Spital Flawil
Nach dem Scheitern in Wattwil: Ist die geplante Nachfolgelösung für das Spital Flawil auch gefährdet?

Das private Pflegeunternehmen Solviva hat sich aus Wattwil zurückgezogen. Ist die Nachfolgelösung für das Spital Flawil auch in Gefahr? Auch in Flawil will Solviva die Spitalimmobilie übernehmen und ein Zentrum für spezialisierte Pflege realisieren.

Regula Weik
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Über viele Jahre das Bild Flawils mitgeprägt: Nun wird das Spital abgerissen.

Über viele Jahre das Bild Flawils mitgeprägt: Nun wird das Spital abgerissen.

Bild: Ralph Ribi

Wattwil und Solviva – das klemmte von Beginn weg. Gemeinderat und privates Pflegeunternehmen verstanden sich nie richtig. Ihr Verhältnis war kompliziert, schwierig, angespannt. Am Dienstag dann der Knall: Solviva zieht sich aus Wattwil zurück, die Nachfolgelösung für das Toggenburger Landspital ist gescheitert.

Doch das Pflegeunternehmen war nicht nur am Spital Wattwil interessiert. Auch in Flawil arbeiten Kanton und Solviva bei der Nachfolgelösung für das Spital zusammen. Und so fragt sich diese Woche männiglich: Ist das in Flawil geplante Zentrum für Gesundheit, Therapie und spezialisierte Langzeitpflege nach den Ereignissen im Toggenburg nun auch gefährdet? Ist das Pflegeunternehmen in Flawil noch an Bord? Und wie lange noch?

Verkaufsverhandlungen sind in der Endphase

Der Kanton beruhigt:

«Das Projekt in Flawil ist auf Kurs.»
Bruno Damann, St.Galler Regierungsrat und Gesundheitschef.

Bruno Damann, St.Galler Regierungsrat und Gesundheitschef.

Bild: Michel Canonica

Bekannt ist: Solviva will das Spital erwerben – wie schon in Wattwil. Doch anders als im Toggenburg kann in Flawil die Gemeinde bei den Verkaufsverhandlungen nicht dazwischenfunken. Sie hat kein Rückübertragungsrecht auf die Immobilie – anders als Wattwil. Auf die Frage, wie weit die Verkaufsverhandlungen zwischen Kanton und Solviva in Flawil gediehen seien, antwortet der St.Galler Regierungsrat und Gesundheitschef Bruno Damann:

«Wir stehen kurz vor der Unterzeichnung.»

Gemeindepräsident: Kein Grund für Zweifel

Elmar Metzger, Gemeindepräsident von Flawil.

Elmar Metzger, Gemeindepräsident von Flawil.

Bild: pd

Der Flawiler Gemeindepräsident Elmar Metzger hatte sich von Beginn weg offen gegenüber den Plänen von Solviva gezeigt. «Das Schlimmste für die Gemeinde wäre, wenn die Spitalliegenschaft auf Jahre hinaus leer stünde», sagte Metzger vor einem Jahr gegenüber dieser Zeitung. Genau das befürchtete er, denn das Gesundheits- und Notfallzentrum allein hätte nie alle Räume belegt. Wie wohl ist ihm heute, nach den Ereignissen in Wattwil, mit dem privaten Pflegeunternehmen noch? «Wir haben volles Vertrauen in sein Engagement und zweifeln keine Sekunde an seiner guten Absicht und dem Willen, unser Projekt umzusetzen.» Die Gemeinde stehe seit Monaten in engem Kontakt mit Solviva.

«Nach den Sommerferien sind weitere Planungssitzungen vorgesehen, sodass das Projekt zeitgerecht umgesetzt werden kann.»

Baueingabe nächsten Frühling

Das Spital Flawil wurde vor gut einem Monat geschlossen. Im Frühling wurde bekannt: Es wird abgerissen. Das geplante Zentrum für Gesundheit, Therapie und spezialisierte Langzeitpflege wird 2024 den Betrieb in einem Neubau aufnehmen. Die Baueingabe dafür soll nächsten Frühling erfolgen. 32 bis 35 Millionen Franken will Solviva in Flawil investieren. Geplant sind bis zu 70 Betten für spezialisierte Langzeitpflege.

Bereits länger mit im Boot ist das Schweizer Paraplegiker-Zentrum. Es will Flawil zum Ostschweizer Aussenstandort für die ambulante Betreuung von querschnittsgelähmten Personen sowie von Personen mit komplexen neurologischen Erkrankungen machen. Auch das Kantonsspital St.Gallen wird mit ambulanten Dienstleistungen in den Neubau einziehen. Bis es so weit ist, führt es sein ambulantes Grundangebot im Ärztezentrum Flawil weiter. Im neuen Zentrum sollen aber auch spezialärztliche Praxen sowie Physio- oder Ergotherapie Platz finden.

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