FÖRDERGELDER: Die Vorlieben der Mäzene

Die Zahl der Stiftungen in der Schweiz und in der Ostschweiz ist auch im vergangenen Jahr wieder gestiegen, wie ein aktueller Bericht zeigt. Das meiste Geld fliesst in Projekte in den Bereichen Kultur und Sozialdienste.

Katharina Brenner
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Die Heinrich-Gebert-Kulturstiftung Appenzell, zu der das Kunstmuseum Appenzell gehört, prägt gemäss dem Schweizer Stiftungsreport das Bild der Stiftungen in der Ostschweizer Öffentlichkeit. (Bild: Claudio Heller)

Die Heinrich-Gebert-Kulturstiftung Appenzell, zu der das Kunstmuseum Appenzell gehört, prägt gemäss dem Schweizer Stiftungsreport das Bild der Stiftungen in der Ostschweizer Öffentlichkeit. (Bild: Claudio Heller)

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

Wo Geld ist, gibt es Stiftungen – umgekehrt gilt dasselbe. «Appenzell Innerrhoden war traditionell ein armer Kanton», sagt Marco Seydel, zuständig für die Stiftungsaufsicht beim Innerrhoder Volkswirtschaftsdepartement. Deshalb seien dort erst spät Stiftungen entstanden. «Fonds für Appenzeller Käse» ist die älteste noch eingetragene Stiftung in Innerrhoden; gegründet 1946. «Für die Grösse des Kantons haben wir heute aber ein breites und aktives Stiftungswesen», sagt Seydel. 32 Stiftungen sind es gemäss dem aktuellen Schweizer Stiftungsreport – so wenige wie in keinem anderen Kanton. Die meisten weist Zürich auf: 2262. Es folgen die Kantone Waadt mit 1413, Bern mit 1380 und Genf mit 1174. Insgesamt gibt es in der Schweiz 13172 Stiftungen. Die Zahlen des aktuellen Reports kommen aus dem Jahr 2016. Im Jahr 2015 hatte die Schweiz 13075 Stiftungen. Damit bleibt sie eines der Länder in Europa mit den meisten Stiftungen. Einzig Liechtenstein und Ungarn haben noch mehr.

Im interkantonalen Vergleich steht St. Gallen an neunter Stelle mit 504 Stiftungen. In der gesamten Ostschweiz sind es rund 900. Der Stiftungsreport aus dem vergangenen Jahr hat diese genauer betrachtet. Die Verantwortlichen – der Verband der Schweizer Förderstiftungen und je ein Forschungszentrum an den Universitäten Basel und Zürich – legen jedes Mal den Fokus auf eine andere Region. In diesem Jahr ist es die Westschweiz, im vergangenen war es die Ostschweiz. Spezifische Zahlen zu den Kantonen St. Gallen, Thurgau und den beiden Appenzell stammen deshalb aus dem Jahr 2015 (siehe Grafik). Die Zahl der Ostschweizer Stiftungen hat sich seitdem jedoch kaum verändert. Wie auch auf landesweiter Ebene engagieren sich die meisten in der Region ansässigen in den Bereichen Kultur und Freizeit.

Förderung im Bereich Bildung wegen Universität

Der Kanton St. Gallen habe wegen der Universität deutlich mehr wissenschaftsfördernde Stiftungen als die Kantone rund herum, sagt Georg von Schnurbein von der Universität Basel, der am Center for Philanthropy Studies den Stiftungsreport betreut. Während die ältesten noch existierenden Stiftungen bereits aus dem Mittelalter stammten – das Bürgerspital St. Gallen ist eine Stiftung von 1228 – gebe es Stiftungen in der heutigen Rechtsform seit dem Jahr 1912. Der Report hält fest, dass die Ostschweiz als kirchliches Zentrum mit einer frühen Industrialisierung und internationaler Bekanntheit wichtige Voraussetzungen für ein bedeutsames Stiftungswesen bietet. Seit 1990 sei das Stiftungswesen in der Ostschweiz «explosionsartig gewachsen». «Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang mit der Zunahme an privatem Reichtum und Stiftungsgründungen» sagt von Schnurbein. Nur wo frei verfügbares Vermögen bestehe, würden Stiftungen gegründet. Das sei nicht nur in der Ostschweiz so, sondern schweizweit, in Deutschland und auch in den USA. 60 Prozent der heutigen Stiftungen seien nach 1990 gegründet worden.

Der private Reichtum, der auch hinter den Ostschweizer Stiftungen steckt, zeigt sich in ihrem Vermögen. In St. Gallen sind es gemäss Report 1,1 Milliarden Franken, im Thurgau 335 Millionen Franken, in Ausserrhoden 300 Millionen Franken und in Innerrhoden 130 Millionen Franken. Die Stiftungsräte arbeiten allerdings ehrenamtlich. In der Ostschweiz waren Ende 2015 insgesamt 9115 Stiftungsräte im Handelsregister eingetragen. Der Bericht formuliert die erfolgreiche Nachfolgeplanung als eine zentrale Herausforderung von Stiftungen. Die grossen Ostschweizer Stiftungen haben damit kein Problem. Das bestätigen die Max-Schmidheiny-Stiftung, die Ria und Arthur-Dietschweiler-Stiftung sowie die Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell auf Anfrage. Gemäss dem Report prägen diese drei das Bild der Stiftungen in der Ostschweizer Öffentlichkeit. Die Max-Schmidheiny-Stiftung ist an der Universität St. Gallen angesiedelt und fördert eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Der bedeutendste Förderschwerpunkt der Ria und Arthur-Dietschweiler-Stiftung ist der Bereich Demenz. Und die Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell, die auf dem Erfolg der Sanitärfirma Geberit gründet, fördert die Vermittlung Bildender Kunst und klassischer Musik.

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