Fischereizentrum nur mit Einsparungen?

ST. GALLEN. 25 Millionen Felchen, 1,5 Mio.

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ST. GALLEN. 25 Millionen Felchen, 1,5 Mio. Bachforellen, 400 000 Seeforellen, 100 000 Seesaiblinge, 50 000 Hechte sowie – im Aufbau – 50 000 Äschen und 100 000 Nasen: So viele Brütlinge liefert die Fischzuchtanlage Rorschach jährlich zur fischereilichen Bewirtschaftung und zur Wiederansiedlung bedrohter Arten im Bodensee, seiner Zuflüsse sowie weiterer Gewässer im Kanton. Gewaltige Zahlen, die vor dem Hintergrund katastrophaler Fänge und unzufriedener Berufsfischer erst recht belegen, welche Funktion ein St. Galler Fischereizentrum am Bodensee erfüllt. Umso grösser war der Schock in Fischereikreisen nach dem Nein des Kantonsrats: «Falls noch mehr Stricke reissen, könnte die Fischereiverwaltung ihre Bewirtschaftungsaufgaben nicht mehr erfüllen», schrieb die Verbandszeitung zum «Trauerspiel».

Kürzungsanträge angekündigt

Nun geht das «Trauerspiel» um das Fischereizentrum nächste Woche in die zweite Runde – mit guten Vorzeichen, nachdem die vorberatende Kommission die besser begründete und «abgespeckte» neue Vorlage der Regierung deutlich gutheisst (Ausgabe vom 3. September). Allerdings passiert das Geschäft auch dieses Mal nicht ohne Nebengeräusche: Zwar ist kein grundsätzlicher Widerstand zu erwarten, doch werden die Kosten noch einmal zu reden geben.

Die FDP kündigt einen Antrag an, den Kredit auf 10 Millionen Franken zu kürzen. Trotz der Einsparungen von 1,8 Millionen gegenüber der ersten Vorlage (10,95 statt 12,8 Mio.) ortet sie gemäss Mitteilung weiteres Einsparpotenzial: «Insbesondere scheinen die Gebäude- bzw. die Planungskosten nach wie vor zu grosszügig budgetiert.» Unterstützung erhält die FDP von der GLP/BDP-Fraktion, die der Meinung ist, dass zehn Millionen für die Realisierung des Vorhabens genügten. Und gewiss dürfte ein «Fischereizentrum light» – der Begriff stammt von der FDP – auf Sympathien in der SVP stossen, die das Geschäft erst am Montag vor der Session berät.

Die Zeit drängt

Noch nicht zur Vorlage geäussert haben sich die Fraktionen von CVP-EVP und SP-Grüne. Sie dürften gemäss bisherigen Abstimmungen grossmehrheitlich der Regierung folgen, die den Finanzbedarf auch anhand des vergleichbar leistungsfähigen Vorarlberger Landesfischereizentrums in Hard ermittelt hat.

Der Entscheid für einen Neubau der veralteten Anlage wird nicht nur von Fischern mit Ungeduld erwartet. Betroffen sind auch die Stadt Rorschach, die auf dem Areal ein Hotel plant, sowie am Rand gar das Kreisgericht, das im Streit zwischen lärmgeplagten Steinacher Anwohnern und der Firma TE Connectivity entscheiden muss, die rasch eine gemeinsame Seewasser-Kühlanlage mit dem Kanton St. Gallen realisieren will. (mel)