenschaften, mit hoher Affinität zu neuen Technologien. Wichtig sei, dass die Person den Innovationspark auch im internationalen Umfeld gut vertreten könne, betont Tinner.

Bühler-CEO, Empa-Chef und Spitaldirektorin im Verwaltungsrat

Bereits komplett ist der Verwaltungsrat, der für die strategische Führung des Innovationsparks zuständig ist. Ledergerber hat acht Personen aus Wirtschaft und Forschung ins Boot geholt:

Andrea Berlinger Schwyter, VR-Präsidentin der Toggenburger Medizinaltechnikfirma Berlinger, Gian-Luca Bona, Direktor der Empa, Andreas Christen, Mitglied der Geschäftsleitung der Aargauer Textilfirma Lantal, Beat Hirt, Anwalt und CEO der Ostschweizer Treuhandfirma Provida, Thomas Hirt, Chief Technology Officer bei der Liechtensteiner Medizinaltechnikfirma Ivoclar, Stefan Scheiber, CEO des Uzwiler Technologiekonzerns Bühler, Gabriela Senti, Direktorin Forschung und Lehre am Universitätsspital Zürich, und der St.Galler Paul Sevinç, Mitgründer der Onlineplattform Doodle.

Im Verwaltungsrat spiegeln sich die inhaltlichen Schwerpunkte des Innovationsparks: Gesundheitstechnik (inklusive Textilbereich), Maschinen, Elektro- und Metallindustrie sowie Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Zugleich ist die Exportwirtschaft gut vertreten, nebst Bühler sind etwa auch Berlinger und Lantal global tätig.

Ledergerber sieht bei der Vernetzung von Forschenden und Unternehmen noch grosses Potenzial in der Ostschweiz: «Allein am Kantonsspital St.Gallen sind etwa 80 habilitierte Professorinnen und Professoren tätig. Und an der Empa laufen stets rund 200 Doktorate.» Zweck des Innovationsparks sei es nun, den Prozess, der von den Erkenntnissen der Grundlagenforschung hin zu marktfähigen Produkten führe, zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Eigenkapital: Ziel von drei Millionen Franken ist übertroffen

Das erste finanzielle Ziel für den Innovationspark ist erreicht. Die St.Galler Regierung rechnete in ihrer Gesetzesbotschaft zunächst mit einem Startkapital von rund drei Millionen Franken. Jetzt sind es rund 3,5 Millionen Franken. Davon stammen rund 60 Prozent von der öffentlichen Hand und rund 40 Prozent von privaten Trägern. «Unser Ziel ist es, dieses Verhältnis umzukehren und das Kapital auf fünf Millionen Franken aufzustocken», sagt Ledergerber. Der Kanton St.Gallen unterstützt den Innovationspark auch mit einem A-fonds-perdu-Beitrag von zehn Millionen Franken, verteilt über die ersten zehn Jahre. Tinner und Ledergerber betonen aber: Nach dieser Aufbauphase soll der Park selbsttragend sein.

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