Formen bauen für verlorene Formen

Vom 2. bis 7. Juli findet in Leipzig die Berufsweltmeisterschaft statt – mit neun Teilnehmern aus der Ostschweiz. Heute: Pascal Sutter, Formenbauer aus Jonschwil.

Lara Wüest
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Pascal Sutter arbeitet in seinem Lehrbetrieb Benninger Guss AG in Uzwil an einem Modell. (Bild: Urs Jaudas)

Pascal Sutter arbeitet in seinem Lehrbetrieb Benninger Guss AG in Uzwil an einem Modell. (Bild: Urs Jaudas)

JONSCHWIL. «Die wenigsten Menschen haben eine Vorstellung davon, was ich beruflich mache», sagt Pascal Sutter. Der 22jährige Jonschwiler ist Formenbauer und vertritt die Zunft an der Berufsweltmeisterschaft in Leipzig. «Ich erstelle Formen für verlorene Formen.» Das bedeutet folgendes: Pascal Sutter stellt Modelle und Prototypen aus Holz oder Kunststoff her. Diese werden in der Maschinen-, Fahrzeug- oder in der Giessereiindustrie verwendet. Das Modell dient als Vorlage für die Herstellung eines Reliefs aus Sand. In dieses Relief, eine Negativform, wird später das Flüssigeisen gegossen. Nachdem das Eisen abgekühlt ist, wird das Sand-Relief zerstört, damit der Guss entfernt werden kann. Deshalb nennt man das Relief verlorene Form – Sutters Modell dient der Herstellung dieser verlorenen Form.

«Gold sollte machbar sein»

Pascal Sutter ist ein ruhiger und zurückhaltender Mensch: «In meinem Umfeld wissen nur meine Eltern und ein paar wenige Arbeitskollegen, dass ich an der Weltmeisterschaft teilnehme.» Er mache das für sich, er sieht sie als Möglichkeit, sich ein Netzwerk aufzubauen. Um den Leuten in Erinnerung zu bleiben, hat er sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: «Ich trete nur gegen acht Teilnehmer an, da sollte Gold machbar sein.» Mit seinen Gegnern setzt er sich aber nicht näher auseinander. Das nütze nichts, die hätten eine andere Arbeitsweise und würden sich anders vorbereiten. «Die Teilnehmer aus dem asiatischen Raum sollen zwei Jahre für die WM trainieren», hat Sutter vernommen.

Schlechter vorbereitet fühlt er sich dennoch nicht. Die Schweizer Meisterschaft im vergangenen November sei ein gutes Training gewesen. Derzeit verbringt er zudem fast jede freie Minute vor dem Computer und übt sich im Modellzeichnen – ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit.

«Ein bisschen muss man sich aber auch auf das Glück verlassen», sagt er. Entweder liege einem ein Modell oder nicht. Was Sutter bauen muss, geben die Experten im April bekannt. Es wird aber mit Sicherheit ein Modell aus Kunststoff sein und nicht aus Holz. Das findet Sutter schade, da er am liebsten mit Holz arbeitet. «Meine Familie besitzt ein Stück Wald.» Da habe er bereits als Knabe Bäume gefällt und Holz gehackt. Dennoch entschied er sich gegen eine Lehre zum Forstwart oder Schreiner. Die Arbeit des Formenbauers sei derjenigen eines Schreiners nicht unähnlich. Ausschlaggebend sei letzten Endes das Team gewesen. Die Entscheidung hat er nicht bereut. «Wer weiss, ob ich in einem anderen Betrieb auch so weit gekommen wäre?»

Herausforderung: Handarbeit

Die Herausforderung an der Weltmeisterschaft sieht Pascal Sutter aber nicht im Material, sondern in der Arbeitstechnik. «Wir werden alles von Hand herstellen müssen», sagt der Jonschwiler, «das bin ich mich nicht gewohnt.» In seinem Lehrbetrieb arbeiten sie mehrheitlich mit CNC-Fräsen. Positiv sei aber die Abweichungstoleranz von zwei Zehntel Millimetern. «Das ist relativ viel und von Auge noch erkennbar.»

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