Flaschenspiel endet mit Vergewaltigung

ST. GALLEN. An einem Wintertag im Jahr 2014 sperrten zwei Burschen ein Mädchen ins Badezimmer einer Wohnung ein und wollten Geschlechtsverkehr. Der eine der beiden jungen Männer stand gestern vor dem Kreisgericht St. Gallen.

Claudia Schmid
Drucken
Teilen
Er habe bei den Jugendlichen eine normale Untersuchung vorgenommen, sagte der Beschuldigte Arzt vor dem Kreisgericht. Er wurde am Dienstag freigesprochen. (Bild: Urs Bucher)

Er habe bei den Jugendlichen eine normale Untersuchung vorgenommen, sagte der Beschuldigte Arzt vor dem Kreisgericht. Er wurde am Dienstag freigesprochen. (Bild: Urs Bucher)

 An einem Wintertag im Jahr 2014 sperrten zwei Burschen ein Mädchen ins Badezimmer einer Wohnung ein und wollten Geschlechtsverkehr. Der eine der beiden jungen Männer stand gestern vor dem Kreisgericht St. Gallen.

Zum ersten Mal gesehen

Am Tatnachmittag trafen sich sieben Kolleginnen und Kollegen in einer Wohnung und vertrieben sich die Zeit mit einem Flaschenspiel, das Wahrheit und Pflicht hiess. Er habe das Mädchen an jenem Tag zum ersten Mal gesehen, erklärte der 19jährige Beschuldigte. Der eine Kollege habe erzählt, sie habe schon mit vielen Männern etwas gehabt und lasse jeden an sich ran. Ziel des Flaschenspiels sei es gewesen, sich dem Mädchen anzunähern. Dieses habe aber nicht recht mitmachen wollen.

Keiner Schuld bewusst

Er betrachte sich als unschuldig, betonte der junge Mann in der Befragung des vorsitzenden Richters weiter. Er habe zwar zusammen mit einem Kollegen das Mädchen ins Badezimmer getragen, sie kurz festgehalten und zum Geschlechtsverkehr aufgefordert. Sie habe aber Nein gesagt und sich gewehrt. Sowohl er als auch sein Kollege hätten dann von ihr abgelassen, nachdem sie zu weinen begonnen habe. Später habe er lange mit ihr geredet, sich für sein Verhalten entschuldigt und sie nach Hause begleitet. Am Abend sei es in ihrem Zimmer zum einvernehmlichen Sex gekommen. Einige Wochen später habe er von ihr nichts mehr wissen wollen. Wohl deshalb habe sie ihn der Vergewaltigung bezichtigt.

Die Staatsanwältin stellte vor Gericht zwei verschiedene Anträge. Sie sei überzeugt, dass es sich bei der Tat um eine versuchte Vergewaltigung handle. Da das Opfer aber erkläre, der Beschuldigte sei im Badezimmer kurz in sie eingedrungen, überlasse sie die Beurteilung dem Gericht, ob eine vollendete Vergewaltigung vorliege. Das zur Tatzeit 15jährige Mädchen bestreite auch, dass es am Abend zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen sei. Aufgrund von SMS, welche die beiden ausgetauscht hätten, müsse man jedoch davon ausgehen, dass der Beschuldigte in diesem Punkt die Wahrheit sage.

Für den Rechtsvertreter des Opfers war erwiesen, dass es nicht beim Versuch der Vergewaltigung blieb. Die jungen Männer hätten dem Mädchen die Hosen ausgezogen. Der Kollege habe es bedrängt, der Beschuldigte den Geschlechtsverkehr vollzogen.

Freispruch beantragt

Der Verteidiger beantragte einen Freispruch oder bei einer Verurteilung wegen versuchter Vergewaltigung eine milde Strafe. Sein Mandant habe wahrheitsgetreu geschildert, was sich an jenem Tag zugetragen habe. Es sei nicht zu erklären, weshalb das Mädchen nicht um Hilfe geschrien habe, wenn es wirklich in Not gewesen sei. Hilferufe seien für die anderen Anwesenden in der kleinen Ein-Zimmer-Wohnung nicht zu überhören gewesen. Die Aussagen des Mädchens seien sehr widersprüchlich.

Das Gericht verurteilte den Beschuldigten wegen versuchter Vergewaltigung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren.