Finstere Stunden für Schüler

Nicht alle dürfen die Sonnenfinsternis mit ansehen. In vielen Ostschweizer Primarschulen müssen die Kinder in den Klassenzimmern bleiben. Sogar ein Waldbesuch wurde abgesagt.

Tim Naef
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Manche Ostschweizer Schulen fürchten wegen der Sonnenfinsternis Augenschäden bei den Schülern. (Bild: epa/Katia Christodoulou)

Manche Ostschweizer Schulen fürchten wegen der Sonnenfinsternis Augenschäden bei den Schülern. (Bild: epa/Katia Christodoulou)

Viele Ostschweizer Schulkinder werden nicht viel von der heutigen Sonnenfinsternis zu sehen bekommen. Die meisten Primarschulen in der Ostschweiz verbannen ihre Schüler während des Spektakels in die Klassenzimmer: In den Pausen dürfen die Kinder nicht nach draussen. Einige Schulen verschieben die Pausenzeiten. Wieder andere streichen die Pausen gleich komplett – aus Angst vor bleibenden Augenschäden bei den Kleinen.

Waldbesuch wurde gestrichen

«Wir haben das Thema unter den Lehrpersonen besprochen», sagt Damian Herzog, Schulleiter des Schulkreises Steig in Wittenbach. «Anschliessend habe ich als Schulleiter entschieden, dass es für die Schüler sicherer ist, wenn sie in den Klassenzimmern bleiben.» Das gilt für die Unterstufe. In den Klassen der Mittelstufe ist die Sonnenfinsternis im Unterricht thematisiert worden. Diese dürfen unter Aufsicht und nur mit Schutzbrillen das Spektakel auch draussen beobachten.

Gleicher Meinung ist Beatrice Gantner, Schulleiterin des Kreises Kronbühl, ebenfalls in Wittenbach: «Wir haben viele Anrufe von besorgten Eltern erhalten. Unsere Lehrpersonen stehen während der Schulzeit in der Verantwortung. Deshalb werden die Kinder die heutigen Pausen entweder drinnen verbringen oder die Pausenzeiten werden verschoben.»

Noch einen Schritt weiter geht das Primarschulzentrum «Martin-Haffter» in Weinfelden. «Bei uns bleiben heute alle Schüler drinnen, sowohl die Kindergärtler als auch die Sechstklässler», sagt Schulleiter Kurt Alder. «Wir haben sogar den Waldbesuch des Kindergartens abgesagt.»

«Konsequente Massnahmen»

Die Stadt St. Gallen hat gestern noch eine Mitteilung an die Schulleiter verfasst. «Wir haben die Schulen explizit angewiesen, dass die Kinder nur mit den richtigen Schutzbrillen die Sonnenfinsternis betrachten sollten», sagt Claudia Herold vom städtischen Schulamt. «Wenn die Kinder ohne Schutzbrillen drinnen bleiben müssen, finde ich das nur konsequent.»

Dani Dauwalder, Mediensprecher des Bundesamtes für Gesundheit, hält sich mit persönlichen Einschätzungen zurück: «In unserer Medienmitteilung steht einfach, dass ohne Schutzbrille auf keinen Fall in die Sonne geblickt werden sollte. Egal ob Kind oder Erwachsener. Ob die Kinder ohne entsprechende Brillen in den Schulhäusern bleiben sollten, liegt in der Verantwortung der entsprechenden Lehrpersonen.»

Gardinen werden gezogen

Nicht nur an Ostschweizer Primarschulen werden Kinder in den Klassenzimmern behalten. Auf Twitter kursieren Elternbriefe, die für einen vermeintlichen Schutz der Kinder noch weiter gehen. «Wir werden die Fenster mit Gardinen verschliessen, so dass kein Kind von diesen Lichtstrahlen bestrahlt werden kann», heisst es von einer Schule im deutschen Münster.