FLUGVERKEHR: Fellmützen auf Glatteis

In Altenrhein herrscht während des Weltwirtschaftsforums Ausnahmezustand: Zeitweise landen die Businessjets im Minutentakt – und die Parkräume sind knapp. Das Winterwetter fordert das Personal zusätzlich.

Adrian Vögele
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In Altenrhein sind derzeit viele grosse Businessjets zu sehen, wie diese Bombardier Global 6000 (vorne): Sie brachte vier Passagiere aus Moskau. (Bild: Ralph Ribi)

In Altenrhein sind derzeit viele grosse Businessjets zu sehen, wie diese Bombardier Global 6000 (vorne): Sie brachte vier Passagiere aus Moskau. (Bild: Ralph Ribi)

Adrian Vögele

adrian.voegele

@tagblatt.ch

Eine steife Bise aus Nordost weht über den Flugplatz – ein giftiger Seitenwind für die Piloten, die an diesem Vormittag hier landen. Zwischendurch befreien Spezialfahrzeuge die Piste von Schnee, mit Pflug, Bürste und Gebläse. Viel Zeit haben die Fahrer nicht: Der Andrang aus der Luft ist gross. Gerade ist ein Langstrecken-Geschäftsflugzeug mit vier Passagieren aus Moskau gelandet. Sein Äusseres verrät nichts über seine Herkunft, laut Kennzeichen ist es auf der (steuergünstigen) Isle of Man eingetragen.

Das Bodenpersonal parkiert den 40-Millionen-Franken-Jet vorsichtig auf dem bereits dicht besetzen Rollweg, die Crew wird mit einem schwarzen Audi abgeholt und zum Terminal chauffiert. Dort steigen die Piloten und Flugbegleiterinnen aus, wechseln einige Wort auf Russisch, jemand setzt eine Fellmütze auf. Die Passagiere des Flugzeuges sind schon nicht mehr zu sehen – sie dürften bereits weitergereist sein, per Limousine oder Helikop­ter.

Wenn sich auf dem Flugplatz Altenrhein solche Szenen abspielen, ist klar: In Davos hat das Weltwirtschaftsforum begonnen.

Parkieren will geplant sein

330 bis 350 zusätzliche Flugbewegungen (Starts und Landungen) werden diese Woche in Altenrhein erwartet. Die Geschäftsflugzeuge kommen aus aller Welt, etwa aus Malaysia, Kanada und den USA – und die Raumkapazitäten werden voll ausgeschöpft: Am Abend des ersten WEF-Tages werden rund 50 Maschinen in den Parkräumen des Flugplatzes abgestellt sein. Damit kein Chaos entsteht, ordnen Ramp-Manager Toni Winet und sein Team die Flugzeuge so an, dass jene, die als erste wieder abfliegen, zuvorderst sind. «Das muss man sorgfältig planen», sagt Winet. Dennoch kann es vorkommen, dass die Kundschaft des hintersten Jets plötzlich früher starten will – dann geht das grosse Rangieren los.

Welche der illustren WEF-Gäste in Altenrhein ankommen, kann CEO Daniel Steffen nicht sagen: «Der Grund ist simpel: Wir wissen es selber nicht.» Die meisten hochrangigen WEF-Teilnehmer reisen über Zürich an. Dennoch sind unter den Flugzeugen in Altenrhein viele grosse Kaliber zu sehen. «Wir beobachten einen Trend hin zu immer grösseren Businessjets», sagt Steffen. Angekündigt sind für diese Woche auch Maschinen aus der Grössenordnung der Verkehrsflugzeuge, wie Boeing 737 oder Airbus A319. Der CEO erwähnt zudem die Regierungsdelegation aus Estland, die jeweils in – wenig luxuriösen – Militärmaschinen unterwegs sei, etwa mit einer viermotorigen Lockheed C-130 Hercules. Ob diese grossen Flugzeuge diese Woche tatsächlich in Altenrhein landen, ist aber noch unklar.

Zehntausend Franken für einen grossen Businessjet

Das Winterwetter fordert das Bodenpersonal zusätzlich: Mit dem Schneeräumen auf der Piste und den Rollwegen ist es nicht getan. Bei Niederschlag und tiefen Temperaturen müssen die Flugzeuge vor dem Start enteist werden. Das kostet Zeit. Gleichzeitig bringt es dem Flugplatz zusätzliche Einnahmen – mehrere Tausend Franken pro Flugzeug. Insgesamt kann die Rechnung für den Stop eines grossen Businessjets in Altenrhein – inklusive Gebühren, Handling, Catering und so weiter – rasch zehntausend Franken betragen.

Der Umsatz während des WEF sei für den Flugplatz bedeutend, sagt Steffen: «In diesen vier Tagen generieren wir 15 Prozent unserer Jahreseinnahmen.» Aber auch für die Region habe der zusätzliche Flugverkehr Vorteile, etwa in der Hotellerie: «Viele Besatzungen übernachten hier in der Umgebung.»