Glosse

Scharfgezeichnet: Fliegen im Wahlkampf

60 Prozent der Insektenarten sind in der Schweiz bedroht. Im Wahlkampf vermehren sich einige seltene Unterarten aber ausserordentlich rasch.  

Kaspar Enz
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Die glänzende Binsenjungfer ist bedroht. (Bild: Albert Krebs)

Die glänzende Binsenjungfer ist bedroht. (Bild: Albert Krebs)

Insekten haben es hierzulande schwer. Rund 60 Prozent von ihnen sind bedroht, warnt das Forum für Biodiversität Schweiz: Die gebänderte Heidelibelle, der dunkle Wieseknopf-Ameisenbläuling oder die glänzende Binsenjungfer stehen auf der Roten Liste!

Aber dieses Jahr wird für manche Arten besonders gut! Im Kanton St. Gallen sind sie bereits im Frühjahr geschlüpft. Bis zum 20. Oktober wird es überall von ihnen wimmeln. Da wäre der Wendehalsige Kreisflügler. Diese Unterart der Schmeissfliege surrt meist um einen Kartoffelstock, eine Polenta oder sonst einen heissen Brei und lässt sich nur selten auf einem klaren Standpunkt nieder.

Eng verwandt ist sie mit dem Biegsamen Ohrenschleimer, der seinen flexiblen Körper nutzt, um tief in die Ohren der Wähler vorzustossen. Im Umfeld von Festzelten fühlt sich der Grummlige Polterkäfer am wohlsten. Dessen charakteristisches Brummeln spaltet die Wähler meist in zwei Lager.

Doch nicht alle Insekten haben vor den Wahlen leichtes Spiel. Die Wahlplakate bieten dem Vielfarbigen Plakatnestler zwar ideale Brutstätten. Leider macht ihm der Mensch oft einen Strich durch die Rechnung: Er malt Schnäuzchen, Hörner oder Beleidigungen auf die Nistplätze – dabei sind die Chemikalien in Filzstiften und Farben für den Nachwuchs des Tierchens tödlich. Das Forum für Biodiversität rät deshalb dringend von Vandalenakten gegen Wahlplakate ab.