Flugunfall in Amlikon: Die Piloten riskierten zu viel

Der Bund hat den Startunfall eines Segelflugzeuges in Amlikon untersucht: Die beiden Piloten hätten zu wenig Erfahrung mit dem Flugzeugtyp gehabt, lautet das Fazit. 

Adrian Vögele
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Segelflugzeug auf dem Flugplatz Amlikon (Symbolbild).

Segelflugzeug auf dem Flugplatz Amlikon (Symbolbild).

Barbara Hettich

Der Himmel war wohl einfach zu verlockend, damals am 18. Juli 2018. Diesen Eindruck erhält, wer den Schlussbericht des Bundes zum Unfall eines Segelflugzeugs auf dem Flugplatz Amlikon liest. Nach eineinhalb Jahren Untersuchung kommen die Experten zum Schluss, dass die beiden Insassen – ein Pilot und ein Fluglehrer – zu viele Risiken eingingen, und zwar schon beim Start.

Der Flug endete bereits eine Minute nach dem Anrollen auf der Graspiste: Das Flugzeug hob zwar ab, sackte dann aber durch und schlug hart auf den Boden auf. Währen der Pilot auf dem vorderen Sitz unverletzt blieb, brach sich der Fluglehrer auf dem hinteren Sitz einen Rückenwirbel. Beide konnten das beschädigte Flugzeug aus eigener Kraft verlassen.

Mit ausklappbarem Motor gestartet

Die Piloten hatten die nötigen Lizenzen für den Flug. Die Krux lag in der Startmethode: Das betroffene Segelflugzeug vom Typ Nimbus-4DM hat einen ausklappbaren Propellermotor hinter dem Cockpit, der es den Piloten erlaubt, ohne Hilfe eines Schleppflugzeugs oder einer Seilwinde zu starten – Eigenstart nennt sich das in der Fachsprache. Der Pilot hatte noch nie einen solchen Eigenstart durchgeführt. Er hatte lediglich im freien Flug schon einige Male das Klapptriebwerk ausgefahren.

Der Fluglehrer verfügte zwar über Eigenstart-Erfahrung – jedoch hauptsächlich auf anderen Segelflugzeugtypen. Wie es im Bericht der Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) heisst, ging der Fluglehrer davon aus, dass ein Eigenstart mit der Nimbus-4DM «problemlos» wäre – wegen seines aktuellen Trainings auf anderen Typen, und wegen seiner positiven Einschätzung des Piloten.

Den Start mit dem Klappmotor zu trainieren, war an diesem Tag allerdings nicht das Ziel der beiden. «Der Pilot und der Fluglehrer wollten in erster Linie gemeinsam einen Streckenflug unternehmen», schreiben die Autoren des Berichts. «Den Eigenstart nahmen sie in Kauf, weil keine Möglichkeit für eine andere Startmethode bestand.»

Der Fluglehrer habe allerdings letztmals drei Jahre zuvor Eigenstarts mit einer Nimbus-4DM absolviert, der Pilot sei noch gar nie mit Klapptriebwerk gestartet. «Damit waren die Voraussetzungen für diesen Flug risikobehaftet», heisst es im Bericht. Das Startverfahren bedinge «eine spezielle und typenspezifische Ausbildung».

Fluglehrer bemerkte Fehler des Piloten nicht

Beim Eigenstart mit diesem Flugzeugtyp muss der Pilot gleichzeitig das Flugzeug steuern, den Motor bedienen und dann auch noch im richtigen Moment die Wölbklappen am Flügel verstellen. Das ist gemäss Bericht selbst für erfahrene Segelflugpiloten «anspruchsvoll».Am Tag des Unfalls kam noch hinzu, dass keine Hilfsperson anwesend war, die den Flügel des Flugzeugs beim Anrollen hätte waagrecht halten können.

Durch das Anrollen mit der Flügelspitze am Boden habe die Besatzung «eine zusätzliche Erschwernis» in Kauf genommen, schreiben die Experten der SUST. Das Flugzeug hob zwar plangemäss ab, doch dann hielt der Pilot wohl das Höhensteuer zu stark gezogen – was der Fluglehrer nicht bemerkte, weil er mit der Überwachung des Motors beschäftigt war. Der Anstellwinkel des Flugzeugs wurde zu steil, und es sackte durch.

Zu geringe Erfahrung und «mangelndes Risikobewusstsein» hätten zum Unfall geführt, schreibt die SUST. Sie empfiehlt den zuständigen Behörden eine Verschärfung der Ausbildungsvorschriften für Segelflugzeuge mit Klappmotor.