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«Flirt mit der Schweiz ist nur Koketterie»

Anschluss Das Abstimmungsresultat war an Deutlichkeit kaum zu überbieten: Über 80 Prozent der Vorarlberger wollten 1919 den Anschluss an die Schweiz (Ausgabe vom 6. Februar). Doch der Bundesrat zeigte diesem «Heiratsantrag» die kalte Schulter und ging nicht auf das Begehren der Vorarlberger ein.

Obwohl sie nicht erwidert wurde, blieb die Liebe auf der anderen Seite des Rheins bestehen: 2008 war noch immer die Hälf-te der Vorarlberger dafür, der 27. Schweizer Kanton zu werden, wie eine Umfrage des ORF zeigte. Und 2010 zeigte eine Umfrage der «Weltwoche», dass 52 Prozent der Stimmberechtigten in Vorarlberg einen Anschluss an die Schweiz befürworten würden.

Das Liebäugeln mit der Schweiz scheint verständlich. Schliesslich liegt die österreichische Hauptstadt Wien mit 510 Kilometern mehr als dreimal so weit weg von der Vorarlberger Landeshauptstadt Bregenz wie Bern – und damit fast so weit wie Paris.

Abwehrreflex gegen alles Wienerische

Diese Umfrageergebnisse will Gerold Riedmann, Chefredaktor und Geschäftsführer der Vorarlberger Nachrichten, nicht für bare Münze nehmen – auch wenn sich auf seinem Portal «Vol.at» ebenfalls eine Mehrheit für den Wechsel ausspricht. Das gehört für Riedmann zur «Koketterie der Vorarlberger»: Man grenze sich vom übrigen Österreich ab und habe einen starken Abwehrreflex gegen alles Wienerische.

Ein Beispiel dafür ist die Fussach-Affäre: In der gleichnamigen Gemeinde am Bodensee sollte 1964 ein Schiff der Bundesbahnen nach dem ehemaligen Bundespräsidenten Karl Renner benannt werden – die Landesregierung hatte hingegen den Namen «Vorarlberg» vorgeschlagen. Just diesem Politiker warf man vor, sich nach der Abstimmung 1919 nicht stark genug für den Anschluss Vorarlbergs an die Schweiz engagiert zu haben. Die Taufe wurde schliesslich von einer aufgebrachten Menge von rund 20000 Demonstranten verhindert, die österreichische Flagge heruntergerissen und das Schiff «notgetauft» – die MS Vorarlberg ist noch heute auf dem Bodensee unterwegs. (jw)

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