Firmen erpressen als Geschäft

Computerhacker finden immer wieder Lücken im System. Auch die Ostschweiz wird nicht verschont. Wer Anweisungen in infizierten Mails folgt, wird im Handumdrehen erpresst. Es gibt aber Vorsichtsmassnahmen, die helfen.

Leandra Fiechter
Drucken
Teilen
Viren machen nicht nur Menschen krank. Hacker versenden sie bewusst und erpressen die Empfänger. (Bild: fotolia/Ralf Geithe)

Viren machen nicht nur Menschen krank. Hacker versenden sie bewusst und erpressen die Empfänger. (Bild: fotolia/Ralf Geithe)

Es ist wieder Grippezeit. Nicht nur Menschen, sondern auch Computer sind momentan davon betroffen. Die aggressiven Viren sperren auf dem Computer gespeicherte Dokumente. Hacker versenden infizierte E-Mails an Firmen, teilt die Landespolizei des Fürstentums Liechtenstein mit. Nicht nur bei ihnen, sondern auch bei schweizerischen Polizeibehörden sind Meldungen über solche Angriffe eingegangen. Wenn die Anhänge dieser infizierten Mails geöffnet und installiert werden, verschlüsselt die sogenannte Schadsoftware verschiedene Dateien, die sich auf dem Computer befinden. Das können Word- oder Excel-Dateien sowie Fotos sein. Anschliessend erhalten die Opfer Meldungen, in denen die Täter Geld fordern. Im Gegenzug sollten die Opfer darauf den Entschlüsselungscode erhalten, mit welchem sie die Dateien wieder herstellen und öffnen können.

Hinterlistige Hacker

Diese erpresserische Form von Computerkriminalität ist seit längerem bekannt. Bei der aktuellen Variante handelt es sich um E-Mail-Anhänge der Typen «zip» oder «.js». Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, kennt die hinterlistige Art der Hacker, an Geld zu kommen. «Ein Fall wie dieser wurde uns noch nicht gemeldet. Wir erhielten aber andere Meldungen, bei denen Leute von Hackern überlistet wurden», sagt er. Dabei hätten die Täter beispielsweise im Namen einer Bank E-Mails versendet. Darin stand, dass das Bankkonto der jeweiligen Person nicht mehr sicher sei. «Sie forderten den Empfänger daraufhin auf, seine Bankdaten bekanntzugeben», sagt Rezzoli. Auch Daniel Metzler, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, sagt: «Bei uns gibt es momentan noch keine Fälle dieser Art. Es gibt aber öfters Anzeigen von Privatpersonen, die kuriose Mails mit Geldforderungen erhalten haben.» Die Polizei nehme die Anzeige jeweils auf und verweise die Person an die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik). 66,9 Prozent der 10 214 Meldungen, die bei Kobik letztes Jahr eingingen, betrafen Vermögensdelikte. Damit Angriffe verhindert werden können, rät die Landespolizei zu präventiven Massnahmen.

Schutz vor einer Infizierung

Daten, die auf dem Computer gespeichert sind, sollten regelmässig auf externe Datenträger gesichert werden (Back-up), die nur während der Übertragung an den Computer angeschlossen sind. Bei E-Mails von unbekannten Absendern oder mit unerwartetem Inhalt gilt es vorsichtig zu sein. Darin enthaltene Anweisungen, Anhänge zu öffnen oder Links zu folgen, sollten ignoriert werden. Das Betriebssystem und installierte Applikationen, insbesondere Browser und PDF-Reader, sollten immer auf dem neusten Stand sein. Ein Antivirenprogramm kann ein guter Ritter der Computerburg sein. Auch dieses sollte aktuell sein. Eine persönliche Firewall ist eine Software, die den ein- und ausgehenden Datenverkehr filtert. Sie sollte ebenfalls als zusätzlicher Schutz installiert werden.

Es ist doch geschehen – was nun?

Falls der Computer trotzdem infiziert wird, rät die Landespolizei, ihn von allen Netzwerken zu trennen und zu säubern. Darauf sollten eine Neuinstallation gemacht und Passwörter geändert werden. Am besten hole man sich die Hilfe eines Computerspezialisten. Anschliessend können die «gesunden» Daten, die beim Back-up auf den externen Datenträger gesichert wurden, wiederhergestellt werden. «Auf keinen Fall auf eine Lösegeldforderung eingehen», rät die Landespolizei. Dies bestätigen auch die zwei Mediensprecher der Ostschweizer Polizeikorps.

Aktuelle Nachrichten