Fischgeschmack im Wandel

ST. GALLEN. Die alten Römer liessen sich in Eis verpackte Trüschen und besonders deren Lebern vom Bodensee in Eilritten noch auf die üppigen Tafeln am Tiber bringen und gaben dafür wohl viele «sestertii» aus. Als Gegenpapst Johannes XXIII.

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ST. GALLEN. Die alten Römer liessen sich in Eis verpackte Trüschen und besonders deren Lebern vom Bodensee in Eilritten noch auf die üppigen Tafeln am Tiber bringen und gaben dafür wohl viele «sestertii» aus. Als Gegenpapst Johannes XXIII. 1415 vom Konstanzer Konzil flüchten musste, wurde er vom Pfarrer in Ermatingen mit gebratenen Groppen bewirtet. Zum Dank erlaubte der geistliche Würdenträger der Gemeinde einen zusätzlichen Festtag, der als Ermatinger Groppenfasnacht bis auf den heutigen Tag begangen wird. Groppen gäbe es heute noch im See, nur essen mag sie niemand mehr.

In Notzeiten wurden alle Fischarten aus dem See verzehrt, Gräten hin oder her. Noch im vergangenen Jahrhundert und bis nach dem Zweiten Weltkrieg war auch der Alet, auch Döbel genannt, eine begehrte Kost, die nicht jeden Tag auf den Tisch kam. Die geputzten Fische wurden durch den Wolf getrieben, das Fleisch dann mit eingeweichtem Brot, Gewürzen und Kräutern durchgeknetet und im Fett gebraten. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg galten für die Berufsfischer die Egli als lästiger Beifang, die sich in den unteren Regionen der Schwebnetze verfingen. Verarbeitet und gegessen wurden die Egli kaum, sie machten mit ihren Stacheln und den festsitzenden Schuppen zu viel Arbeit. Erst in den 1960er-Jahren lernten die Fischer das Filetieren. Die Egli liessen sich auf einmal essen «wie Brot» und entwickelten sich zur Delikatesse Nr. 1 am Bodensee. (gg)