FLüchtlingsbegleitung
Abbau bei der Thurgauer Peregrina-Stiftung: 15 Mitarbeiter betroffen

Die dritte Etappe der Neustrukturierung des Thurgauer Asylwesens schüttelt die Peregrina-Stiftung durch. Sie verliert die Zuständigkeit für Integration und Sozialhilfe. Das trifft 15 ihrer insgesamt 50 Mitarbeiter.

Christian Kamm
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Erläuterten die dritte Etappe der Neustrukturierung des Asylwesens: Cornelia Komposch, Chefin des Departements für Justiz und Sicherheit, sowie Urs Martin, Chef des Departements für Finanzen und Soziales.

Erläuterten die dritte Etappe der Neustrukturierung des Asylwesens: Cornelia Komposch, Chefin des Departements für Justiz und Sicherheit, sowie Urs Martin, Chef des Departements für Finanzen und Soziales.

Bild: Donato Caspari (20. Januar 2021)

Seit die Schweizer Stimmbevölkerung 2016 die Vorlage für beschleunigte Asylverfahren angenommen hat, ist auch der Asylbereich im Thurgau in Bewegung. Zwei Etappen im Rahmen der Umsetzung des Bundesrechts sind bereits realisiert.

Nun haben Regierungsrätin Cornelia Komposch (Justiz und Sicherheit) und Regierungsrat Urs Martin (Finanzen und Soziales) die dritte Etappe vorgestellt. Diese reorganisiert die Zuständigkeiten für Integration und Sozialhilfe für anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene.

Doppelspurigkeit ausräumen

Bis anhin hatte in diesem Bereich die Peregrina-Stiftung den Lead – allerdings nur bei anerkannten Flüchtlingen. Zu diesem Zweck wurde am Standort Sulgen die Flüchtlingsbegleitung aufgebaut. Die Stiftung führt im Auftrag des Kantons zudem schon seit 1985 die kantonalen Durchgangsheime.

Anders die Kompetenzenregelung bei den vorläufig Aufgenommenen: Hier richtet die Wohngemeinde die Sozialhilfe aus, und für die Integrationsmassnahmen ist die betreffende Fachstelle im Amt für Migration zuständig. Eine Doppelspurigkeit, für die es keine fachliche Notwendigkeit gebe, wie Komposch erläuterte. Sie verursache Mehraufwand und Unsicherheiten. Und wird jetzt Ende 2021 beendet. Regierungsrätin Komposch:

«Jetzt ist der richtige Moment, um Verantwortlichkeiten zu überdenken.»

Einschneidender Entscheid

Als Alternative hat die Regierung mehrere Varianten geprüft und sich mit der Firma Ecoplan eigens externen Support geholt. Resultat: Projektorganisation und Regierungsrat haben sich dafür entschieden, dass es künftig nur noch zwei Player in diesem Bereich geben soll. Die Fachstelle Integration wird für die Integration von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen zuständig sein, die Gemeinden für die Sozialhilfe. Die Peregrina-Stiftung fällt aus den Traktanden. Rund ein Viertel ihres Gesamtbetriebs ist betroffen.

Urs Martin räumte ein, dass der Entscheid für die Peregrina-Stiftung einschneidend sei, «vor allem für die betroffenen Mitarbeiter». Er sei am Dienstag deshalb in Sulgen vor Ort gewesen, um zu informieren:

«Wir wollen uns Mühe geben, um für sie eine gute Anschlusslösung zu finden.»

Der Kanton stelle die Peregrina-Stiftung nicht etwa in Frage, sondern diese kehre jetzt zu ihrem Kernauftrag zurück.

Gemeinden kritisieren Stiftung

Cyrill Bischof, Präsident des Stiftungsrates der Peregrina-Stiftung.

Cyrill Bischof, Präsident des Stiftungsrates der Peregrina-Stiftung.

Bild: Reto Martin

Auch Cyrill Bischof, Präsident des katholischen Kirchenrates und in dieser Funktion auch Präsident der Peregrina-Stiftung, wollte im Schritt des Kantons, den er bedaure, «keine Misstrauensfrage» sehen. Das Ganze habe auch nichts mit dem laufenden Reorganisationsprozess innerhalb von Peregrina zu tun. Aus Bischofs Sicht ist der Regierungsrat von der Qualität der Stiftung überzeugt.

Im Schlussbericht zur dritten Etappe der Neustrukturierung liest sich das allerdings differenzierter. So haben im Rahmen einer Online-Umfrage unter den Thurgauer Gemeinden 25 der antwortenden 68 Gemeinden die Leistungen der Stiftung «als (eher) nicht gut» taxiert. Kritisiert wurden unter anderem mangelnde Fachkenntnisse, Transparenz, Kontrolle und Sanktionierung. Auch von Kantonsseite wurde gemäss Bericht Kritik geäussert: etwa mangelndes Reporting oder beschränkte Offenheit für Neues.

Für kleinere Gemeinden ein Problem?

Denise Neuweiler, Gemeindepräsidentin Langrickenbach.

Denise Neuweiler, Gemeindepräsidentin Langrickenbach.

Bild: PD

Denise Neuweiler, die als Delegierte des Verbands Thurgauer Gemeinden an der Medienorientierung teilnahm, begrüsste denn auch, dass mit der Neuorganisation die Gemeinden frühzeitig in die Integration einbezogen würden. Allerdings rechnet der Kanton damit, dass vor allem kleinere Gemeinden zu Beginn überfordert sein könnten, weil sie spezifisches Know-how aufbauen müssen. Martin wie Neuweiler setzen deshalb auch auf Verbundlösungen oder die Möglichkeit, Leistungen Dritter einzukaufen.

Hier schliesst sich der Kreis wieder zur Peregrina-Stiftung. Denn Bischof regte die Schaffung eines Pools mit ehemaligen Mitarbeitenden der Stiftung an, die künftig im Auftrag von Gemeinden arbeiten könnten. «Aber das müssen die Gemeinden entscheiden.» Ebenso geht Bischof davon aus, dass bei gleicher Qualifikation die bisherigen Peregrina-Mitarbeiter einen Vorrang hätten bei Stellenbesetzungen.

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