Folge 9: Köbis Liebe in der Hafenstadt

Schon wieder stockdicker Nebel in Rorschach. In Herisau scheint zwar die Sonne, dafür fehlt dort seit gestern der Christbaum beim Obstmarkt.

Bruno Knellwolf
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Schon wieder stockdicker Nebel in Rorschach. In Herisau scheint zwar die Sonne, dafür fehlt dort seit gestern der Christbaum beim Obstmarkt. Doch das Grau, so zäh wie die Bundesratswahl am Vortag, stört Köbi Tobler nicht, denn allein schon der Name Rorschach bringt seine Hormone in Wallung. Angela hiess die wunderschöne Italienerin aus der Multikulti-Hafenstadt, die dem jungen Köbi einst den Kopf verdreht hatte. Wie gerne wäre er damals mit der Engelhaften am sonnigen Uferweg entlang gelaufen, um sich mit ihr Hand in Hand bei der Badhütte ins Wasser zu stürzen. Doch der feurigen Angela war nicht nach einem Köbi, eher nach einem Eros. Etwas mehr Integration hätte sich Tobler damals gewünscht.

Nun hat Köbi seine Barbara und die hat ihm den Tip gegeben, mal in Rorschach nach dem Baum zu sehen – weibliche Intuition halt. Doch auf dem Marktplatz steht der Christbaum noch in voller Grösse, so weit Köbi das durch den dicken Nebel erkennen kann. Mit den Gedanken bei Angela sitzt der Reporter danach in der Caffè Bar Pasticceria La Vela mit Blick auf das stolze Kornhaus. Alles ist adventlich ruhig beim Hafen. Der Schiffsverkehr ist schon seit Wochen eingestellt, die Schiffe nach Lindau legen erst wieder Ende März ab. Deshalb wundert sich der Reporter, einen Cappuccino schlürfend, über die Aktivität am Ufer. Ein Transportschiff hat trotz niedrigem Wasserstand angelegt, zwei ähnlich aussehende Männer steigen aus, besprechen sich mit einigen jungen, dickvermummten Männern. Noch bevor der Schaum auf dem Cappuccino weg ist, sieht Köbi durch den Nebel, wie Maskierte in einer Reihe über die Hauptstrasse rennen – den Christbaum auf deren Schultern. Sie setzen auf das Schiff über, das sofort in Richtung Westen verschwindet.

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