Forschung hält Exportmotor in Gang

Schon wieder Forschung: Zum zweiten Mal in Folge stimmen die St. Galler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über ein neues Forschungszentrum im Kanton ab. Das Bauprojekt für das Zentrum an der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) hat das Volk im September mit 77,7 Prozent der Stimmen befürwortet.

Adrian Vögele
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Schon wieder Forschung: Zum zweiten Mal in Folge stimmen die St. Galler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über ein neues Forschungszentrum im Kanton ab. Das Bauprojekt für das Zentrum an der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) hat das Volk im September mit 77,7 Prozent der Stimmen befürwortet. Nun steht der Entscheid über ein Forschungs- und Innovationszentrum an der Hochschule für Technik Buchs (NTB) an.

Auf den ersten Blick mag es übertrieben erscheinen, dass der Kanton den Ausbau von zwei Forschungsstandorten gleichzeitig in Angriff nimmt – im Zeitalter der Sparpakete erst recht. Doch auch wenn die neuen Zentren in Buchs und Rapperswil-Jona mit der anwendungsorientierten Forschung zugunsten der regionalen Wirtschaft ein gemeinsames Ziel haben: Die Ausgangslagen der beiden Projekte sind verschieden – und von Luxus kann bei näherer Betrachtung der beiden Fälle keine Rede sein. In Rapperswil-Jona geht es zunächst darum, das akute Platzproblem der Hochschule möglichst bald zu entschärfen. Die HSR braucht das Zentrum für ihre eigene Forschungstätigkeit.

In Buchs hingegen ist vorerst kein Bauprojekt geplant. Das Forschungs- und Innovationszentrum Rheintal (RhySearch) ist ein unabhängiges Institut, das seinen Betrieb in den Räumen der NTB aufnehmen soll. Initiantin ist nicht die Hochschule, sondern die Rheintaler Wirtschaft: Ihrer Forderung nach einer regionalen Forschungsstätte für den High-Tech-Bereich wollen der Kanton St. Gallen und das Fürstentum Liechtenstein nachkommen. Sie tun dies in einem vernünftigen Mass: Das Zentrum startet mit vier Mitarbeitern in überschaubarem Rahmen und soll sukzessive ausgebaut werden. Wie viel Geld der Kanton St. Gallen als Träger beisteuert, wird jährlich neu verhandelt, maximal werden es 1,67 Millionen Franken pro Jahr sein.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Kanton den Unternehmen Forschungs- und Entwicklungskosten abnimmt. Einen wesentlichen Teil der Forschungsarbeit am RhySearch bezahlen die Firmen als Auftraggeber selber, hinzu kommen Fördergelder des Bundes und der EU.

Die Gründung des Innovationszentrums macht Sinn, vor allem mit Blick auf die zahlreichen kleineren und mittleren Unternehmen in der Region, die in der High-Tech-Branche tätig sind. Im Gegensatz zu grossen Firmen fehlt ihnen oft das Geld für eine leistungsfähige Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Ein gemeinsames Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung schont die Ressourcen. Es hilft, den Exportmotor des Kantons St. Gallen mit stetigen Neuentwicklungen in Gang zu halten und leistet so einen Beitrag zur Erhaltung von Arbeitsplätzen. Das bedingt aber, dass die Firmen das Zentrum, dessen Infrastruktur der Kanton St. Gallen mitfinanziert, auch tatsächlich von Beginn weg nutzen und Forschungsaufträge erteilen. Nur ab einer gewissen Grösse wird das Forschungs- und Innovationszentrum für das Rheintal und den Kanton St. Gallen tatsächlich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor werden.

Zudem wollen sich renommierte nationale Forschungsstätten wie ETH und Empa am Projekt beteiligen – eine Chance, die der Kanton St. Gallen auf keinen Fall verpassen darf. Spitzenforschung sollte nicht nur im Glashaus stattfinden, sondern auch an der Front – in Wirtschaftsregionen, die von der Arbeit der Wissenschafter direkt profitieren. Umgekehrt wird der Kanton St. Gallen attraktiver für Fachkräfte – zunächst durch die Forschungsmöglichkeiten am RhySearch, in einem zweiten Schritt auch durch das Arbeitsplatzangebot der regionalen Wirtschaft. Angesichts dieser Vorteile erstaunt es nicht, dass sich die St. Galler Politik geschlossen hinter die Vorlage stellt – von der Regierung über das Parlament bis zu den Parteien.

Für ein Ja spricht schliesslich auch, dass das Zentrum als grenzüberschreitendes Projekt angelegt ist: Das Fürstentum ist mit im Boot, Vorarlberg und Graubünden könnten ebenfalls in die Trägerschaft einsteigen. Der Wirtschaftsraum Rheintal ist längst über die Grenzen hinweg zusammengewachsen. Es ist deshalb richtig, dass auch die Politik der beteiligten Länder und Kantone zu seiner Unterstützung zusammenarbeitet.

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