FLOP: Ein Bauprojekt spaltet das Dorf

In Wald kommt es zum Eklat: Fünf Gemeinderäte treten zurück. Sie kritisieren die Gemeindepräsidentin scharf. Noch immer spielt dabei das Dorfzentrum eine Rolle.

Jesko Calderara
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Gemeindepräsidentin Edith Beeler steht im Gegenwind. (Bild: APZ)

Gemeindepräsidentin Edith Beeler steht im Gegenwind. (Bild: APZ)

Seit Jahren sorgt die Gemeinde Wald für negative Schlagzeilen. Der Tiefpunkt folgte im Herbst dieses Jahres: Marlis Bänziger, Simone Brunetta, Sonja Blatter und Martin Roth geben per Ende Mai 2018 ihren Rücktritt aus dem Gemeinderat bekannt. Diesen Schritt bereits im September getan hat Eugen Koller. Im Amt bleiben wollen einzig Gemeindepräsidentin Edith Beeler und der im März gewählte Gemeinderat Helmut Westermann. Damit müssen auf das Amtsjahr 2018/19 gleich fünf der sieben Sitze im Gemeinderat neu besetzt werden.

Grund für die Rücktritte sind unter anderem Querelen rund um das geplante Dorfzentrum. Die Überbauung mit Räumlichkeiten für die Gemeindeverwaltung, einem Spar-Laden und Wohnungen spaltet das Dorf. Kritiker halten das Vorhaben finanziell für nicht tragbar. Die bisherigen Abstimmungen dazu fielen jeweils knapp aus. An den Gemeindeversammlungen war die Stimmung teilweise gehässig. Stark für das Projekt hatte sich der frühere Gemeindepräsident Jakob Egli engagiert. Er polarisierte und wurde 2015 abgewählt. Stattdessen kam die jetzige Amtsinhaberin ans Ruder.

Keine Entspannung mit Supervision

Die Streitigkeiten wirken sich bis heute auf das Arbeitsklima im Gemeinderat aus. Dass es innerhalb des Gremiums Probleme gibt, war schon längere Zeit bekannt. Eine Supervision brachte nicht den gewünschten Erfolg. Die Regierung hat eine Aufsichtsbeschwerde der Gemeindepräsidentin gegen den Rest des Gemeinderats gutgeheissen. Jene gegen Beeler wies er dagegen ab.

Laut den fünf zurücktretenden Gemeinderäten fehlt Beeler die Kompetenz, eine Gemeinde zu führen. Auch sei diese nicht zu Veränderungen bereit. Beeler zeigte sich wenig überrascht über die neusten Entwicklungen. Die Abgänge bezeichnete sie gar als Chance für Wald. Unbestritten werde wertvolles Know-how verloren gehen. Über die Gründe der Demissionen wollte sie nicht spekulieren. Bei einigen Gemeinderäten hat nach Ansicht Beelers das Zeitmanagement nicht gestimmt. Den Aufwand für das Amt bezifferte sie auf ungefähr 20 Prozent.

Diesen Vorwurf wiesen die Betroffenen vehement von sich. Demnach war für keinen der zurücktretenden Gemeinderäte die zeitliche Belastung ein Grund gewesen, das Amt niederzulegen.

Nominationsversammlung im Januar

Doch in Wald gab es auch positive Neuigkeiten. So konnten für die Ersatzwahlen in den Gemeinderat vom 8. April bereits fünf Bewerber gefunden werden. Es sind sowohl langjährige Bewohner als auch kürzlich Zugezogene darunter. Seit der öffentlichen Versammlung im November sind die Kandidaturen von Enza Welz-Sonderegger, Thomas Fry und Thomas Stahr bekannt. Inzwischen haben zudem Claudia Jann und Nicolo Abate ihr Interesse an einem Sitz im Gemeinderat bekannt gegeben. Die Nominationsversammlung findet im Januar statt.

Jesko Calderara

jesko.calderara

@appenzellerzeitung.ch

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