Florierendes Cannabisgeschäft

Zwei Männer haben in St. Gallen in grossem Stil Cannabishandel betrieben. Der Umsatz belief sich auf weit über zwei Millionen Franken. Ihnen drohen Freiheitsstrafen von fünf und knapp sechs Jahren.

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ST. GALLEN. Zwei heute 32-Jährige bauten ab Oktober 2003 ein florierendes Drogengeschäft auf. Zuerst verkauften sie die Drogen selber, später stellten sie in verschiedenen Hanfshops in St. Gallen Verkäufer ein. Bei Polizeikontrollen sollten diese sagen, sie würden das Geschäft in eigenem Namen und auf eigenes Risiko betreiben. Die Staatsanwaltschaft bezifferte die Menge der gehandelten Drogen auf rund 250 Kilogramm Cannabis mit einem Umsatz von weit über zwei Millionen Franken.

Drogenhandel ist allerdings nicht der einzige Vorwurf, den sich die Männer gestern vor Kreisgericht gefallen lassen mussten. Der erste Beschuldigte, ein in der Schweiz wohnhafter Kroate, wurde auch wegen Freiheitsberaubung unter erschwerten Umständen und Vernachlässigung von Unterhaltspflichten angeklagt. Sein Kollege, ein Schweizer mit Wurzeln in Ex-Jugoslawien, musste sich zudem wegen Hehlerei, mehrfacher versuchter Nötigung und falscher Anschuldigung verantworten.

Entführung und Hehlerei

Zum einen ging es darum, dass der Schweizer Männer bedrohte, um sie zu falschen Aussagen zu bewegen. Zum andern soll er einen Mitarbeiter genötigt haben, von dem er dachte, er habe im Hanfshop nicht richtig abgerechnet. Der Kroate dagegen war am Rande in eine Entführungsgeschichte verwickelt. Dabei ging es um einen Mann, der einen Lamborghini veruntreute und aus dem illegalen Geschäft eine grössere Summe herausholte. Eine Gruppe von Kollegen hörte von der Geschichte, entführte den Mann und erpresste Geld von ihm. Die beiden Männer waren an der Verhandlung am Kreisgericht St. Gallen in weiten Teilen geständig, relativierten aber einige der Vorwürfe. Zudem bestritten sie die Höhe der gehandelten Drogenmenge und des Umsatzes. Thema waren auch Liegenschaften in Bosnien, in welche die Beschuldigten investiert hatten. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass sie mit dem Erlös aus den Drogengeschäften gekauft wurden und liess sie von den dortigen Behörden beschlagnahmen. Das Geld stamme aus Erbschaften, erklärten die beiden.

Der Staatsanwalt beantragte unbedingte Freiheitsstrafen von fünf Jahren beziehungsweise fünf Jahren und acht Monaten. Die beiden seien zu verpflichten, dem Staat in solidarischer Haftung eine Ersatzforderung von insgesamt 650 000 Franken zu bezahlen; dies für nicht mehr vorhandene Erlöse aus dem Drogenhandel.

Urteil steht noch aus

Die beiden Verteidiger machten geltend, dass die Rechte ihrer Mandanten von den Behörden verletzt worden seien. Den Antrag auf Ersatzforderung wiesen sie zurück. Bei der verkauften Menge Cannabis handle es sich zudem höchstens um 117 Kilogramm, erklärte ein Verteidiger. Er verlangte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten. Auch der zweite Verteidiger erachtete das von der Anklage beantragte Strafmass als zu hoch. Man müsse bedenken, dass es sich bei der Droge um Cannabis und nicht etwa Heroin handle. Er beantragte einzelne Freisprüche und eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten. Das Urteil wird nächste Woche erwartet. (cis)

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